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Abschiedsinterview mit Harald Preßmann: „Mir war keine Stunde zu schade“

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Haunecks Bürgermeister a.D. Harald Preßmann. Der Ballon ist ein Geschenk seiner ehemaligen Kollegen.
Genießt den Ruhestand nun auch mal im Garten: Haunecks Bürgermeister a.D. Harald Preßmann. Der Ballon ist ein Geschenk seiner ehemaligen Kollegen. © Nadine Meier-Maaz

18 Jahre lang war Harald Preßmann Bürgermeister von Hauneck. Am Freitagabend wird er feierlich in den Ruhestand verabschiedet.

Hauneck – 18 Jahre lang war Harald Preßmann Bürgermeister der Gemeinde Hauneck, von Mai 2004 bis Ende April 2022. Von 2013 bis 2018 war er außerdem Zweiter Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung, von 2018 bis 2021 dann Vorsitzender und damit Sprecher. Feierlich verabschiedet wird der parteilose 65-Jährige heute Abend im Bürgerhaus in Unterhaun.

Wir haben mit ihm über Pläne für den Ruhestand, eine Bilanz seiner Arbeit und Blumen gesprochen.

Sie sind nun seit einigen Tagen im Ruhestand. Wie oft wollten Sie morgens noch ins Büro fahren?

(überlegt und lacht) Ich will im Moment nicht mehr ins Büro fahren. Ich denke, ich habe die klare Grenze erkannt und werde nun meinen neuen Job als Pensionär und Rentner wahrnehmen. Es ist aber eine Umstellung, an die ich mich noch gewöhnen muss. Um 8 Uhr im Büro zu sein war bisher der übliche Rhythmus. Ich bin jedoch zuversichtlich, auch zu Hause meinen Rhythmus zu finden. Gerade jetzt, wo es wärmer wird und ich meine Freizeit neu gestalten und zum Beispiel mein geliebtes Fahrrad bewegen kann, ohne in den Terminkalender schauen zu müssen.

80-Stunden-Wochen waren keine Seltenheit, haben Sie zuletzt mehrfach betont. Wie beschäftigen Sie sich nun sonst so?

Ich habe noch zwei, drei Ehrenämter, die ich weiter ausführen und für die ich mehr Zeit haben werde. Darauf freue ich mich. Den Vorsitz des Leader-Beirats werde ich zwar im Juni abgeben, aber noch sind wir mit der Planung des neuen Förderzeitraums ab 2023 beschäftigt. Seit Kurzem bin ich außerdem im Vorstand des Vereins Schule machen ohne Gewalt (Smog). Und mein Engagement im Vorstand der Seniorenbetreuung Diakonisches Werk Hersfeld-Rotenburg und Seniorenwohnen Hersfeld-Rotenburg mit den Wohnanlagen in Unterhaun und Bad Hersfeld habe ich für die nächsten zwei Jahre ebenfalls zugesagt. Für ein Jahr werde ich außerdem den Vorsitz des Landschaftpflegeverbands noch behalten.

In den nächsten Tagen stehen einige Sitzungen und Veranstaltungen an, aber es wird künftig auch mal freie Tage geben. Ich genieße es, aus der Verantwortung herauszukommen und nicht mehr permanent in der Öffentlichkeit zu stehen. Spaß machen mir außerdem handwerkliche Arbeiten und bei der Gartenarbeit kann ich gut abschalten. Es ist schön zu sehen, wenn man auf dem Grundstück etwas Neues geschaffen hat und ein Projekt gelungen ist.

Mit 18 Jahren im Amt gehörten Sie zu den dienstältesten Bürgermeistern im Kreis und in den vergangenen Jahren dürfte dieser Job eher schwieriger als einfacher geworden sein. Wenn Sie noch mal vor der Entscheidung stehen würden, würden Sie diesen Weg erneut einschlagen?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich würde es ziemlich sicher wieder tun. Meine Kandidaturen waren immer mit der Familie abgesprochen, die mich super unterstützt und mich mit dieser Rückendeckung gestärkt hat.

Kritik gibt es auch immer wieder an der mangelnden finanziellen Ausstattung der Kommunen durch das Land bei gleichzeitiger Mehrbelastung. War das denn früher tatsächlich anders?

Naja. Den Kommunen wurden sukzessive immer mehr Aufgaben übertragen, vor allem vom Land, aber auch vom Kreis, oft ohne die entsprechende finanzielle Ausstattung. Wer hätte sich zum Beispiel so etwas wie die Datenschutzgrundverordnung vorstellen können? Auch die Digitalisierung bringt viele Vorteile, kostet und belastet aber zusätzlich. Bequemlichkeit hat nun mal ihren Preis. Dabei sind wir in Hauneck noch recht solide aufgestellt durch vergleichsweise hohe Einnahmen bei der Gewerbe- und Spielapparatesteuer. Das gibt uns eine gewisse Kraft, ohne die Bürger weiter belasten zu müssen.

Sie sind immer wieder auch als Landrat gehandelt worden, wollten aber Bürgermeister bleiben. Warum?

