Mediziner befürchten Mehraufwand und Missbrauch der Daten

Ärzte skeptisch wegen neuer Gesundheitskarte

Martin Ebel

Hersfeld-Rotenburg. Die Ärzte im Landkreis stehen der neuen elektronischen Gesundheitskarte skeptisch gegenüber. Seit Oktober wird die Plastikkarte ausgegeben. Neben einem Foto des Versicherten, das die Weitergabe verhindern soll, können auch Patientenakten und Notfalldaten wie etwa die Blutgruppe, Allergien oder Vorerkrankungen darauf gespeichert werden.

„Wir sind zwar daran interessiert, auf solche Patientendaten zugreifen zu können“, erklärt Dr. Martin Ebel, der Sprecher der Hausärzte im Landkreis. „Dazu brauchen wir aber keine Gesundheitskarte, sondern nur kooperative Kollegen, die diese Daten weitergeben.“ Wie viele seiner Kollegen sieht Dr. Ebel einen erheblichen Mehraufwand für die Ärzte und fürchtet einen Missbrauch der sensiblen Daten.

„Medizinisch relevante Details gehen Sachbearbeiter bei Krankenkassen nichts an“, macht Dr. Ebel klar. Er befürchtet, dass die Krankenkassen bestimmen wollen, wie Patienten behandelt werden sollen. „Der ärztliche Sachverstand darf nicht durch solche Eingriffe unterhöhlt werden“, erklärt der Arzt. Die Vorteile der Karte sieht Dr. Ebel indes nicht. Beispielsweise müsse bei Bluttransfusionen per Gesetz trotzdem die sogenannte „Kreuzprobe“ gemacht werden. Das mit der Gesundheitskarte verbundene elektronische Rezept lege die Praxis-EDV lahm und mache die Abläufe eher langsamer.

Dr. Ebel rät allen Versicherten, die neue Gesundheitskarte zu boykottieren, kein Bild an die Kassen zu schicken und lieber die alte Versichertenkarte weiter zu nutzen. „Es besteht kein Zwang, die neue Karte zu bestellen“, macht Dr. Ebel deutlich. Wenn die alte Versichertenkarte abgelaufen ist, könnten sich Patienten bei der Kasse auch einfach wieder einen Krankenschein ausstellen lassen. Zum Tage, Seite 2

Von Kai A. Struthoff

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