Montagsinterview

Neuer Landrat Torsten Warnecke (SPD): „Alles hängt an den 100 Millionen Euro“

Neuer Landrat, neuer Wandschmuck: Beim Einrichten seines neuen Büros im Landratsamt hat Torsten Warnecke klare Vorstellungen. Unter anderem wird ihm bei seinen Amtsgeschäften künftig Willy Brandt über die Schulter schauen, die Lichtgestalt der Sozialdemokraten.
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Neuer Landrat, neuer Wandschmuck: Beim Einrichten seines neuen Büros im Landratsamt hat Torsten Warnecke klare Vorstellungen. Unter anderem wird ihm bei seinen Amtsgeschäften künftig Willy Brandt über die Schulter schauen, die Lichtgestalt der Sozialdemokraten.

Torsten Warnecke ist seit Mittwoch neuer Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Zum Amtsantritt sprachen wir mit dem 58-jährigen Sozialdemokraten.

Hersfeld-Rotenburg- Im Landratsamt weht ein neuer Wind. Torsten Warnecke ist seit Mittwoch neuer Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Zum Amtsantritt sprachen wir mit dem 58-jährigen Sozialdemokraten unter anderem über den geplanten Radikalumbau des Klinikums, die vorerst gescheiterten Hotelpläne auf dem Gelände der ehemaligen Kreisferienstätte in Meeschendorf auf Fehmarn und darüber, wie er seinen Wahlkampfslogan in die Tat umsetzen will.

