Ein 50-Euro-Schein mit Eselsohr

+
Kuriosum: Der falsch beschnittene Geldschein.

Klaus Gipper ist ein umtriebiger Mensch. Nachdem er bereits vor Jahren das Würfelspiel „Hessen-Stäbchen“ erfunden hat, ist er im Moment gerade dabei, ein von einer Fernsehfigur lebendes Brettspiel zu erproben. Irgendwie hat er Sinn für Sachen, die einem nicht gleich ins Auge fallen.

Nicht schlecht staunte der 68-Jährige, als er vor Jahren bei einem Tankstopp im Elsass auf einmal einen 50-Euro-Schein in Händen hielt, der alles andere als „normal“ war. „Wollen Sie ihn haben?“, fragte die Tankwartin, der beim Herausgeben ebenfalls aufgefallen war, dass eine Kleinigkeit an dem Schein nicht in Ordnung war: Die Banknote war an der rechten oberen Ecke nicht richtig beschnitten. Sie wies eine Art Wimpel auf. Gipper störte sich jedenfalls nicht daran. Er sah sich als eine Art Glückspilz und nahm den Schein mit.

Zuhause angekommen, informierte er sich darüber, wie der „Fehldruck“ zustande gekommen sein könnte. Nach Recherchen im Internet und Rücksprache bei Banken ergab sich für ihn folgendes Bild: Alle Geldscheine werden auf großen Papierbögen gedruckt. Zwischen den einzelnen Geldscheinen befindet sich ein etwa fünf Millimeter großer Zwischenraum, der beim sich anschließenden, maschinell erfolgenden Aus- und Beschneiden entfernt wird.

Bei Gippers 50-Euro-Banknote war es nun wahrscheinlich so, dass die rechte obere Ecke irgendwann umgeknickt worden ist. Und das fiel weder bei Laserkontrollen, noch bei Sortierung, Bündelung oder Endkontrolle auf.

Für Gipper ist „sein“ Geldschein etwas ganz Besonderes. Da er aber auch weiß, dass die Banknote ein begehrtes Sammlerobjekt ist, hat er sich entschlossen, sie zu einem Mindestgebot von 200 Euro zum Verkauf anzubieten und mit dem Erlös etwas Gutes tun: Der komplette Erlös soll der Kinderkrebshilfe und hier wiederum dem Familienzentrum der Station Peiper des Kinderkrebszentrums der Universitätskinderklinik Gießen zugutekommen. Das hängt mit der Drachen-Fliegen-Lassen-Leidenschaft des gebürtigen Melsungers zusammen, der 1995 Mitbegründer des Drachenclubs Waldhessen war. Der Verein wiederum entschloss sich 2004, zugunsten des Familienzentrums Aktionen zu organisieren und zu unterstützen. „Bei Drachenfesten, Flugshows, Workshops und Sammelaktionen aller Art haben wir schon viele Tausend Euro für das Familienzentrum erwirtschaftet“, berichtet Gipper.

Der Heinebacher selbst hatte auch beruflich Kontakt zu krebskranken Kindern, und dementsprechend wurde er auch früh – nicht zuletzt durch die von verschiedenen Bürgermeistern der Region unterstützte „Tour Peiper“ – auf die großen Anstrengungen der Gießener Universitätskinderklinik aufmerksam. Hier befindet sich die Leitung eines europäischen Forschungs- und Therapiezentrums zur Behandlung des besonders aggressiven Lymphknotenkrebses bei Kindern.

Trotz umfangreicher staatlicher Förderung ist es schwierig, die bestehenden Strukturen aufrechtzuerhalten und insbesondere betroffene Eltern durch Zuwendung, Betreuung und Erfahrungsaustausch sowie direkte Hilfen zu unterstützen. „Viele Aktivitäten und die Umsetzung neuerer Forschungserkenntnisse sind nur durch Unterstützung von Unternehmen und Sponsoren sowie durch verantwortungsbewusste Menschen möglich“, unterstreicht Gipper. „Gerade das Familienzentrum, in dem Eltern wohnen, deren Kinder auf der Station Peiper behandelt werden, ist für Unterstützung jeglicher Art dankbar. Für alle Patienten bedeutet es eine große Hilfe, wenn sie in den schmerzvollen Monaten der Erkrankung Mutter oder Vater zum Reden, Trösten, Miteinander-Traurig-Sein oder Lachen bei sich haben können.“

Und deswegen wünscht sich Klaus Gipper, der auch den größten Teil des Verkaufserlöses seiner „Hessen-Stäbchen“ nach Gießen gegeben hat, dass er mit dem Verkauf des 50-Euro-Kuriosums ähnlich viel Gutes tun kann.

Interessierte können unter folgender Telefonnummer anrufen: 0 56 64 / 9 10 93

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.