Streit in Ausbach

Ärger um Erdhügel: Fahrradrampen stören laut Naturschutzbehörde das Ökosystem

Kinderspaß oder Störfaktor: Die Erdhügel auf dem Grundstück von Familie Fischer sorgen für Spannungen.
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Kinderspaß oder Störfaktor: Die Erdhügel auf dem Grundstück von Familie Fischer sorgen für Spannungen.

Erdhaufen, die Kinder im Hohenrodaer Ortsteil Ausbach als Fahrradrampen aufgeschüttet haben, sorgen für Streit zwischen Naturschutzbehörde und Grundstückseigentümern.

Ausbach – Normalerweise sind draußen spielende Kinder ein Grund zur Freude. Im Ortsteil Ausbach der Gemeinde Hohenroda ist der Freizeitspaß von Paul Fischer und Quentin Schiebelhut aber ein Problem für die Untere Naturschutzbehörde. Die beiden Freunde haben auf zwei Grundstücken der Familie Fischer fünf große Erdhaufen aufgeschichtet und rasen jetzt mit ihren Mountainbikes über die bis zu anderthalb Meter hohen und breiten Hügel. Laut Naturschutzbehörde haben sie dabei das Wiesenbiotop am Naturschutzgebiet Dreienberg-Landecker zerstört. Die Hügel sollen weg – doch die Fischers wehren sich.

„Ist es nicht besser, die Kinder spielen hier, in der Nähe des Hauses, wo wir aufpassen können, dass nichts passiert, als dass sie allein durch den Wald fahren?“, fragt Familienvater Thomas Fischer. Gerade wenn Jugendliche mit Mountainbikes durch den Wald führen, sehe er weit größere Schäden für die Natur. Fischers Grundstücke haben zusammen eine Fläche von 1450 Quadratmetern. Weil sie im Außenbereich der Ortschaft und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet liegen, dürfe die Familie ohne Genehmigung keine Veränderungen vornehmen, heißt es von der Naturschutzbehörde. Sie sieht den Radparcours nicht nur als harmlosen Freizeitspaß: „Die Erdhügel haben das Wiesenbiotop zerstört“, sagt Martina Schäfer, Leiterin des Fachdienstes Ländlicher Raum der Kreisverwaltung. Deshalb sei das Ablagern von Erde auf Grünlandflächen nicht erlaubt. Auch die Grasnarbe werde geschädigt. Neben den Hügeln steht zudem ein Bauwagen, den die Jugendlichen als Treffpunkt nutzen. Dahinter befänden sich Hecken und Gehölze, die Vögeln und Kleinsäugern als Lebensraum und Fortpflanzungsstätte dienten, kritisiert die Behörde. Das Ökosystem rund um das Grundstück der Familie sei durch Bauwagen und Radparcours gestört.

Der Streit hat eine Vorgeschichte. „Die Naturschutzbehörde und ich haben vor Jahren einen Vertrag geschlossen, der das Gebiet schützt, weil mir gesagt wurde, dass es ein Landschaftsschutzgebiet ist“, sagt Thomas Fischer. Dass seine Grundstücke lediglich direkt am Rand des Gebiets Dreienberg-Landecker liegen, habe sich erst herausgestellt, als Fischer nach einer Straßensanierung Beiträge zahlen sollte. „Dann hieß es auf einmal, es sei kein Landschaftsschutzgebiet.“

Die Untere Naturschutzbehörde beanstandet dagegen, dass der Bauwagen bereits vor sechs Jahren verschwinden sollte. Die Familie habe drei Jahre Zeit gehabt, um ihn zu entfernen. Das sei zwischenzeitlich passiert – jetzt stünde er wieder dort. Die Bitte von Thomas Fischer, die Erdhügel nicht sofort beseitigen zu müssen, hat die Behörde abgelehnt.

Dass er Naturschutzauflagen Folge leisten muss, weiß Thomas Fischer. Dass die selbst aufgeschütteten Erdhügel und auch der Bauwagen auf seinen Grundstücken, die nun doch kein Landschaftsschutzgebiet sind, unzumutbar seien, versteht er nicht. „In der schulfreien Coronazeit haben sich die Kinder lediglich eine Beschäftigung gesucht und zu zweit die Erde aufgeschichtet“, berichtet er. „Besser die Kinder sind draußen, als immer vor dem Fernseher.“ In Zukunft will der Familienvater den Hausbau auf seinem Grundstück trotz allem vorantreiben und bereitet entsprechende Anträge vor.

Wie stehen die Chancen, dass statt Erdhügeln bald Häuser auf der Wiese in Ausbach stehen? Die Untere Naturschutzbehörde will sich zu hypothetischen Bauvorhaben nicht äußern. Aber: „Der Außenbereich soll grundsätzlich von Bebauungen freigehalten werden. Dies gilt auch für das besagte Grundstück.“ Bis zu einem möglichen Baustart wird die Fläche nach dem Rückbau des Radparcours erst einmal brachliegen.

Erdablagerung benötigt Behördenzustimmung

Laut der Unteren Naturschutzbehörde stellen die Erdhügel der Familie Fischer aus Ausbach einschneidende und genehmigungspflichtige Veränderungen in der Landschaft dar. „Es gibt keine fest vorgegebene Größe, ab der eine Lagerung genehmigungspflichtig ist“, heißt es. Grundsätzlich müsse die jeweils zuständige Behörde eine Ermessensentscheidung treffen. Grundstücke fallen dann in den sogenannten Außenbereich, der eine Zersiedelung vermeiden soll und für den es Auflagen bei Bauvorhaben gibt, wenn sie weder unter einen qualifizierten Bebauungsplan fallen noch in einem Zusammenhang mit der Bebauung in einem Ortsteil stehen. (Kim Hornickel)

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