Sozialdemokraten gewinnen 36 Städte und Gemeinden

Analyse im Wahlkreis Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner: Siegeszug der SPD

Auch in den Wahllokalen der Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner - hier in der  Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld - wurde bei der Bundestagswahl am Sonntag fleißig ausgezählt.
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Auch in den Wahllokalen der Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner - hier in der Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld - wurde bei der Bundestagswahl am Sonntag fleißig ausgezählt. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis ist der SPD ein in Hessen beispielloser Siegeszug gelungen.

Im Wahlkreis 169 „Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg“ hat die SPD bei der Bundestagswahl in allen 36 Städten und Gemeinden beider Landkreise bei den Zweitstimmen gewonnen.

Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner - Lediglich bei den Erststimmen gelang es CDU-Kandidat Wilhelm Gebhard, Seriensieger Michael Roth (SPD) zumindest in vier Kommunen im Werra-Meißner-Kreis zu schlagen: Bad Sooden-Allendorf, Berkatal, Ringgau und Wanfried.

Weitere Auffälligkeiten dieser Bundestagswahl nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis im Überblick:

SPD: Bestes Zweitstimmen-Ergebnis in ganz Hessen

Das 37,7-Prozent-Zweitstimmen-Ergebnis der SPD ist das beste in ganz Hessen. Der Landesdurschnitt liegt bei 27,6 Prozent. Dabei machten die Genossen im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg einen Sprung um 5,1 Prozentpunkte – der zweitgrößte im Land. Auffällig auch, dass der aus Heringen stammende Direktkandidat Michael Roth satte sechs Prozentpunkte (43,7) mehr einfuhr als seine Partei bei den Zweitstimmen (37,7). Beste Ergebnisse: Heringen (Erststimme: 54,2 Prozent), Nentershausen (Zweitstimme: 47,6). Schlechteste Ergebnisse: Wanfried (Erststimme: 29,8), Bad Sooden-Allendorf (Zweitstimme: 33,2).

Entschied das Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis zum sechsten Mal in Folge für sich - und das deutlich: Michael Roth (SPD).

CDU: Direktkandidat Gebhard sammelt mehr Stimmen als seine Partei

Das CDU-Zweitstimmen-Resultat im Wahlkreis 169 ist mit Blick auf die Ergebnisse in ganz Hessen unauffällig. Die Christdemokraten haben zwar mehr als 10 000 Zweitstimmen verloren. Das entspricht einem Minus von 7,8 Prozentpunkten. Im Vergleich zum hessischen Abschneiden (minus 8,1) ist das aber weder besonders viel, noch besonders wenig. Interessant: Wilhelm Gebhard (26,8 Prozent) überzeugte 6600 Wähler mehr von sich als es der CDU (21,6) gelang. Am stärksten trumpfte er in der Stadt auf, in der er Bürgermeister ist – und bleibt. Beste Ergebnisse: Wanfried (Erststimme: 52,8), Berkatal (Zweitstimme: 30,0). Schlechteste Ergebnisse: Philippsthal (Erststimme: 16,3), Cornberg (Zweitstimme: 15,9).

Sammelte mehr Stimmen als seine Partei: CDU-Kandidat Wilhelm Gebhard bleibt Bürgermeister in Wanfried.

AfD büßt im Wahlkreis 169 die wenigsten Stimmen ein - und wurde in Cornberg zweitstärkste Kraft

Die AfD (Landesdurchschnitt: 8,8 Prozent) fuhr zwischen Haunetal und Neu-Eichenberg eines ihrer besten Wahlkreisergebnisse ein: 11,5 Prozent. Das ist in Hessen Rang vier von 22 Wahlkreisen. Bemerkenswert: Die AfD büßte mit einem Minus von 1,6 im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren im Wahlkreis 169 die wenigsten Stimmen hessenweit ein. Direktkandidat Gerhard Schenk (Bebra) holte ein etwas schwächeres Ergebnis (11,0) als seine Partei (11,5). Aber: In Cornberg wurde die AfD sogar zweitstärkste Kraft vor der CDU. Beste Ergebnisse: jeweils in Cornberg (Erststimme: 21,5; Zweitstimme: 21,3). Schlechteste Ergebnisse: Wanfried (Erststimme: 5,9), Witzenhausen (Zweitstimme: 7,5).

Blieb unter dem Ergebnis seiner Partei, die im Wahlkreis 169 hessenweit die wenigsten Stimmen einbüßte: Gerhard Schenk aus Bebra trat für die AfD an.

