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Interview mit Alheims Bürgermeister Jochen Schmidt: „Wünsche mir mehr Miteinander“

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Von: Carolin Eberth

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Auf dem Wieselplatz in Niedergude: Jochen Schmidt (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Alheim.
Auf dem Wieselplatz in Niedergude: Jochen Schmidt (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Alheim. © Carolin Eberth

Die Sommerpause ist vorbei. Zeit, bei den Bürgermeistern im Kreisteil Rotenburg/Bebra nachzufragen, was sie bewegt, was in den Städten und Gemeinden als nächstes ansteht. Heute: Alheims Bürgermeister Jochen Schmidt (parteilos).

Alheim – Herr Schmidt, Sie haben sich als Treffpunkt für das Interview den Wieselplatz in Niedergude ausgesucht. Warum?

Weil der Wieselplatz im Gudegrund ein ganz besonderer Platz für Jung und Alt ist. Wasserkraft und das Element Wasser erlebbar machen ist das Hauptthema auf dem Wieselplatz, der bereits im August 2000 eingeweiht wurde und ein beliebtes Ziel für Familien, Gruppen und Schulklassen geworden ist. Die Naturschutzgruppe Gudetal- Wiesel e.V. hat hier bereits 1994 ihr Zuhause gefunden und hegt und pflegt seitdem das Gelände. Im Laufe der Zeit hat sich der Wieselplatz weiterentwickelt und vergrößert. Deshalb wird der Platz nun nach 22 Jahren neu vorgestellt und eingeweiht am Samstag, 8. Oktober, um 11 Uhr.

Sie waren in diesem Sommer längere Zeit erkrankt. Gerüchte von einem Rücktritt machten die Runde. Ist da etwas dran?

Nein, an diesem Gerücht ist nichts dran. Ich bin gerne Bürgermeister!

Wer hat Sie während Ihrer Abwesenheit vertreten?

Der Bürgermeister wird durch den 1. Beigeordneten vertreten, wenn der 1. Beigeordnete verhindert ist, wird er durch einen weiteren Beigeordneten vertreten. Die Arbeit der Verwaltung, einschließlich Kindergarten und Bauhof, wird neben dem Bürgermeister durch einen Büroleiter geleitet, wenn dieser verhindert ist, ist also der stellvertretende Büroleiter zuständig. Da der Büroleiter durchweg vor Ort war, kam der stellvertretende Büroleiter nicht zu dieser Aufgabe. Der 1. Beigeordnete musste lediglich am Wochenende der 50-Jahr-Feier von der Gemeinde Alheim durch einen weiteren Beigeordneten des Gemeindevorstandes vertreten werden.

Und wie hat das geklappt?

Es war möglich, mich jederzeit zu kontaktieren. Ich wurde regelmäßig informiert, bei Unklarheiten vor Ort wurden die Dinge telefonisch besprochen. Von daher: Alles gut: Der Gemeindebetrieb ist weitergelaufen.

Die drastisch steigenden Energiepreise beschäftigen die Menschen zurzeit mit am meisten. Wie ist Alheim darauf vorbereitet?

Alheim erzeugte 2021 durch Wasserkraft, Biomasse und Fotovoltaikanlagen über 14 Millionen Kilowattstunden. Allein durch die 493 Fotovoltaikanlagen wurden über acht Millionen Kilowattstunden eingespeist. Dies ist vor allem den ansässigen Unternehmen Kirchner Solar Group und BPA Biopower Alheim zu verdanken. Was die Energiemengenbilanzierung angeht, ist die Gemeinde also sehr gut aufgestellt. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz erzielte Alheim 2021 sogar eine CO2-Minderung von sechs Tonnen. Auch das vorgegebene Ausbauziel für 2035 wurde bereits erreicht. Das heißt, wir speisen mehr ein, als wir verbrauchen. Und der Trend geht weiter nach oben. Viele Haushalte rüsten gerade Fotovoltaikanlagen und Speicher nach, um gewissermaßen autark zu sein und damit sie ihren eigenen Strom nutzen können.

Und welche Maßnahmen werden in Alheim konkret ergriffen, um Energie zu sparen?

Hier werden wir uns weiter im Landkreis absprechen und uns an dessen Handreichung sowie der Bundesverordnung orientieren. Möglichkeiten sind: Straßenbeleuchtungsdauer minimieren, Steckdosenleisten nach Feierabend ausschalten, Licht nach verlassen von Räumen ausschalten, Durchgangsbereiche wie Flure, Foyers, Teeküchen und Technikräume nicht mehr heizen, öffentliche Räume bis maximal 19 Grad heizen, nur noch kaltes Wasser zum Händewaschen, Heizperiode auf den Zeitraum 1. Oktober bis 30. April minimieren und keine Heizung anstellen bei Außentemperaturen von mehr als 15 Grad um 10 Uhr.

