Der neue Mann für historische Gebäude im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Denkmalpfleger Cornelius Hopp kann alte Gemäuer lesen

Das Foto zeigt Cornelius Hopp (35) den neuen Bezirksdenkmalpfleger im Kreis Hersfeld-Rotenburg.
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Der Mann, der Gemäuer liest: Der 35-jährige Cornelius Hopp ist Bezirksdenkmalpfleger im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Der 35-jährige Cornelius Hopp ist Bezirksdenkmalpfleger im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Auch zu seinem speziellen Pflegejob gehören Hausbesuche.

Hersfeld-Rotenburg – Was Cornelius Hopp derzeit besonders fehlt, ist der Kontakt zum Patienten. Der 35-Jährige hat einen Pflegeberuf der etwas anderen Art: Statt alter Menschen betreut er alte Gebäude. Seit Ende vergangenen Jahres ist er der neue Bezirksdenkmalpfleger für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Das ist eigentlich kein reiner Schreibtisch-Job, und nur zu gern würde Hopp seine mehr als 2700 Schützlinge nicht nur auf dem Papier kennenlernen. Aber die Corona-Pandemie bremst seine Hausbesuche aus.

Wenn in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus die Fenster ausgetauscht werden sollen, die Ostmauer der Burg Herzberg repariert oder das landgräfliche Schloss in Rotenburg für die Nutzung durch die Hochschule für Finanzen modernisiert wird, ist Cornelius Hopp im Einsatz. „Wir sind ein Fachamt und halten das Know-how vor, was heißt: Wir beraten die Denkmaleigentümer bei ihrem Projekt“, sagt der 35-Jährige. Dabei geht es um die richtige Vorgehensweise, eine mögliche Förderung, aber auch steuerliche Fragen.

Das unterscheidet die Denkmalpflege vom Denkmalschutz, der im Kreis primär von der Unteren Denkmalschutzbehörde betrieben wird, die rechtlichen Vorgaben umsetzt und damit auch für die Auflagen an denkmalgeschützten Gebäuden zuständig ist.

Hopp ist in Schwerin geboren. Bereits in der Schulzeit sind Geschichte und Kunst seine Lieblingsfächer. „Das drängt einen in eine bestimmte Richtung“, sagt der 35-Jährige mit einem Schmunzeln. Nach dem Abitur entscheidet er sich bewusst gegen den Wehrdienst, seinen Zivildienst absolviert er in einer Unteren Denkmalschutzbehörde. Die Zeit prägt: Hopp studiert im Anschluss Kunstgeschichte, Geschichte und Soziologie in Kiel – neben dem Architekturstudium der klassische Weg für Denkmalpfleger. Der führt ihn letztendlich auch nach Hersfeld-Rotenburg und in den Vogelsbergkreis, für den der Denkmalpfleger ebenfalls zuständig ist. Seine Freundin kommt aus Korbach, die Region ist für ihn daher keine völlig Unbekannte. Hat er eigentlich ein Lieblingsdenkmal? „So würde ich das nie sehen“, sagt Cornelius Hopp. Jedes Projekt sei ein Einzelfall mit sehr speziellen Problemen. „Ich finde alle Gattungen spannend, vom Schloss bis zum Bauernhof. Die Abwechslung macht auch den Reiz aus.“ Denkmalpflege sei ein sehr präsentes Thema, sagt der 35-Jährige über seinen Beruf – beim Kirchenbesuch, bei Wanderungen rund um alte Schlösser, selbst auf dem Weg zum Einkaufen am denkmalgeschützten Fachwerkhaus vorbei.

Direkten Kontakt mit dem neuen Bezirksdenkmalpfleger des Kreises haben alle, die ein geschütztes Gebäude verändern wollen. Hopp ist ein Koordinator, er entscheidet mit, was und vor allem wie etwas gemacht werden kann — ohne dabei die Bauleitung zu übernehmen, wie er betont. Häufig sind dafür Einschätzungen von externen Experten wie Restauratoren nötig. Und Hausbesuche: „Fotos können noch so gut sein, vor Ort sieht es meist immer noch etwas anders aus.“ Beispiel Fachwerkhaus: Mit dem Aufkommen der Baumärkte und damit frei verfügbarem Baumaterial ist etwa häufig zwischen Holzbalken und Ausmauerung Acryl gespritzt worden. Das dichtet ab, sorgt aber dafür, dass die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen kann und das Holz vermodert. Ein Bild zeigt das möglicherweise nicht, dafür muss Cornelius Hopp vor Ort sein: „Man muss das Objekt auch ein Stück weit lesen“, sagt er.

Das hat er im Kunstgeschichtsstudium, aber vor allem im zweijährigen wissenschaftlichen Volontariat im Landesamt für Denkmalpflege in Kiel gelernt. Ohne Corona-Pandemie wäre er zwei bis dreimal pro Woche unterwegs – diese sogenannten „Bereisungstage“, an denen gleich mehrere Denkmäler besucht werden, können bis zu zwölf Stunden dauern.

Hopp ist klar, dass Denkmalschutz und -pflege nicht immer für Jubelschreie bei Projektentwicklern und Eigentümern sorgen. „Wir wissen aber auch, dass wir nicht in einem Freiluftmuseum leben.“ Man sei sich der veränderten Nutzungsansprüche durchaus bewusst und schaue nicht nur auf die Vergangenheit. Eine Herausforderung im ländlichen Raum bestehe etwa darin, auf den demografischen Wandel und Klimawandel mit der notwendigen Energiewende zu reagieren. Dabei könne Denkmalpflege helfen.

Kann Cornelius Hopp denn verstehen, dass mancher Rotenburger mit etwas Wehmut nach Bebra schaut? In der Fuldastadt gibt es viel denkmalgeschütztes Fachwerk, während der Nachbar für seinen Stadtumbau fleißig abgerissen hat. „Rotenburg hat mit seinen Fachwerkhäusern ein echtes Pfund, mit dem es wuchern kann. Viele Städte hätten gern diesen anschaulich erhaltenen Altstadtkern.“ (Clemens Herwig)

Viele Fenster in die Vergangenheit

Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und die Stadt Bad Hersfeld verfügen derzeit über 2673 Einzelkulturdenkmäler. Die Kreisstadt hat einen eigenen Fachbereich für Denkmalschutz – auch bedingt durch die Zahl der Objekte. Hinzu kommen 74 Ortskerne im Kreisgebiet, die in ihrer Qualität so hervorragend sind, dass man sie unter Denkmalschutz gestellt hat. Diese Gesamtanlagen bestehen aus mehreren Denkmälern und sind „Fenster in die Vergangenheit“, sagt Denkmalpfleger Cornelius Hopp. Der Landkreis liegt bei der Zahl seiner Denkmäler etwa im hessenweiten und bundesweiten Durchschnitt: „Wo viele Menschen wohnen, stehen etwa drei Prozent der Gebäude unter Denkmalschutz“, sagt Hopp. (cig)

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