Eng mit Region verflochten

800 Einwohner und ein Supermarkt: So überlebt der Edeka im Dorf Baumbach

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Die Fleischtheke ist ihr Trumpf: Inhaberin Linda Peter und ihr Lebensgefährte, Metzgermeister Rainer Matzewitzki.

Im Alheimer Ortsteil Baumbach gibt es etwas, das es in keinem anderen Dorf vergleichbarer Größe im nördlichen Hersfeld-Rotenburg gibt: einen gewöhnlichen kommerziellen Supermarkt.

Das Erfolgsrezept ist kein Geheimnis. „Eigentlich kennt man ja Supermärkte, die noch einen Metzger unter ihrem Dach haben. Bei uns ist es andersrum. Wir haben eine Metzgerei mit Laden“, sagt Inhaberin Linda Peter. Und so ist der Edeka-Markt, der genau in der Ortsmitte an der Kreuzung zweier Landesstraßen liegt, eben doch kein gewöhnlicher Supermarkt.

„Wenn man an kleine Läden auf dem Dorf denkt, sagt man ja häufig: Das ist wichtig für die älteren Menschen, die nicht mehr so mobil sind. Aber die Wahrheit ist nun mal, dass wir allein von den Älteren nicht leben können“, sagt Metzgermeister Rainer Matzewitzki. Um ein breites Publikum anzuziehen, genüge es nicht, nur Lebensmittel zu verkaufen. Auch alleine von Baumbacher Kunden könne der Laden nicht leben.

Kleiner Laden, großes Team: Im Baumbacher Edeka sind 16 Mitarbeiter beschäftigt.

Weit über Baumbach hinaus bekannt ist er dank der Fleischwaren des 54-Jährigen. Er bezieht zwar auch viele Produkte über Edeka, doch Dinge wie Ahle Wurscht, Blutwurst, Wiener Bockwürstchen oder Fleischsalat produziert er selbst. 

„Ich schwimme dabei immer ein bisschen gegen den Strom. Während andere Metzger immer mehr von außen zukaufen, sage ich dann: Genau diese Sachen gibt es bei uns hausgemacht.“ Neun der 16 Mitarbeiter arbeiten in der Metzgerei – darunter ist auch ein weiterer Meister.

Inhaberin: Will meinen Stundenlohn lieber nicht ausrechnen

Über 50 Jahre war der Laden Mitglied der Handelskette Spar. Als die 2005 zur Tochter von Edeka wurde, wurden viele kleinere Filialen von der Regionalgesellschaft Edeka Hessenring nicht übernommen – der Baumbacher Laden schon. „Die haben gesehen, dass es bei uns läuft“, sagt Linda Peter. Das liegt auch daran, dass der Laden beständig erweitert und modernisiert wurde. „Wir sind immer mit der Zeit gegangen und sind beide Leute vom Fach“, betont Matzewitzki.

Doch auch wenn der Laden gut läuft: Angesichts des immensen Zeitaufwandes will Linda Peter ihren Stundenlohn lieber nicht ausrechnen. „Darum geht es auch nicht. Ohne Idealismus würde das hier nicht funktionieren. Wir haben unglaublich viel Spaß an der Arbeit, es geht sehr familiär zu bei uns und wir haben eine sehr, sehr niedrige Mitarbeiter-Fluktuation“, sagt die 52-Jährige. Die Kunden treffen so stets auf bekannte Gesichter.

Baumbacher Supermarkt ist eng mit regionalen Anbietern verflochten

Zum Konzept des kinderlosen Paares gehört auch die enge Verflechtung in der Region. So bezieht etwa der Dorfladen Oberellenbach seine Waren über den Baumbacher Edeka-Markt. In Linda Peters Laden gehen außerdem Käse, Eier und Geflügel vom Mustergeflügelhof Häde aus Heinebach, dem Biogeflügelhof Schäfer aus Niedergude, dem Kirchhof in Oberellenbach und von der Rotenburger Hofkäserei über die Ladentheke. 

Im Keller gibt es außerdem Getränke, auch auf Kommission. Wer größere Mengen haben möchte, muss vorbestellen. „Was man braucht, haben wir – und wenn wir’s nicht haben, bestellen wir’s“, sagt Matzewitzki.

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