Starker Einbruch bei Übernachtungen 2020

50 Prozent weniger Gäste im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Das Bild zeigt eine eiserne Brücke mit Bögen und Fachwerkhäuser vor einer Kirche
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Anziehungspunkt für Touristen: Rotenburg mit Fachwerk und Fulda. Unser Bild zeigt die alte Fuldabrücke mit Blick zur Neustadt.

Der Tourismus ist im Coronajahr 2020 eingebrochen: Es kamen nur knapp halb so viele Gäste in den Landkreis wie im Vorjahr.

Hersfeld-Rotenburg - Trotzdem blickt zum Beispiel Torben Schäfer, Geschäftsführer der Rotenburger Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER positiv in die Zukunft. Er glaubt nicht, dass die Branche in der Fuldastadt nachhaltig geschädigt wird. „Man hat auch 2020 gesehen: Wenn es erlaubt war, war die Stadt mit Touristen voll. Wir haben auch aktuell viele Anfragen. Die Leute wollen reisen, sie wollen raus“, sagt Schäfer. Der Deutschland-Tourismus nehme immer mehr zu und da profitiere man als Region, die „noch ein bisschen unentdeckt“ sei. Ostsee, Nordsee und die Alpen seien schließlich irgendwann als Reiseziele ausgereizt.

Besonders viele Gäste verzeichnete Rotenburg auch im Coronajahr unter den Wohnmobilisten – die wichen teils sogar auf den Parkplatz Altes Amtsgericht aus, weil der Stellplatz am Wittich voll war. Von den Übernachtungen entfiel aber auch ein Großteil auf die Finanzschüler.

Matthias Glotz vom Stadtmarketing Bad Hersfeld sieht die Kreisstadt im vergangenen Jahr vergleichsweise moderat vom Rückgang getroffen. „Die Zahlen unterscheiden sich in Hessen stark. Frankfurt, das von Messen und dem Flughafen abhängig ist, hatte einen Einbruch um 75 Prozent. In Bad Wildungen hingegen mit den Kurbetrieben waren es nur 25 Prozent. Wir liegen da in der Mitte“, sagt er. Das liegt zum Beispiel an der Vitalisklinik, wo der Rückgang der Kurgäste laut Geschäftsführung nur bei 15 bis 20 Prozent lag.

Aber auch Touristen kamen nach dem ersten Lockdown. Hotelier Achim Kniese, dem ein Großteil der Häuser in Bad Hersfeld gehört, habe sehr schnell wieder hochgefahren, so Glotz.

Die Zahlen werden vom Statistischen Landesamt veröffentlicht. In Waldhessen fiel der Rückgang im Coronajahr geringer aus als in ganz Hessen. 196 400 Übernachtungsgäste (minus 48 Prozent im Vergleich zu 2019) und 720 000 Übernachtungen (minus 39 Prozent) wurden gezählt. Auf Landesebene sank die Zahl der Gäste um 57 Prozent und die der Übernachtungen um 48 Prozent.

Über die Hälfte der Gäste im Kreis werden in Rotenburg und Bad Hersfeld gezählt. Nach Rotenburg kamen 54 800 Gäste, nach Bad Hersfeld 49 300 – in der Kreisstadt blieben die Touristen aber länger. Dort waren es 219 300 Übernachtungen, in Rotenburg 199 900. Es folgen Bebra (50 950), die Autobahngemeinde Kirchheim (50 600) und Nentershausen (28 100). 

„Die Festspielsaison mit 250 anstatt 1250 Zuschauern pro Vorstellung konnte natürlich unmöglich abgefedert werden“, sagt Matthias Glotz vom Stadtmarketing Bad Hersfeld. Trotzdem seien zum Beispiel Geschäftsreisende, aber auch Touristen ab Juni wieder in die Stadt zurückgekehrt. Das liege unter anderem daran, dass Achim Kniese nicht, „wie manch anderer die Überbrückungsgelder angenommen und den Laden lieber zugelassen hat“, sondern seine Hotels sehr schnell wieder mit Hygienekonzept geöffnet habe. Glotz lobt Kniese als umtriebigen Geschäftsmann.

Das Lob will Kniese so gar nicht gelten lassen. „Dass man mindestens Geschäftsreisenden die Möglichkeit für eine Unterkunft bietet, ist fast schon eine moralische Verpflichtung. Es war also immer mindestens ein Haus geöffnet. Es gab auch Tagungen, mit Sicherheitskonzept“, sagt der Hotelier. Dabei habe er nicht unbedingt darauf geschaut, was sich lohne, sondern angeboten, was er anbieten konnte.

Den Rückgang bei den Übernachtungen in seinen Hotels beziffert er auf rund 55 Prozent – im Gastronomiegeschäft seien die Einbußen noch wesentlich größer. Glück hatte Kniese, so sagt er, mit den Protesten im Dannenröder Forst. Denn die Einsatzkräfte wurden am Ende des Jahres, als touristische Reisen erneut nicht mehr möglich waren, als Dauergäste bei ihm einquartiert.

Einen moderateren Rückgang hatten Kurbetriebe zu verzeichnen. Von 15 bis 20 Prozent weniger Übernachtungen spricht Klaus Schnettger, Geschäftsführer der Vitalisklinik in Bad Hersfeld. Das gelte aber nur für 2020. Seit Anfang dieses Jahres gebe es laut Rentenversicherung bei Rehamaßnahmen einen massiven Antragsrückgang von rund 40 Prozent. „Teilweise sind die Leute in Kurzarbeit und haben Angst um ihren Job. Es geht aber auch um die Angst, sich in der Reha zu infizieren“, sagt Schnettger.

Von Christopher Ziermann

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