Grüne verbuchen trotz Zuwachs schlechtestes Ergebnis in Hessen

Während die Grünen auf Bundesebene Stimmen dazugewonnen haben und zu den Gewinnern der Bundestagswahl gerechnet werden, fuhr die Partei in Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg trotz ebenfalls leichter Zuwächse ihr schlechtestes und einziges einstelliges Ergebnis in ganz Hessen ein. Sie holten 9,0 Prozent – fast sieben Punkte weniger als im Mittel. Auffällig zudem, dass Awet Tesfaiesus 3500 Stimmen weniger bekam als ihre Partei. Beste Ergebnisse: jeweils in Neu-Eichenberg (Erststimme: 16,9; Zweitstimme: 17,8). Schlechteste Ergebnisse: jeweils in Heringen (Erststimme: 2,7; Zweitstimme: 4,5).

Zieht über die Landesliste in den Bundestag ein: Awet Tesfaiesus von den Grünen.

FDP: Liberale bleiben im Wahlkreis 169 einstellig

Was für die Grünen gilt, gilt auch für die FDP. Die Liberalen bleiben in nur einem Wahlkreis hessenweit einstellig: im Wahlkreis 169. Die Freien Demokraten verbuchten 9,9 Prozent (Hessen: 12,8) der Zweitstimmenwähler. Jorias Bach, der mit 23 Jahren jüngste aller zehn Direktkandidaten, fiel allerdings gegenüber seiner Partei deutlich ab: Er bekam lediglich 5,5 Prozent. Beste Ergebnisse: Hohenroda (Erststimme: 8,2), Bad Hersfeld (Zweitstimme: 12,4). Schlechteste Ergebnisse: Wanfried (Erststimme: 2,2) , Neu-Eichenberg (Zweitstimme: 5,8).

Ging als jüngster Direktkandidat in Rennen und holte 5,5 Prozent: Jorias Bach von der FDP.

Linke büßt beinahe die Hälfte der Stimmen ein

Die Linke verlor im Wahlkreis 3,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017. Das entspricht fast der Hälfte der Stimmen vor vier Jahren. Dennoch ist Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg einer der Wahlkreise, in denen die Linken am wenigsten Stimmen einbüßten. Sabine Leidig, die vor vier Jahren noch über die Landesliste für den Wahlkreis in den Bundestag einzog, war diesmal aber kein Faktor. Beste Ergebnisse: jeweils in Neu-Eichenberg (Erststimme: 6,2; Zweitstimme: 7,0). Schlechteste Ergebnisse: Waldkappel (Erststimme: 1,5), Kirchheim (Zweitstimme: 2,0).

Verabschiedet sich nach zwölf Jahren aus dem Bundestag: Die Linken-Politikerin Sabine Leidig.

Die Wahlbeteiligung

Auf die Wähler in den Kreisen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner ist Verlass. Zumindest gehören sie zu den Wählern in Hessen, deren Wahlbeteiligung am konstantesten geblieben ist (plus 0,1 Prozentpunkte zu 2017). Insgesamt gingen mehr als drei von vier Wahlberechtigte (76,1 Prozent) zur Urne. Höchste Wahlbeteiligung: Haunetal (85,8 Prozent). Geringste Wahlbeteiligung: Bad Hersfeld (70 Prozent).

Die ungültigen Stimmen

Mit 1,4 Prozent ungültigen Zweitstimmen liegt der Wahlkreis etwas über dem hessischen Schnitt (1,2). Die meisten ungültigen Stimmzettel gaben die Wähler im Wahlkreis Schwalm-Eder ab (1,7). Am korrektesten wählten die Menschen im Wahlkreis Frankfurt I (0,9 Prozent ungültige Stimmen). Meiste gültige Stimmen: Ronshausen (99,5 Prozent). Geringste gültige Stimmen: Neuenstein (96,3 Prozent)

Bei ihnen lief alles zusammen: Die Ehrenamtler in den Wahllokalen der Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner, hier der Briefwahlbezirk in Bebraer Rathaus.

Mehr Wahlbezirke vor der Wahl als bei der Wahl

Vor der Wahl hatte der Wahlkreis 434 Wahlbezirke, für die Auszählung wurden jedoch einige zusammengelegt – wie kann das sein? „Wenn in einem Wahlbezirk weniger als 50 Menschen abgestimmt haben, mussten wir zur Wahrung des Wahlgeheimnisses einzelne Bezirke zusammenfassen“, erklärt Wahlleiterin Andrea Möller aus Eschwege im Gespräch mit unserer Zeitung. Insgesamt seien deshalb also im Laufe des Abends 37 Bezirke verlegt worden. Am schnellsten zählte die Gemeinde Meißner aus, am längsten dauerte es in Wehretal. „Insgesamt waren wir der zweite Wahlkreis in Hessen, der ein fertiges Gesamtergebnis gemeldet hatte. Es ist aus unserer Sicht also sehr gut gelaufen“, sagt Möller. (Sebastian Schaffner, Paul Bröker)

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