Aufgeklärter Islam

Ahmadiyya-Gemeinschaft setzt auf Information statt Mission

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Über die Kampagne Muslime für den Frieden informierten im Bad Hersfelder Stadthotel von links: Usman Malik aus Kassel, Imam Habib Nasir aus Frankfurt, sowie Muhammad Khalil und Saf dar Latif von der Bad Hersfelder Ahmadiyya-Gemeinschaft. Das vollständige Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuz oben rechts klicken.

Bad Hersfeld. In einer Pressekonferenz erläuterten Vertreter der Bad Hersfelder Ahmadiyya-Gemeinde und der Frankfurter Zentrale der Gemeinschaft Grundlagen ihrer Glaubensbewegung.

„Muslime für Frieden“ und „Wir sind alle Deutschland“ – unter diesen Überschriften steht eine Kampagne, mit der die Gemeinschaft der Ahmadiyya in den nächsten Monaten bis zum Jahresende Vorurteile abbauen, verzerrte Bilder geraderücken und möglichst umfassend mit Bürgern ins Gespräch kommen möchte.

Mit Flyer-Verteilaktionen, Infoständen und Veranstaltungen (zum Beispiel Pflanzen von Friedensbäumen), die in vielen Orten rund um Bad Hersfeld stattfinden werden, möchten die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinschaft dafür werben, dass der Islam nach ihrem Verständnis nicht für Gewalt und Parallelgesellschaften steht.

Zeitgenössischer Islam

Sie werben für einen zeitgenössischen Islam, der von Aberglauben und Irrtümern befreit wurde und propagieren einen ausschließlich friedliebenden und toleranten Islam, der dem nahekomme, was durch den Religionsstifter Muhammad gelehrt und praktiziert wurde.

Die Gemeinschaft der Ahmadiyya sieht sich selbst – wie Usman Malik aus Kassel erläuterte – als Reformbewegung mit wertekonservativer Ausrichtung. Allerdings will sie nicht die Botschaft des Islam selbst reformieren, sondern die Muslime, die der Gewalt zuneigen, auf den vom Propheten Mohammed und vom Koran vorgegebenen Weg zurückholen. Die überlieferten Texte dürften nicht - wie dies heute sowohl Vertreter des politischen Islam wie auch „Islamkritiker“ häufig täten - aus dem Kontext gerissen und ohne das Verständnis für den Zusammenhang ihrer Entstehung interpretiert werden.

Als wesentliche Grundsätze der Gemeinschaft der Ahmadiyya nennen Usman Malik und der Frankfurter Imam Habib Nasir, der in der Zentrale der Ahmadiyya-Gemeinschaft in der Abteilung für interreligiösen Dialog tätig ist, Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, die Ablehnung von Zwang im Glauben, die Gleichwertigkeit von Mann und Frau (die einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und das Verbot von Zwangsehen umfasst) und eine strikte Trennung von Religion und Staat.

Gebrauch von Gewalt in Fragen der Religion verboten

Der Gebrauch von Gewalt in Fragen der Religion ist den Ahmadiyya absolut verboten, das gilt insbesondere auch für die Vorstellung, dass der Islam nötigenfalls auch mit Zwang und Gewalt verbreitet werden müsse.

Religion, so Habib Nasir, sei nach ihrem Verständnis eine rein spirituelle Angelegenheit. Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinschaft, seien verpflichtet, sich der staatlichen Obrigkeit – eben auch der nicht-muslimischen – in den Ländern, in denen sie lebten, unterzuordnen.

Das bewege sie dazu, sich aktiv auch in der deutschen Zivilgesellschaft einzubringen und zu engagieren. Die nun laufende Kampagne möchte die Ahmadiyya-Gemeinschaft nutzen, um aufzuklären und mit Bürgern ins Gespräch zu kommen - getreu dem Motto „Informieren statt missionieren“.

Hintergrund

40.000 Mitglieder

Die Gemeinschaft der Ahmadiyya entstand im 19. Jahrhundert in Indien und im heutigen Pakistan. Mit rund zehn Millionen Mitgliedern weltweit gehört die Gemeinschaft zu den größten im organisierten Islam. In Deutschland hat die Gemeinschaft rund 40.000 Mitglieder, sie unterhält hier rund 225 lokale Gemeinschaften (eine auch in Bad Hersfeld). Seit 2013 sind die Ahmadiyya die erste islamische Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit den großen Kirchen rechtlich gleichgestellt. Als Partner des Landes Hessen bietet sie seit 2013 bekenntnisorientierten Islamunterricht an Grundschulen an und bildet Imame in einer Hochschule im hessischen Riedstadt aus. Aufgrund ihrer Reformvorstellungen werden Ahmadiyya allerdings in vielen islamischen Ländern verfolgt. Informationen: www.ahmadiyya.de

VON UTE JANSSEN

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