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Angriff bleibt ungeklärt: Prozess gegen 59-Jährigen wegen Körperverletzung eingestellt

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Von: Daniel Göbel

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Justitia
Weil er mit einem unbekannten Gegenstand einen anderen Mann geschlagen haben soll, musste sich ein 59-jähriger Lieferdienstfahrer am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Bad Hersfeld verantworten. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Weil er mit einem unbekannten Gegenstand einen anderen Mann geschlagen haben soll, musste sich ein 59-jähriger Lieferdienstfahrer am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Bad Hersfeld verantworten.

Hersfeld-Rotenburg –Das Opfer habe laut Anklage ein Schädelhirntrauma und diverse Platzwunden erlitten. Zudem gab das Opfer an, den Angeklagten während des Angriffs eindeutig erkannt zu haben. Der wiederum stritt vor Gericht ab, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Letztlich konnte der genaue Sachverhalt nicht geklärt werden, die vom Gericht geladenen Zeugen wurden nicht verhört. Denn zuvor unterbreitete der Vorsitzende Richter Elmar Schnelle die Möglichkeit, dass das Verfahren eingestellt wird, wenn der Angeklagte bereit sei, 250 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen – in monatlichen Raten von 50 Euro. Damit waren auch die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte nach kurzer Beratung mit seinem Rechtsanwalt selbst einverstanden, wodurch der Prozess abgekürzt wurde.

Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll der 59-Jährige Ende Dezember vergangenen Jahres mit Freunden in einer Kneipe gefeiert haben. Dort seien sie auf das spätere Opfer getroffen, das den Angeklagten mit türkischen Wurzeln als „scheiß Ausländer“ beleidigt habe. „Ich habe ihm dann deutlich gemacht, dass wir gern vor die Tür gehen können, wenn er mit mir ein Problem hat“, berichtete der Angeklagte vor Gericht. Dazu soll es letztlich aber nicht gekommen sein.

Stattdessen sei das Opfer kurze Zeit später in Höhe einer Bushaltestelle unvermittelt mit einem unbekannten Gegenstand auf den Kopf geschlagen worden. Dabei habe es den Angeklagten eindeutig wiedererkannt. Als das Opfer durch die Schläge zu Boden fiel, habe der Mann weiter auf ihn eingeschlagen. Anschließend musste der Mann im Krankenhaus stationär behandelt werden.

Der Angeklagte selbst schilderte den Verlauf des Abends in seiner Aussage vor Gericht aus seiner Erinnerung heraus. Allerdings habe er den Mann nie geschlagen.

„Erst werden Sie in einer Kneipe beleidigt, kurz danach wird der Mann plötzlich angegriffen und verletzt. Das fällt doch nicht vom Himmel. Außerdem gibt es Zeugen, die etwas anderes sagen“, erwiderte Richter Schnelle. Der 59-Jährige blieb dennoch bei seiner Aussage, nicht für den Angriff verantwortlich zu sein.

Einstellung gegen Geldauflage

Die Einstellung eines Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage ist möglich, wenn „die Schwere der Schuld nicht entgegensteht“ und die Auflage geeignet ist, „das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen“. Die Einstellung kommt für Fälle der kleinen oder mittleren Kriminalität in Betracht. Bei Mord, Totschlag und anderen schweren Verbrechen scheidet sie aus. Ein Tatverdacht muss aber da sein, sonst müsste das Gericht den Angeklagten freisprechen. dag

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