Prüfungen und Corona

Abiturienten in Hersfeld-Rotenburg: Das Ballkleid taugt nur als Erinnerung

Einheitlich zum Abschied: „Abi-Profen – endlich hat der Schmerz ein Ende“ steht auf den obligatorischen Kapuzenpullovern und Shirts, die sich die Abiturienten der Jakob-Grimm-Schule am Ende der Schulzeit anschaffen. Unser Bild zeigt von links mit Abstand und nur kurz fürs Foto ohne Maske Malin Arnold, Emily Heusner, Liv Aster und Merit Hartz.
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Einheitlich zum Abschied: „Abi-Profen – endlich hat der Schmerz ein Ende“ steht auf den obligatorischen Kapuzenpullovern und Shirts, die sich die Abiturienten der Jakob-Grimm-Schule am Ende der Schulzeit anschaffen. Unser Bild zeigt von links mit Abstand und nur kurz fürs Foto ohne Maske Malin Arnold, Emily Heusner, Liv Aster und Merit Hartz.

Die Prüfungen haben begonnen, auf einen Abi-Ball zur Belohnung nach all den Mühen können Schüler auch dieses Jahr nicht hoffen. Normalität ist selten beim zweiten Corona-Jahrgang.

Rotenburg – Einen Abi-Ball wird es auch in diesem Jahr nicht geben, ein Ballkleid hat sich Emily Heusner dennoch gekauft. „Für mich ist das wichtig und hat symbolische Bedeutung“, sagt die Schülerin der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule. Bestenfalls kann sie es zur feierlichen Zeugnisübergabe tragen, auf die alle Abiturienten trotz Pandemie hoffen.

Trotz letzter Abitur-Vorbereitungen haben sich Emily Heusner, Malin Arnold, Liv Aster und Merit Hartz ein bisschen Zeit genommen und erzählen von einem anstrengenden letzten Schuljahr in Zeiten von Corona. Und schnell wird deutlich: Nicht das Lernen allein zu Hause oder Präsenzunterricht in Gruppen und mit Maske haben belastet, sondern die ständig und kurzfristig wechselnden Bestimmungen, klagt zum Beispiel Merit. Emily bestätigt: „Die Infos vom Land kamen immer kurz vor knapp.“ Strittig zum Beispiel, welche Masken zugelassen werden. „Irgendwann will man es nur noch hinter sich haben“, sagt Liv.

Viel Unterstützung von Lehrern und aus der Familie

Hinter ihnen liegt bereits eine Zeit, die sie weitestgehend auch freiwillig in Isolation verbracht haben, um sich nicht noch kurz vor den Prüfungen zu infizieren. Spaziergänge mit einzelnen Freundinnen waren das Maximum an direkten Kontakten, erzählt Liv.

Getragen und stark unterstützt fühlen sich die jungen von ihren Lehrkräften, die auch noch zu unmöglichen Zeiten per Chat oder Mail Fragen beantwortet oder weitere Tipps fürs Lernen gegeben hätten. Und richtig dankbar sind sie, dass die Schule ihnen die übliche Motto-Woche gegönnt hat. Unterricht in Kostümen – das hatte einen Hauch von Abi-Normalität, wenn die Abiturienten auch unter sich und auf Abstand bleiben mussten. Auch im Familienkreis gab es Unterstützung. „Meine Eltern waren im Homeoffice, wir konnten miteinander fühlen“, erzählt Malin.

Corona hat aber auch Pläne gekippt, die eigentlich nach der Schulzeit umgesetzt werden sollten: Merit wollte als Au pair im Ausland arbeiten. Das wird nun nichts. An die Uni, die aktuell im Grunde nichts anderes wäre als weiteres Lernen vor dem Laptop, zieht es keine der Abiturientinnen. Malin will jetzt erst mal jobben, wollte aber eigentlich in verschiedene Berufe reinschnuppern. Emily und Liv haben sich für Ausbildungen entschieden: Emily will Notfall-, Liv Rettungssanitäterin werden. Und dann Medizin studieren. Persönlich an einer Uni, nicht am Laptop. (Silke Schäfer-Marg)

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