Wurde auch Gift eingesetzt?

Die Birken bluten: Baumfrevel im Gemeindepark in Heinebach - Gärtner versucht Rettung

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Der Baum blutet: Gärtner Joan Bellomar zeigt, wie tief das Loch in den Stamm ragt. Daneben sind Bürgermeister Georg Lüdtke (Mitte) und Bauhofleiter Lothar Brethauer zu sehen.

Fünf Birken im Gemeindepark Hessenallee in Heinebach bluten. Unbekannte haben die Bäume an mehreren Stellen angebohrt – da ist sich der neue Gemeinde-Gärtner Joan Bellomar sicher.

„Sowas kann nicht durch Tiere verursacht werden“, sagt der 49-Jährige. Er hat die Schäden zufällig entdeckt, als er in der Parkanlage zu tun hatte. Die Löcher sind alle auf einer Höhe, haben alle den gleichen Durchmesser und gehen schnurgerade in den Stamm – offenbar war hier jemand mit einer Bohrmaschine am Werk. 

Vermutung: Täter vergifteten die Bäume

Bellomar vermutet, dass in die Löcher obendrein ein Gift eingeflößt wurde, weil rund um einige der beschädigten Bäume der Rasen abgestorben ist. Schon ohne Gift sind solche Löcher für Bäume oft ein Todesstoß: Sie wirken wie offene Wasserhähne. 

Den Lebenssaft, der aus der Erde durch die Wurzeln in den Stamm und von dort zu den Ästen fließt, gelangt nicht mehr nach oben, sondern fließt aus den Löchern heraus – was an den Birken mittlerweile deutlich zu sehen ist.

Bürgermeister Georg Lüdtke spricht von einem „Anschlag auf die Bäume“. Die seien Schattenspender für Kinder und Eltern, die sich auf dem Spielplatz aufhalten. „Außerdem sind sie unsere grüne Lunge. Das ist nicht akzeptabel.“ Die Gemeinde hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Die Polizei sagt auf Anfrage, dass der Tatzeitraum „nicht abschließend eingrenzbar“ sei und zwischen Anfang Juni und Anfang Oktober liege. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt ein Pressesprecher. Hinweise nimmt die Polizeistation Rotenburg unter Tel. 0 66 23/93 70 entgegen.

Nachbarn beschwerten sich über Laub und Äste

Um die Bäume hat es schon öfter Streit gegeben. Nachbarn des Parks hatten sich in der Vergangenheit unter anderem über die Gefahr durch abbrechende Äste beschwert und darüber, dass Laub auf ihre Grundstücke falle.

Die Gemeinde hat allerdings auch Glück im Unglück: Bellomar, der erst vor Kurzem seinen Dienst bei der Gemeinde angetreten hat, ist ein echter Fachmann und hat schon reagiert: Mit einem Pilz versucht er, die Birken zu verarzten. 

Der Spanier ist mit einer Bebranerin verheiratet, die er in seiner Heimat kennengelernt hat. Vor kurzem ist das Paar nach Obergude gezogen. Die Gemeinde hat schon seit längerem versucht, die Gärtnerstelle neu zu besetzen. 

Gärtner ist ein "Glücksgriff" für die Stadt

Eine Verwaltungsmitarbeiterin stellte nun den Kontakt her. Bellomar spricht bisher nur sehr wenig Deutsch, hat aber in Gemeindemitarbeiter Günther Reinhardt einen kompetenten Dolmetscher gefunden. Bei der Kommunikation mit seinen Kollegen hilft ihm außerdem eine Sprach-App auf dem Smartphone.

„Er liebt Bäume und ist ein echter Glücksgriff für uns. Ich lerne gerade unheimlich viel Neues durch ihn“, sagt Bauhofleiter Lothar Brethauer. Der Spanier kümmert sich um alle Grünanlagen der Gemeinde. „Früher mussten wir uns bei sowas auf externe Experten verlassen“, sagt Bürgermeister Georg Lüdtke.

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