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Zwischen den Zeilen: Angst, Freude und Optimismus

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Kai A. Struthoff
Kai A. Struthoff © LUDGER KONOPKA

Über Weihnachten im Angesicht des Krieges schreibt Kai A. Struthoff in seiner Kolumne „Zwischen den Zeilen“.

Die Gemeindeparlamente haben in den vergangenen Wochen meist in besinnlich-vorweihnachtlicher Stimmung getagt. Im Kreistag allerdings war von Weihnachtsfrieden nicht viel zu spüren. Die Debatte um den Kreishaushalt wurde zur Generalabrechnung mit dem Kurs des Klinikums. Hätte, hätte, Lichterkette – hinterher sind immer alle klüger.

Dabei ist es jetzt müßig, darüber zu streiten, ob die Übernahme des HKZ richtig war oder der geplante Radikalumbau der beste Weg ist. Denn der Zug hat längst den Bahnhof verlassen – abgefertigt von einer breiten Mehrheit im Kreistag – worauf zurecht sogar Kritiker des Klinik-Kurses hingewiesen haben.

Auch wenn selbst führende Sozialdemokraten hinter vorgehaltener Hand leise Zweifel äußern, ob der beschlossene Haushalt hält, hilft ein Kurswechsel nun auch nicht, denn die Finanzzusagen von Bund und Land sind an das vorliegende Konzept gebunden. Eine Ironie des Schicksals ist es, dass Landrat Torsten Warnecke nun den Kurs verteidigt, wegen dem Landrat Dr. Michael Koch abgewählt wurde. Warnecke vertritt diesen Kurs übrigens mit viel Leidenschaft, wie jeder im Kreistag hören konnte.

Dass auch private Krankenhauskonzerne nicht das Allheilrezept haben, zeigt derzeit der Blick nach Melsungen. Eine gute und sichere Gesundheitsvorsorge in kommunaler Hand, die am Patientenwohl und nicht am Shareholder-Value orientiert ist, sollte uns allen lieb sein – auch wenn sie teuer ist.

Obwohl ich meinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdiene, bin ich als Autor von Weihnachtskarten ein Totalausfall. Umso mehr freue ich mich aber über die Weihnachtspost, die in diesen Tage in die Redaktion kommt: Der Ministerpräsident, der Bundestagsabgeordnete, Bürgermeister, Unternehmer, Pressesprecher oder Kommunalpolitiker – viele haben uns geschrieben. Für besondere Freude hat in der Redaktion übrigens ein großes Postpaket voller Schokolade gesorgt – die in Windeseile verputzt war.

Besonders freue ich mich über Rückmeldungen von Lesern, die zeigen, dass wir mit unserer Arbeit auch etwas bewegen können. So schrieb mir etwa die frühere DRK-Vizepräsidentin Donata von Schenck aus Oberaula, dass – auch dank der Unterstützung unserer Zeitung – fünf Transporter mit Winterkleidung und Medikamenten, begleitet von einem Arzt des Klinikums, für die Ukraine auf den Weg gebracht werden konnten. „Alleine hätte ich das nicht geschafft“, schreibt sie – und das freut uns! Danke für alle Weihnachtsgrüße – auch die ganz persönlichen, die mich erreicht haben!

Zum ersten Mal in meinem fast 60-jährigen Leben feiere ich Weihnachten unter dem Eindruck eines Krieges in Europa, der, anders als der Balkan-Krieg, auch ganz unmittelbar in unser aller Lebenswirklichkeit eingreift. Die Angst vor dem, was da vielleicht noch kommt, sitzt in diesem Jahr mit unter dem Weihnachtsbaum. Umso mehr sollten wir das, was wir haben, zu schätzen wissen: Familie, Freunde, genug zu essen, eine warme Stube und Frieden – zumindest bei uns hier in Deutschland.

In der Weihnachtsbotschaft für die Leser unserer Zeitung rufen die Vertreter der christlichen Kirchen in der Region und die politische Führung des Landkreises zu Mut und Zuversicht auf. Und dafür gibt es offenbar guten Grund. Ich sprach kürzlich mit einem wichtigen Wirtschaftslenker unserer Region, der durchaus optimistisch über die Lage hier vor Ort, aber auch die Situation in Deutschland urteilte.

Der Ausdruck „wir schaffen das!“ ist ja ein wenig verpönt bei uns. Aber vielleicht sollten wir einfach mal darauf vertrauen. Ganz im Sinne der Weihnachtsbotschaft: Fürchtet Euch nicht!

Das ganze Team der Hersfelder Zeitung wünscht Ihnen und Ihren Lieben ein frohes Weihnachtsfest!

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