Neujahrsempfang 

In Alheim wird stets das große Rad gedreht

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Die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz hatte Bewilligungsbescheide dabei, die sie an Bürgermeister Georg Lüdtke (2.v.r.) überreichte. Ebenfalls im Bild: Birgit Ketter-Eichert (2.v.l., beim Landkreis zuständig für Dorferneuerung) und und Sigrid Wetterau von der Wirtschaftsförderung (r.)

Allerlei Nachdenkliches gaben die Redner ihrem Publikum  beim Neujahrsempfang der Gemeinde Alheim mit auf dem Weg. Aber auch Unterhaltsames wurde geboten.

Sie können nicht anders: In Alheim drehen sie stets das große Rad. Stimmungsvolles kam beim Neujahrsempfang zwar auch nicht zu kurz, aber zunächst einmal gaben die Redner und Musiker dem Publikum im voll besetzten Baumbacher Bürgerhaus einiges zum Nachdenken mit auf den Weg – und zwar in Bezug auf gesellschaftliche und bundespolitische und gar weltpolitische Probleme.

Marc HeinzerlingParlamentsvorsitzender in Alheim

So sprach etwa der Parlamentsvorsitzende Marc Heinzerling über Hysterie und Panik, die dieser Tage viele Debatten beeinflusse. Dem müsse man Hoffnung und Lebensfreude entgegensetzen und sich füreinander einsetzen – als Beispiel dafür führte er die neu geschaffene Stelle eines Jugendpflegers für Alheim an, die zum 1. Februar besetzt wird. „Wir müssen gucken, was uns verbindet. Nicht, was uns trennt“, rief er dem Publikum zu und untermauerte das mit Zitaten aus dem Grundgesetz. Positiv wie einst Poldi und Schweini solle man die Dinge anpacken, so Heinzerling, der seine Reden gerne um die Fußball-Nationalmannschaft aufbaut.

Der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft nahm sich auch die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz in ihrer Ansprache an. Sie erinnerte an den Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke und an die Morddrohungen gegen Staatsminister Michael Roth und berichtete, auch sie selbst sei nach einer Rede zum Volkstrauertag mit den Worten „Das werden Sie büßen“ bedroht worden. Mit ihrer Kritik adressierte sie ausdrücklich die AfD, die komplexe Probleme vereinfache, sich selbst als harmlos darstelle und damit die Mehrheit einlullen wolle. „Wir sollten uns an die Hand nehmen, uns unterhaken und dafür sorgen, dass es nicht mehr dazu kommt, dass Millionen Menschen in unserem Land ausgegrenzt werden.“

Zur Gesundheitsversorgung im Landkreis fand sie ebenfalls deutliche Worte. „Wir brauchen Ihre Solidarität, wenn wir unser Klinikum gegebenenfalls gesund schrumpfen müssen“, sagte sie. Das Grundproblem sei, dass das Land Hessen die Kliniken finanziell zu schlecht ausstatte, auch im Vergleich zu anderen Bundesländern. „Durch die neue Personaluntergrenze zahlen manche Krankenhäuser Pflegern jetzt 120 Euro pro Stunde – das kann nicht im Sinne von Gesundheitsminister Spahn sein. Das Gesetz löst den Fachkräftemangel nicht.“ Außerdem gebe es in Hessen seit zehn Jahren keinen Bettenbedarfsplan mehr.

Auch Pfarrer Friedrich Berger schreckte vor großen Themen nicht zurück. Er bezeichnete den Auftritt von US-Präsident Trump beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos als Blamage und meinte: „Es ist gut zu wissen, auf welcher Seite Alheim steht: Wir leben Nachhaltigkeit.“

Beste Unterhaltung: Die jungen Frauen von „Gude Rockt“ legten eine flotte Tanzeinlage hin. Johannes Lutz brachte das Publikum mit seiner Kabarett-Nummer ebenso zum Lachen wie zum Nachdenken. Alle Fotos: Christopher Ziermann

Mit einem Augenzwinkern, aber nicht weniger ernsthaft, stieß der Oberellenbacher Johannes Lutz bei seiner Kabarett-Nummer als Schwabe „Erwin Hägele“ ins gleiche Horn. Nicht vor Flüchtlingen, sondern vor dem Anstieg der Meere müsse man Angst haben. „Die ganze Menschheit war früher mal schwarz, auch die AfD-Leute.“ Sein Sohn könne ruhig eine Ausländerin heiraten. „Hauptsache, das Mädel ist nett. Und was macht mein Sohn? Der bringt mir eine aus Braach.“ Damit waren ihm in Baumbach die Lacher gewiss. In Sachen Klimawandel forderte er zum Handeln auf: „In Gefahr und größter Not, bringt der Mittelweg den Tod.“

Nachdenklich, aber auch zuversichtlich präsentierten sich Sängerin Mia Bestvater und Danny Löwen (Gitarre) von der Christlichen Gemeinde Heinebach, die sich mit dem Wort Gottes beschäftigten – ebenso gelungen wie der Auftritt des Kirchenchors Braach-Baumbach mit Chorleiter Dirk Wiederrecht und die Gesangseinlage der Vorschulkinder der Baumbacher Kita unter Leitung von Heike Ringler und Michael Becker. Sie besangen die Jahreszeiten und gaben auf eigenen Wunsch gleich noch ihr Lieblingslied als Zugabe zum Besten.

Bürgermeister Georg Lüdtke hob in seiner Rede anstehende Großprojekte wie den Bau des Pflegeheims in der Kuttendelle und Investitionen von 1,5 Millionen Euro in die Alheimer Feuerwehren hervor.

Beste Unterhaltung: Die jungen Frauen von „Gude Rockt“ legten eine flotte Tanzeinlage hin. Johannes Lutz brachte das Publikum mit seiner Kabarett-Nummer ebenso zum Lachen wie zum Nachdenken. Alle Fotos: Christopher Ziermann

Teil des – im Vergleich zu den Vorjahren besonnen gestrafften – Programmes war auch eine Vorstellung der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi). Mit einer flotten Tanzeinlage zu den Klängen von Abba (Mamma Mia, Waterloo) und Con Calma läuteten die neun jungen Frauen von „Gude Rockt“ unter der Regie von Simone Liebich-Schmoll den gemütlichen Teil des Abends ein.

Alheim: Neujahrsempfang in Baumbach

 © Christopher Ziermann
Neujahrsempfang Alheim Baumbach 2020
 © Chri stopher Ziermann
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Von Christopher Ziermann

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