Herr Warnecke, was war Ihre erste Amtshandlung?
Meine erste Amtshandlung war das Unterschreiben der Einladung für die Kreisausschusssitzung am Dienstag.
Wie sind sie im Landratsamt empfangen worden?
Ich wurde sehr zugewandt empfangen.
Als Ihr Vorgänger Dr. Michael Koch vor sechs Jahren ins Landratsamt einzog, brachte er einen Pressesprecher und eine persönliche Referentin mit. Wen bringen Sie mit?
Mich.
Es schwimmt also niemand auf Ihrer Bugwelle mit ins Landratsamt?
Nein. Ich habe hier ein freundliches Team vorgefunden und bin optimistisch, dass wir alle gut zusammenarbeiten werden.
Sie haben immer wieder betont, dass unter Ihrer Führung die Bürger künftig besser und transparenter informiert werden sollen. Wie wollen Sie das anstellen?
Erst einmal möchte ich mich dafür einsetzen, dass die politischen Gremien auf dem Laufenden gehalten werden. Ich habe bereits mit Herrn Weigel (Geschäftsführer des Klinikums, Anm. d. Red. ) vereinbart, dass wir schnellstmöglich versuchen werden, den Kreistag über die aktuelle Situation im Klinikum zu informieren, möglicherweise mit Curacon zusammen. Zudem wollen wir eine weitere Aufsichtsratssitzung stattfinden lassen.
Das betrifft jetzt das Klinikum Hersfeld-Rotenburg...
... genau. Das ist ja auch ein wesentlicher Punkt. Es gab schließlich Kritik, dass der Kreistag nach der letzten Curacon-Sitzung (im September 2020, Anm. d. Red. ) nie mehr so richtig informiert wurde. Insofern werde ich mich jetzt dafür einsetzen, dass das Parlament in der nächsten Sitzung am 27. September darüber informiert wird, wie der Stand bei der Ausschreibung und bei den weiteren Planungen ist.
Und abgesehen von den politischen Gremien?
Einerseits sind wir natürlich auf die traditionellen Medien angewiesen. Andererseits werde ich weiterhin oft im ganzen Landkreis unterwegs sein. Ich möchte mit vielen Bürgerinnen und Bürgern sprechen, Fragen beantworten, erklären, was wir hier im Landratsamt machen und warum wir das tun. Das ist für mich selbstverständlich.
Apropos transparenter: Wie soll’s denn nun mit der ehemaligen Kreisferienstätte Meeschendorf weitergehen? Die Hotelpläne sind ja vorerst gescheitert.
Nach allem, was ich weiß, besteht auf der Insel, nach Ansicht der leider durch den Bürgerentscheid unterlegenen politischen Kräfte, nach wie vor das Interesse, dass dort ein Familienhotel gebaut werden soll. Auch gehe ich davon aus, dass die Jufa-Gruppe weiterhin auf dem Gelände etwas umsetzen möchte. Sie hätte den Erbpachtvertrag ja auch kündigen können. Das hat sie aber nicht gemacht. Unser Landkreis übrigens auch nicht. Jetzt muss man sehen, wie es sich dort entwickelt. Mein Ziel ist es, in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit mit Jufa und der politischen Spitze auf der Insel zu sprechen und zu klären, in welche Richtung es grundsätzlich geht.
Sie haben die Landratswahl gewonnen - wohl auch wegen der Klinik-Debatte. Was wird denn nun aus dem Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ)? Bleibt’s beim beschlossenen Radikalumbau des Klinikkonzerns, den Ihre Partei im Kreistag ja mitgetragen hat?
Alles hängt davon ab, ob das vorgelegte Konzept gefördert werden wird. Meine Prämisse war immer, dass Sie jedes Konzept vergessen können, wenn die 100 Millionen Euro Fördergeld nicht fließen. Und wir reden dabei nur vom Geld des Landes und des Bundes. Wir dürfen nicht vergessen: Wenn man 100 Millionen Euro ausgibt, heißt das ja nicht unbedingt, dass man auch 100 Millionen Euro bekommt. Also werden auch wir uns, der Kreistag und der Kreisausschuss, damit beschäftigen müssen, wie viel wir denn bereit sind, dem Klinikum zur Verfügung zu stellen. Wir bereiten gerade den Förderantrag vor. Wenn das Geld fließt, kann ich mehr sagen. Aber jetzt einen Kurswechsel einzuschlagen und zu meinen, dass das, was auf den Weg gebracht wurde, in keinem Fall so zu machen wäre, hielte ich für unklug.
Wie viel Geld wird der Landkreis aus eigener Tasche beisteuern müssen?
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Ich vermute jedenfalls nicht, dass die zwölf Millionen Euro jährlich, die immer mal wieder im Raum standen, bei einem Haushalt von 200 Millionen für den Landkreis auf Dauer zu wuppen sein werden. Denn das würde entweder bedeuten, dass die Verwaltung andere Leistungen nicht mehr erbringen könnte oder Investitionen nicht mehr getätigt würden. Das kann aber nicht sein, weil die Bürgerschaft ein Recht darauf hat. Oder wir müssten uns nach zusätzlichen Einnahmen umschauen. Doch auch das sehe ich vorerst nicht.
