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Anklage nach Bombenfund: Grundstückseigentümer droht Haft

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Blindgänger: Diese Splitterbombe aus dem Zweiten
Blindgänger: Diese Splitterbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in Friedewald entschärft. © RP Darmstadt

Rund ein Jahr nach der Bombenentschärfung in Friedewald steht nun fest: Der Grundstückseigentümer muss sich vor Gericht verantworten.

Friedewald– Nach der Entschärfung einer amerikanischen Splitterbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im November vergangenen Jahres in Friedewald muss sich der Grundstückseigentümer wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Fulda hat Anklage am Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld gegen den zur Tatzeit 57- beziehungsweise 58-Jährigen erhoben, wie Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Fulda, auf Nachfrage mitteilt. Ein Hauptverhandlungstermin ist bislang noch nicht anberaumt.

Die Anklage wirft dem Grundstückseigentümer vor, die Splitterbombe vom Typ FRAG 90lbs mit einem Gewicht von 39,9 Kilogramm und einer Sprengladung von 5,2 Kilogramm bereits Ende des Jahres 2020 in seinem Garten bei Grabungsarbeiten gefunden zu haben.

Statt gleich die Polizei zu verständigen, soll er den Sprengkörper bis November 2021 oberirdisch auf dem Grundstück aufbewahrt haben. Damit habe er gegen Paragraph 22a Abs. 1 Nr. 6a des Kriegswaffenkontrollgesetzes verstoßen, „indem er über eine Kriegswaffe die tatsächliche Gewalt ausgeübt, ohne dass der Erwerb der tatsächlichen Gewalt auf einer Genehmigung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz beruht haben soll“, erklärt Dr. Christine Seban. Bei der angeklagten Tat handele es sich um ein Verbrechen, das grundsätzlich mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht sei.

Die Entschärfung der Bombe hatte am 4. November 2021 für einen Großeinsatz von rund 300 Kräften von Polizei, Feuerwehren, Rotem Kreuz und Notfallseelsorge gesorgt. Von der Evakuierung in einem Umkreis von 300 Metern waren 500 bis 700 Personen, das DRK-Seniorenzentrum, das Schlosshotel, die Gemeindeverwaltung und die B 62 betroffen.

Laut Kampfmittelräumdienst hätte die Lage des Sprengkörpers direkt an der Erdoberfläche bei einer Detonation für einen vergleichsweise großen Streuwinkel gesorgt. Der stark korrodierte Aufschlagzünder wurde bei der Entschärfung zunächst mit einer aus der Ferne gezündeten Raketenklemme aus der Bombe gedreht, dann händisch entfernt und in einem Steinbruch bei Motzfeld gesprengt. Die Bombe selbst wurde über eine Fachfirma entsorgt. (Jan-Christoph Eisenberg)

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