Kritik an Vorstand

Alheim bewirtschaftet weiter Wald - Gemeinde will neuer Organisation beitreten

Holzvermarktung: Die Gemeinde Alheim wird als Teil der Forstbetriebsgemeinschaft Rotenburg das Holz künftig im Verbund mit anderen verkaufen.
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Holzvermarktung: Die Gemeinde Alheim wird als Teil der Forstbetriebsgemeinschaft Rotenburg das Holz künftig im Verbund mit anderen verkaufen.

Die Gemeinde Alheim will sich nicht aus der Bewirtschaftung ihres Waldes zurückziehen. Kritik gab es am Gemeindevorstand, der einen Beschluss des Parlaments nicht umgesetzt hatte.

Heinebach – Die Gemeinde Alheim will das Holz ihrer Waldwirtschaftsfläche von rund 125 Hektar über eine noch zu gründende Forstwirtschaftliche Vereinigung Nordhessen verkaufen. Alheim ist Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft Rotenburg, die sich der neuen Vereinigung anschließen will, die in der nächsten Woche gegründet werden soll.

Dieses Vorgehen des Gemeindevorstands hat die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Mittwoch in Heinebach einstimmig zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig hob sie ihren Beschluss vom 18. Oktober 2019 auf, in dem festgelegt worden war, dass der Waldbetreuungsvertrag mit Hessen Forst gekündigt werden soll, um anschließend eine Nachfolgelösung zu finden. Hessen Forst darf aus kartellrechtlichen Gründen ab kommenden Jahr nicht mehr das Holz von privaten Waldbesitzern vermarkten, die mehr als 100 Hektar Wirtschaftswald besitzen. In Alheim soll das Amt den Wald allerdings weiterhin betreuen – eben bis zum Zeitpunkt des Holzverkaufs.

Ökopunkte für die Gemeinde

Geprüft werden sollte damals nach dem Willen des Parlaments auch, ob man den Wald angesichts seiner katastrophalen Lage nicht als Naturwald weiter bestehen lassen könne und sich aus der Bewirtschaftung zurückziehen. Wie es in der Vorlage zur Sitzung heißt, lohnt sich aber die Bewirtschaftung der großen zusammenhängenden Flächen in Obergude, Niedergude, Erdpenhausen und Licherode weiterhin, die eben auch besagte 125 Hektar ausmachen. Das sei geprüft worden. Alle übrigen Gemeindewaldflächen – Alheim hat insgesamt 213 Hektar – sollen als Naturwald aus der Bewirtschaftung genommen werden. Die Gemeinde erhalte dafür Ökopunkte, die bei Ausgleichsmaßnahmen verwendet werden können.

Erheblicher Unmut

Dass die Gemeindevertretung ihren eigenen Beschluss vom Oktober 2019 aufhob, war die Konsequenz aus dem Verhalten des Gemeindevorstands, das erheblichen Unmut bei einigen Gemeindevertretern ausgelöst hatte. Das wurde ausführlich in den Ausschüssen diskutiert, die sich bereits zwei Stunden zuvor getroffen hatten.

Der Gemeindevorstand hatte entgegen des Okober-Beschlusses den Vertrag mit Hessen Forst nicht gekündigt. Das stellte sich auf Nachfrage von Markus Finke (CDU) heraus, der dieses Verhalten kritisierte: „Wie kann der Gemeindevorstand einen Beschluss ignorieren?“ Sein Fraktionschef Dieter Schönborn sprach von einer „groben Missachtung der Gemeindevertretung“.

Bürgermeister: „Ein bisschen lustig“

Bürgermeister Georg Lüdtke sagte, er nehme die Rüge zur Kenntnis. Allerdings hätte man nicht das Ergebnis, das die Gemeinde nun habe, wenn der Beschluss umgesetzt worden sei. Dass man ihn nun „abwatsche“, obwohl der Gemeinde kein Nachteil entstanden sei, finde er ein „bisschen lustig“.

Der Bürgermeister berichtete von einer Reihe von „fruchtbaren“ Gesprächen mit dem Leiter des Forstamtes Rotenburg, Dr. Hans-Werner Führer, und Revierförster Thomas Lochmann, die zu einem positiven Ergebnis für die Gemeinde geführt hätten. Die Fraktionsvorsitzenden hätten auch entsprechende Protokolle bekommen. (Silke Schäfer-Marg)

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