Ich bin tatsächlich angesprochen worden, aber man muss seine Grenzen kennen. Ich habe mich immer gerne kreisweit engagiert, aber das Amt des Landrats war für mich nicht vorstellbar. Wir haben hier mit wenigen Ausnahmen, wie es sie überall gibt, super Bürger, ein gutes Team und ein ebenso gutes Klima in den Gremien. Für die Zeitung ist es vielleicht manchmal zu ruhig ... Wenn es Meinungsverschiedenheiten gab, haben wir erst mal hinter verschlossener Tür versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden. Meine Aufgabe war es, Hauneck voranzubringen, und dafür war mir keine Stunde zu schade. Und wir haben ja auch einiges vorangebracht. Wir haben die Kita-Kapazitäten und deren Öffnungszeiten erweitert, den Bauhof instand gesetzt, eine neue Sportanlage eröffnet und jetzt schreitet der Bau des neuen funktionalen Verwaltungsgebäudes voran, der dringend nötig war, auch wenn der Neubau noch nicht jedem gefällt.

Vom neuen Rathaus und auch vom geplanten Pflegeresort werden Sie allerdings nichts mehr haben ...

Natürlich wäre ich schon gerne noch mit umgezogen, aber ich freue mich auch für die Mitarbeiter und meinen Nachfolger, die künftig dort arbeiten dürfen. Ich muss da nicht unbedingt selbst drin sitzen, so ehrbedürftig bin ich nicht. Das Anima-Care-Pflegeprojekt hat uns in den vergangenen drei Jahren gut beschäftigt, und ich werde deshalb gerne weiter mit daran arbeiten. Ich hoffe, dass es verwirklicht wird und freue mich, wenn alles klappt wie geplant.

Worauf sind besonders stolz und was hätten Sie lieber anders gemacht?

Ich habe immer versucht, in allen Ortsteilen den gleichen Standard zu schaffen und alle Dörfer gleich zu behandeln. Eine Amtsperiode wäre dafür wahrscheinlich noch nötig gewesen, aber wir haben fast überall neue Spielplätze und Sportanlagen geschaffen sowie die Friedhofshallen saniert. Besonders wichtig waren mir immer sowohl die Jugendlichen als auch die Senioren. Den jungen Menschen etwas bieten zu können und sie vom Fernseher und Computer wegzulocken, und in diesem Sinne auch die Jugendarbeit in den Vereinen zu fördern und zu unterstützen. Ebenso war mir an einer gut funktionierenden Seniorenarbeit gelegen. Ich habe immer für alle Projekte gebrannt. Da etwas oder jemanden hervorzuheben, wäre nicht fair.

In den vergangenen Jahren sind die Bürgermeister deutlich jünger geworden und in Cornberg wurde erstmals eine Frau an die Verwaltungsspitze gewählt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

(lacht) Das ist eine andere Generation mit guten Ideen und guten Ansätzen, manchmal muss man die jungen Wilden aber am Boden halten. Zusammen mit den älteren Kollegen haben wir auch in der Bürgermeisterrunde jedoch gemeinsam immer gute Ergebnisse erzielt. Junge Leute und Ideen werden gebraucht, das ist klar. Verändert hat sich aber auch der Anspruch der Bürger, die fordernder geworden sind. Der Schuldenstand der Kommune interessiert den Einzelnen nicht, der nur auf seine eigenen Interessen schaut. Es wird oft zu Unrecht über die Mitarbeiter in den Verwaltungen, Kitas und Bauhöfen geschimpft.

Ihrem Nachfolger haben Sie mit Blick auf die vielen Abend- und Wochenendtermine eines Bürgermeisters den Tipp gegeben, regelmäßig Blumen mit nach Hause zu bringen. Darf sich Ihre Frau jetzt auch noch über Blumen freuen?

Das war ein wenig überspitzt, doch das Leben meines Nachfolgers wird sich ohne Zweifel ändern. Nur mit dem Verständnis und Rückhalt der Ehefrau kann man diese Leistung bringen. Da gehören also auch mal Blumen dazu, und es wird sicher auch bei uns noch Blumen geben, keine Frage. (Nadine Meier-Maaz)

Zur Person

Harald Preßmann (65) kommt aus Erdmannrode, lebt aber seit 2005 mit seiner Familie in Eitra. Im Mai 2004 wurde der Betriebswirt, der eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert hat, erstmals als Bürgermeister der Gemeinde Hauneck gewählt. Vor der Wahl zum Bürgermeister war er Geschäftsstellenleiter in Unterhaun bei der Raiffeisenbank Haunetal. 2015 wurde er als parteiloser Kandidat zuletzt mit 84,6 Prozent der Stimmen und ohne Konkurrenz erneut wiedergewählt. Bei der Wahl im Januar 2022 trat er nicht mehr an, seit 1. Mai ist Stephan Bolender (SPD) sein Nachfolger. Seine Freizeit verbringt Preßmann gerne mit der Familie. Er geht außerdem gerne spazieren, fährt Rad und besucht Sportveranstaltungen. Der frühere Fußballer ist Fan von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. (nm/ses)

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