Algen im Einsatz für Fulda - Pilotprojekt läuft in Rotenburg

Rotenburg, Stadtwerke, Phosphat-Reduzierung, Projekt mit Land Hessen und Technischer Hochschule Mittelhessen von links Otto Vicum (RP Kassel), Bürgermeister Christian Grunwald, Professor Ulf Theilen, Wolf Kropp-Büttner, Dr. Claudia Thomsen (beide Phytolutions), Andreas Gräfe (Umweltministerium) Hartmut Rössing und Stephan Heckeroth, die Geschäftsführer Stadtwerke.

Rotenburg. Die Fulda soll weniger mit Phosphat belastet werden. Das ist das Ziel eines Forschungsprojektes bei den Stadtwerken in Rotenburg. Die Anlage, bei der Mikroalgen eine wichtige Rolle spielen, ist jetzt in der Versuchsphase.

Auf 200 Quadratmetern des Stadtwerke-Grundstücks sieht man jetzt Plastikbeutel an Alugestängen, in denen sich Wasser aus dem Nachklärbecken und Mikroalgen aus der Fulda befinden - ein hellgrünes Gemisch. Die Algen, so die Idee, nehmen das Phosphat durch Photosythese in sich auf. Wenn sie gesättigt sind, sinken sie ab. Das so gereinigte Abwasser mit den Algen wird aus den Plastikbeuteln, den so genannten Phytobags, wieder entnommen. Es fließt im Versuchsstadium zurück ins Nachklärbecken, soll nach der erfolgreichen Versuchsphase aber direkt in die Fulda geleitet werden könne. Die vom Wasser durch eine Zentrifuge getrennten Algenreste kommen in den Faulturm der Biogasanlage der Stadtwerke. Alle sechs Stunden werden so etwa zwölf Kubikmeter Wasser gereinigt. Voraussetzung für das Gelingen sind Licht und eine angemessene Temperatur.

Ziel ist die Reduzierung des Phosphats im Abwasser von derzeit einem Milligramm pro Liter auf 0,5 Milligramm, erklären Stadtwerkeleiter Stephan Heckeroth und Thorsten Anacker, der das Projekt für die Stadtwerke betreut. Das sei gut für den Gewässerschutz, gut aber auch für den Etat der Stadtwerke, die weniger Chemikalien kaufen und zusetzen müssen, sollte der Versuch die Alltagstauglichkeit erreichen.

Andere können profitieren

Davon könnten alle Kläranlagen in Kommunen profitieren - und deshalb ist auch das Land Hessen im Boot: 527 000 Euro steuert es zum Versuch bei. Die Stadtwerke sind mit 93 000 Euro dabei. Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) ist wissenschaftlich eingebunden. Umgesetzt wird der Versuch vom Bremer Unternehmen Phytolutions.

Alle Beteiligten arbeiten eng zusammen. Das müssen sie auch, das wurde bei einem Ortstermin deutlich: Die Stadtwerke-Mitarbeiter unterstützen vor Ort. Auf Unwägbarkeiten wie Licht- oder Sauerstoffmangel oder Kälte muss schnell reagiert werden. Dass Mikroalgen zur Reduzierung von Phosphat eingesetzt werden können, ist im Reagenzglas schon bewiesen worden. Neu - auch im internationalen Vergleich - ist die Größe des Versuchs in Rotenburg, der weitgehend unter realen Bedingungen umgesetzt wird. Das bestätigte auch Prof. Dr. Ulf Theilen von der THM.

Noch ist man in Rotenburg am Anfang, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin der Phytolutions, Dr. Claudia Thomsen. In vielen Tests soll die Technologie wirtschaftlich und emissionstechnisch optimiert werden. „Damit sind wir in einem Jahr nicht fertig“, meint Professor Theilen. Die Arbeiten für dieses Pilotprojekt haben im Juni 2015 begonnen. Das Projekt ist für zwei Jahre geplant.

Von Silke Schäfer-Marg

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