ZWISCHEN DEN ZEILEN

Alte Spinner und junge Politiker

Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung
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Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung

In unserer Wochenkolumne befasst sich Christine Zacharias diesmal mit einem selbsternannten „Müllgott“ und den konstituierenden Sitzungen der Parlamente.

Zum Antrittsbesuch in der HZ-Redaktion war in der vergangenen Woche der CDU-Bundestagskandidat Wilhelm Gebhard, Bürgermeister von Wanfried. Dabei stellte er sportlichen Ehrgeiz unter Beweis. Zumindest einen ordentlichen Teil der Strecke legte der 44-jährige mit dem Fahrrad zurück. Ob er es damit freilich bis nach Berlin schafft? Immerhin hat sein SPD-Kontrahent Michael Roth den Wahlkreis bislang sechsmal direkt gewonnen.

Und ein aussichtsreicher Listenplatz für Gebhard dürfte auch unwahrscheinlich sein. Gebhard ist Realist genug, um zu wissen, dass er als Außenseiter antritt. Trotzdem meint er selbstbewusst: „Ich bin Fußballer, wenn ich auf den Platz gehe, dann will ich auch gewinnen“. Schau’ mer mal.

Es gibt Nachrichten, die amüsieren die einen und lösen bei anderen Besorgnis aus. So ist es mit der Information, dass der selbst ernannte „Müllgott“ Matthias Möller wieder zurück ist und auf seinem Hof bei Obergeis leben und wirken will. Möller hatte nicht nur für Aufsehen gesorgt, weil er monatelang bergeweise Müll auf dem Grundstück, das damals noch seinem Onkel gehörte, aufgehäuft hatte. Er hat auch seine Nachbarn und andere Menschen terrorisiert, grundlos angebrüllt und bedroht und ihnen das Leben zur Hölle gemacht. Im April 2015 ließ das Regierungspräsidium Kassel den Müll räumen. 120 Kubikmeter Sperrmüll kamen zusammen. Die Rechnung in Höhe von 13 000 Euro plus aufgelaufene Mahngebühren von 10 000 Euro hat Möller nicht bezahlt, vielmehr sucht er jetzt nach Sponsoren, die ihm helfen, seinen Hof vor der Zwangsversteigerung zu schützen. Hoffentlich bleibt er wenigstens friedlich.

In vielen Gemeindevertretungen zeichnen sich nach der Kommunalwahl spannende Entwicklungen ab. Viele junge Leute sind neu in den Parlamenten und auch bereit, dort Verantwortung zu übernehmen. In Breitenbach/H. zum Beispiel, sitzt Friederike Klinke (35) erstmals für die SPD in der Gemeindevertretung. Und sie wurde von ihrer Fraktion gleich zur Vorsitzenden gewählt. Auch in Kirchheim gibt es einen Wechsel an der Spitze der SPD-Fraktion. Oliver Kurz hat bereits Erfahrung in der Kommunalpolitik, seine Stellvertreter Sandra Preuß und Jens Nuhn jedoch sind jung und unerfahren, dafür sehr engagiert.

Enttäuschend für die Wählerinnen und Wähler ist es dagegen, wenn Kandidaten, zumal wenn sie an der Spitze der Liste ins Rennen gegangen sind, ihr Mandat dann gar nicht annehmen. Logisch und nachvollziehbar ist das, wenn auf Platz 1 der Bürgermeister stand, nicht aber, wenn jemanden in der Zwischenzeit offenbar die Lust verlassen hat. (Christine Zacharias)

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