Wahlanalyse: Furioser Neustart der FDP in Alheim

Alheim. Für eine riesige Überraschung hat die FDP bei der Kommunalwahl in Alheim gesorgt. Bei ihrem Neustart schoss sie auf 13,2 Prozent der Stimmen hoch.

Sie legte im Vergleich zu 2011 um 9.2 Prozent zu und hat nun drei Sitze im Parlament.

Mehrheiten suchen

Der steile Aufstieg der FDP hat auch die SPD überrascht. SPD-Fraktionschef Udo Aschenbrenner macht zwei Gründe für den Erfolg aus: „Die FDP hat sich neu aufgestellt und meiner Meinung nach gute Arbeit in Heinebach geleistet.“ Die Verluste von SPD und CDU in Alheim seien außerdem der allgemeinen Flüchtlingspolitik geschuldet.

Deshalb bleibt der Fraktionschef dabei: „Wir haben eine gute Politik für Alheim gemacht.“ Ein kleines Trostpflaster für die Sozialdemokraten ist, dass sie im kreisweiten Vergleich noch ganz gut dastehen.

„Enttäuscht sind wir schon“, sagt Aschenbrenner. Jetzt müsse die SPD damit klarkommen, dass sie keine absolute Mehrheit mehr habe. „Aber auch so können wir vernünftig arbeiten. Wir werden uns jetzt in Sachfragen von Fall zu Fall Mehrheiten suchen“, bleibt Aschenbrenner gelassen. Außerdem habe es in den vergangenen fünf Jahren sowieso nicht viele strittige Themen gegeben. Neueinsteiger für die SPD im Parlament sind unter anderem Thomas Möller (Platz 4 der Liste/1243 Stimmen) und Helena Heinzeroth (Platz 5, 1162 Stimmen). Als Spitzenkandidat war Bürgermeister Georg Lüdtke angetreten. Er wurde von den Wählern auch auf Platz 1 der SPD-Liste bestätigt mit 1843 Stimmen.

Frischer Wind gewünscht

Dass die SPD die absolute Mehrheit verloren hat, freut natürlich die CDU. Zu den eigenen Verlusten von 4,4 Prozent sagen die Christdemokraten: „Enttäuscht sind wir nicht. Einen Sitz zu verlieren, ist akzeptabel.“ Dass sie Federn lassen müssen, sei ihnen klar gewesen, sagt Dieter Schönborn, der Fraktions- und Parteichef in Alheim ist. Er selbst ist als Spitzenkandidat auf der CDU-Liste von den Wählern auf Platz 1 bestätigt worden (1786 Stimmen).

Die FDP habe mit einem neuen Team neu angefangen. „Vielleicht wollte die Bevölkerung einfach frischen Wind im Parlament“, gibt Schönborn ehrlich zu. Eventuell hätten auch überregionale Gründe eine Rolle gespielt. Was die Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung angeht, ist die CDU ganz offen. „Das kommt aufs Thema an.“

Eine positive Überraschung ist für die CDU, dass Neueinsteiger Alexander Renner 789 Stimmen bekommen hat und im Parlament sitzen wird.

Ein Erdrutsch

Von dem großen Erfolg war sogar die FDP selbst überrascht. Sie ereichte mit 13,2 Prozent das beste Kreisergebnis einer FDP. „Das ist schon ein Erdrutsch“, sagt Aribert Kirch, der als Spitzenkandidat auch auf Platz 1 der Liste gewählt wurde mit 1102 Stimmen. „Ich glaube, dass einige FDP gewählt haben, die mit den etablierten Parteien unzufrieden waren.“ Kirch ist froh, dass die absolute Mehrheit der SPD geknackt wurde. „Jetzt machen Diskutieren und Argumentieren wieder Sinn.“

Die neue FDP will sich im Parlament nicht an ein Lager binden. „Wir schauen bei jedem Thema, wo die besseren Argumente sind, und dann entscheiden wir“, sagt der Ortsverbandsvorsitzende Kirch. „Wir wollen nicht gegen einzelne Parteien kämpfen, sondern für Alheim, um die Gemeinde noch weiter nach vorn zu bringen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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