Blicken wir zurück: Sie sind seit eineinhalb Jahren Bürgermeister von Alheim. Was wurde in dieser Zeit erreicht?

Einiges! Die Anfang des Jahres als „Kita-Krise“ bezeichneten Streitpunkte in der Kita Baumbach haben Bedienstete, Elternbeirat und Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Landkreis sorgfältig aufgearbeitet und sind damit auf einem guten Weg. Im Gudegrund konnten neue Bauplätze ausgewiesen werden. Attraktive Dorfplätze sind entstanden. Die Dorfgemeinschaftshäuser werden behindertengerechter und sind in allen Ortsteilen mit Wlan-Hotspots ausgestattet worden. Die Homepage der Gemeinde haben wir erneuert, um mehr Benutzerfreundlichkeit zu erreichen. In Baumbach und Sterkelshausen sind neue Feuerwehrhäuser den Wehren übergeben worden. 2021 wurde eine hauptamtliche Jugendarbeiterin eingestellt und dieses Jahr eine ehrenamtliche Seniorenbeauftragte gewonnen. In Heinebach haben sich neue Gastronomie und Gewerbetreibende angesiedelt. Das sind einige Punkte, aber sicherlich nicht alle.

Blicken wir doch einmal nach vorn: Die Ferien sind vorbei. Was steht als nächstes an?

Großprojekte wie die Neugestaltung der B 83 stehen in Alheim an. Es ist aus vielen Gründen sinnvoll, das vorhandene Nahwärmenetz auszubauen und auf den gesamten Ortsteil zu erweitern. Vorausgesetzt, dass genügend Haushalte und Betriebe bereit sind, sich anzuschließen. Und die Gemeindevertretung trifft anschließend zügig die notwendigen Entscheidungen. Das hat in der Vergangenheit leider nicht immer wirklich gut geklappt. Was die Erneuerung der B 83 betrifft: Es gab bereits eine Anwohnerversammlung, auf der die Planer das Konzept vorgestellt haben. Die anwesenden Anlieger hatten zahlreiche und gut begründete Kritikpunkte. Diese nehmen wir natürlich ernst. Die Planung wird überarbeitet, der Ortsbeirat mit einbezogen und eine weitere Anwohnerversammlung soll darüber hinaus stattfinden.

Und was steht sonst noch an?

Den Bauhof wollen wir auf E-Mobilität umstellen, wo das Sinn macht. Die naturschutzrechtliche Genehmigung für den Multifunktionsplatz in Heinebach ist da, nach Erhalt der Fördermittel können die Bauarbeiten beginnen und dann steht bald natürlich auch die Wahl zum Bürgerentscheid an. Am 16. Oktober wird sich also die Frage klären, ob das Gelände des Niederellenbacher Sees Gemeindeeigentum bleibt oder in Privatbesitz übergeht. Geschwindigkeitsbegrenzungen insbesondere in den Ortsdurchfahrten wären in Zukunft auch wünschenswert, sind aber aufgrund der derzeitig geltenden rechtlichen Bestimmung nur schwer umsetzbar. Deshalb will die Gemeinde hier in Zukunft in jedem Ortsteil mindestens ein Geschwindigkeitsdisplay anbringen lassen.

In der jüngsten Gemeindevertretersitzung gab es Kritik von den Fraktionen zur Personalführung der Gemeindeverwaltung, weil eine langjährige Mitarbeiterin aus dem Rathaus gekündigt hat. Was sagen Sie dazu?

Ich respektiere die Privatsphäre meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deshalb sage ich konkret nichts dazu. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit als Bürgermeister ist seit meinem Amtsantritt die personelle Situation in der Gemeinde, nicht nur im Rathaus, sondern mehr noch in den Kindergärten. Es sind Verrentungen in Sicht, und dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu orientieren, ist vollkommen normal. Dass einige politische Funktionsträger darüber öffentlich spekulieren, ist wenig hilfreich. Konkrete Unterstützung wäre mir lieber.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für Alheim, welcher wäre das?

Ich wünsche mir, dass man in Alheim mehr aufeinander zugeht, mehr miteinander ins Gespräch kommt, als übereinander zu reden. Also ein gutes Miteinander und Wertschätzung für alle, die sich für Alheim engagieren.

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