Arbeitskampf dauert seit über fünf Jahren an

Streik bei Amazon: Verdi kritisiert Lohnanpassung

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Das Amazon-Logistikzentrum FRA3 in Bad Hersfeld. In der Kreisstadt gibt es gleich zwei Standorte. Inzwischen ist ein Teil der im Bild zu sehenden Parkplätze einem Parkhaus gewichen.

Bad Hersfeld. Die Gewerkschaft Verdi hat erneut zum Streik bei Amazon in Bad Hersfeld aufgerufen. Der Arbeitskampf dauert inzwischen seit etwas mehr als fünf Jahren an.

Bereits am Dienstag ist laut Verdi gestreikt worden. Am Mittwoch wird der Ausstand fortgesetzt. Hintergrund sei die vom Unternehmen gegenüber der Belegschaft angekündigte Lohnanpassung, die das bestehende Lohngefälle zum Branchentarifvertrag weiter zementiere. 

„Für uns und die Amazon-Beschäftigten ist das Lohnniveau des Tarifvertrages für den Einzel- und Versandhandel nach wie vor das Maß,“ so Gewerkschaftssekretär Marcel Schäuble. „Mit der angekündigten Erhöhung von zwei Prozent, die damit nicht über der Tariferhöhung der Branche, die bereits zum zum April 2018 erfolgte, hinausgeht, bleibt die Differenz von minus zehn Prozent für langjährige Beschäftigte und minus 25 Prozent für neue Arbeitsverhältnisse bei Amazon gegenüber dem Tarifvertrag bestehen.“ 

Verdi fordert "einen respektvollen Umgang mit den Beschäftigten, gute Arbeitsbedingungen und keine prekären Beschäftigungsmodelle". Hierzu zähle insbesondere eine faire Bezahlung für gute Arbeit nach Tarifvertrag. Das Lohngefälle, das bis zu 450 Euro gegenüber tariflichem Entgelt ausmache, sei für die Beschäftigten viel Geld, um ihren Lebensunterhalt bei steigenden Kosten bestreiten zu können. Für Amazon wäre es aufgrund der Gewinnsituation leicht, dies den Beschäftigten zu gewähren, meinen die Gewerkschafter. „Ein Unternehmen, das eine Rekordzahl nach der anderen verkündet, muss seiner sozialen Verantwortung gerecht werden,“ so Marcel Schäuble.

Der Arbeitskampf um einen Tarifvertrag dauert seit nunmehr über fünf Jahren an.

Bei Amazon reagiert wie man folgt auf den erneuten Streik und den Hintergrund: „Amazon führt an allen Standorten jährlich eine Lohnüberprüfung durch. Die Geschäftsleitung in Bad Hersfeld hat dem Betriebsrat für 2018 eine Erhöhung des Basislohns um zwei Prozent für alle Versandmitarbeiter vorgeschlagen", berichtet Sprecher Michael Schneider. Der Einstiegslohn würde mit dieser Erhöhung bei umgerechnet 11,18 Euro brutto die Stunde liegen; für Mitarbeiter mit zwei Jahren Betriebszugehörigkeit umgerechnet bei 13,04 Euro brutto. 

Mit der Erhöhung würde ein Versandmitarbeiter mit zwei Jahren Betriebszugehörigkeit derzeit (2018) auf einen rechnerischen Jahreslohn von rund 30.500 Euro brutto kommen, heißt es – dabei seien Aktien von Amazon.com Inc., Boni und eine Jahressonderzahlung, die es auch in diesem Jahr geben wird, eingerechnet. 

"Für den Job als Versandmitarbeiter sind keine Vorqualifikationen erforderlich", so Schneider weiter. "Der Betriebsrat muss der Verteilung der Lohnerhöhung noch zustimmen.“ (red/nm)

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