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Vorschau auf „Der Club der toten Dichter“: Vom „Mark des Lebens“ und einem tragischen Tod

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Perspektiv-Wechsel: Die Schüler der Welton-Academy und ihr neuer Literaturlehrer John Keating – hier gespielt von Michael Rotschopf.
Perspektiv-Wechsel: Die Schüler der Welton-Academy und ihr neuer Literaturlehrer John Keating – hier gespielt von Michael Rotschopf. © Steffen Sennewald

Erneut auf dem Spielplan der Bad Hersfelder Festspiele steht 2022 „Der Club der toten Dichter“. Trotzdem gibt es einiges Neues zu entdecken - allen voran Michael Rotschopf.

Bad Hersfeld – Es ist eine Wiederaufnahme, und doch fühlt sich dieser „Club der toten Dichter“ wie neugeboren an. Das liegt an den zahlreichen Umbesetzungen im Ensemble – allen voran bei der Rolle des Hauptdarstellers, Lehrer John Keating. Wegen Terminproblemen teilen sich der Träger des Großen Hersfeldpreises Götz Schubert und Michael Rotschopf diese Rolle, und tatsächlich schaffen sie es, dabei dieselbe Figur durchaus unterschiedlich zu interpretieren.

Auch bei den Schülern wurden sechs Rollen neu besetzt, sodass ein neuer, äußerst lebendiger Klassenverband entsteht.

Die Inszenierung und somit auch die Botschaft des Stücks nach dem gleichnamigen Film von 1989 ist aber die Gleiche. Und sie bleibt so eindringlich und aktuell wie im vergangenen Jahr. Es geht um Tradition, Ehre, Disziplin und Exzellenz – die Grundprinzipien der alt-ehrwürdigen Welton-Academy, einem teuren Internat für Jungen im amerikanischen Vermont im Jahre 1959. Hier werden junge Männer mit harter Hand auf den Ernst des Lebens vorbereitet.

In diese angestaubte Elite-Schule voller Regeln und Traditionen platzt der neue Literatur-Lehrer John Keating, der seine Schüler zum selbstständigen Denken auffordert. „Worte und Gedanken können die Welt verbessern“, sagt Keating, selbst ein Ehemaliger der Welton-Academy, und bringt ihnen bei, die Welt auch mal aus anderen Perspektiven – zum Beispiel stehend auf dem Pult – zu betrachten. Nach Keatings Vorbild gründen sie in einer Höhle im Wald den „Club der toten Dichter“, in dem es zuweilen sehr lebendig zugeht. Die erste Liebe, die Rebellion gegen die Eltern, das Erwachsenwerden und die Lust daran – frei nach Henry David Thoreau –, „das Dasein auszukosten“ und das „Mark des Lebens einzusaugen“.

Wieder mit dabei in den tragenden Schülerrollen sind die beiden Träger des Hersfeld-Preises Till Timmermann als Neil Perry und Nico Kleemann als Todd Anderson. Neil träumt von der Theaterbühne – gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters, einem bornierten Militär (Thorsten Nindel). Todd indes traut sich kaum ein Wort zu sagen und taut erst mit Unterstützung von Lehrer Keating langsam auf.

Das Bühnenstück basiert auf dem Film von Peter Weir, mit Robin Williams als Keating, der für Generationen von damaligen Schülern und heutigen Eltern und Lehrern prägend war. Das oscar-prämierte Drehbuch schrieb Tom Schulman, der darin seine eigenen Erfahrungen verarbeitet hat. Festspielintendant Joern Hinkel versteht seine Inszenierung auch als Kritik am „altmodischen“ deutschen Bildungssystem, das zu wenig hinterfrage und kaum Zusammenhänge vermittele. (Kai A. Struthoff)

„Der Club der toten Dichter“ nach Tom Schulman

Theaterfassung von Joern Hinkel, Dramaturgie: Tilman Raabke, Regie: Joern Hinkel, Regieassistenz: Nina Damaschke, Bühne: Jens Kilian, Kostüm: Kerstin Micheel, Musikalische Leitung: Jörg Gollasch, Lichtdesign: Ulrich Schneider, Maske: Ute Mai, Choreografie: Kristin Heil.

Mitwirkende: Götz Schubert/Michael Rotschopf (John Keating), Hannes Hellmann (Nolan), Till Timmermann (Neil Perry), Nico Ramon Kleemann (Todd Anderson), Nils Eric Müller (Steven Meeks), Luke Bischof (Charlie Dalton), Constantin Gerhards (Richard Cameron), Stefan Reis (Gerald Pitts u.a.), Manuel Nero (Kurt Hopkins u.a.), Klaas Johann Lewerenz (Chet Danbury u.a.), Fabian Hanis (Knox Overstreet), Thorsten Nindel (Mr. Perry), Peter Englert (Mr. McAllister), Eili Riccardi (Chris Noel u.a.), Constanze Aimée Feulner (Gloria u.a.)

Termine: Premiere am 2. Juli, 21 Uhr, 17 Vorstellungen bis 14. August, Dauer: 2,5 Stunden plus 30 Minuten Pause

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