Sie bleiben also dabei: Wenn das Geld von Bund und Land kommt, dann sollen sämtliche akutmedizinischen Abteilungen des Klinikums, also auch das HKZ aus Rotenburg, nach Hersfeld verlagert werden?
Mir ist wichtig, dass das HKZ als solches bestehen bleibt, dass wir im Landkreis so ein hochwertiges medizinisches Angebot erhalten, um das uns viele andere Regionen beneiden. Ob das HKZ tatsächlich verlegt wird oder nicht, hängt natürlich auch an der Frage, ob man die entsprechenden Mitarbeiter hat. Dass es jetzt schon Abwerbungsversuche gibt, ist ja kein Geheimnis. Ich werbe dafür, die Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes mitzunehmen. Wenn das vorgelegte Konzept funktioniert und das Geld fließt, werden wir natürlich darüber nachdenken müssen, das ist doch klar.
Und sollte das Konzept so nicht funktionieren?
Dann müssen wir uns über etwas anderes unterhalten und schauen, ob es Alternativen gibt.
Das Rotenburger Kreiskrankenhaus hat Pläne für eine eigene Kardiologie vorgestellt. Was sagt der neue Landrat dazu?
Ich glaube, dass es sich bewährt hat, in Rotenburg kardiologische Leistungen vorzuhalten und anzubieten. Die Grundlage des Konzeptes des Kreiskrankenhauses, eine verstärkte Zusammenarbeit und Abstimmung der Beteiligten zum Wohle der Patientinnen und Patienten anzustreben, halte ich für zukunftsweisend.
Für die Wahl zum Ersten Kreisbeigeordneten, also Ihrem Stellvertreter, hat Ihre Partei mit Dirk Noll einen eigenen Kandidaten nominiert. Ziel soll es sein, die Kluft der beiden Altkreise wieder zu schließen, hieß es auf dem SPD-Parteitag. Wäre es da nicht glaubwürdiger gewesen, einen Kandidaten aufzustellen, der den Kreisteil Rotenburg repräsentiert?
Ich glaube nicht, dass das ein Glaubwürdigkeitsproblem wäre. Es geht am Ende um den besseren Kandidaten. Wir haben, wenn ich das an dieser Stelle als Parteivorsitzender sagen darf, auch mit Christian Grunwald (dem CDU-Kandidaten, Anm. d. Red.) Gespräche geführt. Er hat bei uns aber keine Mehrheit gefunden. Dirk Noll schon. Jetzt kommt es auf das Votum des Kreistags an, dessen Mitglied ich nicht mehr bin.
Wie wollen Sie diese Kluft zwischen Nord und Süd schließen?
Ich finde die Diskussion um Nord- oder Südkreis überholt. Wir reden ja auch nicht über West- und Ostkreis.
Dass diese Kluft aber zumindest in einzelnen Bereichen durchaus noch vorhanden ist oder wieder aufgebrochen ist, haben die Klinikdebatte und die Diskussionen rund um den Bahnhalt recht deutlich gezeigt. Viele Menschen hätten sich da statt einer zurückhaltenden lieber eine moderierende Rolle der Landkreisspitze gewünscht.
Sie wissen, dass ich mich nie zurückhalte. (lacht) Wenn es Dinge zu besprechen gibt, werden wir das tun – auch gemeinsam mit den Bürgermeistern. Grundsätzlich finde ich, dass wir mit unseren Stärken wuchern sollten und nicht das, was gerade schiefläuft, öffentlich austragen sollten.
„Gestalten statt verwalten“: Das war Ihr Wahlkampfslogan. Jetzt sind Sie Landrat. Was wollen Sie als Erstes gestalten?
Ein Thema, das ich sicherlich angehen werde, sind die Probleme, die wir in unserer Führerscheinstelle und der Zulassungsstelle haben. Wir haben dort ein Personaldefizit. Das sorgt dafür, dass Bürgerinnen und Bürger länger warten müssen, was wiede-rum zu Frust führt. Das darf so nicht bleiben. Ohne jetzt schon eine Lösung präsentieren zu können: Wenn man bestimmte Abläufe anders strukturiert, würde sicherlich auch ein Teil des Ärgers verschwinden. Dies geht wieder einmal nur gemeinsam.

Zur Person

Torsten Warnecke (58) ist seit dem 1. September neuer Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg, der insgesamt über 937 Mitarbeiter verfügt. Zuvor war der Sozialdemokrat, der auch Vorsitzender des SPD-Unterbezirks ist, seit 2008 Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Hersfeld. Torsten Warnecke wurde im November 1962 in Rendsburg in Schleswig-Holstein geboren. Er studierte Politikwissenschaften in Marburg, arbeitete in einer Zimmerei, im Verlagswesen und in der Öffentlichkeitsarbeit. Er wohnt in Bad Hersfeld und ist ledig. Seine Freizeit verbringt er gern auf Sportplätzen und fährt Fahrrad. Er ist Mitglied des Radsportvereins Frisch Auf Bad Hersfeld 1912. (Sebastian Schaffner)

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