EU-Urteil: Fallende Preisbindung bedroht Händler im Landkreis

Apotheker klagen über Online-Handel

Hersfeld-Rotenburg. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs sorgt für viel Missmut bei den Apothekern im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Die Richter kippten die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente.

Das hat zur Folge, dass Internet-Händler aus dem europäischen Ausland Arznei billiger verkaufen können als niedergelassene Apotheker in Deutschland. Der hessische Apothekerverband spricht von großer Bestürzung und befürchtet „gravierende Auswirkungen für die flächendeckende Arzneimittelversorgung“. Matthias Holzapfel, der Apotheken in Ludwigsau und Bad Hersfeld führt, spricht vom „schwersten Eingriff in das deutsche Gesundheitssystem jemals“. Auch der mit dem deutschen Apothekenpreis ausgezeichnete Stefan Göbel von der Heringer Brückenapotheke sieht das Wohl der Kunden in Gefahr. Gerade rezeptpflichtige Medikamente seien in Kombination mit anderen Mitteln oder in der falschen Dosis gesundheitsschädlich bis hin zu tödlich.

Die ausreichende Aufklärung für jeden Kunden würden und könnten die Onlineapotheken nicht leisten. Auf die weist auch Elvira Mielnitschin von der Hessen-Apotheke in Obersuhl hin. „Immer wieder kontaktieren wir Ärzte, weil wir sehen, dass Patienten von unterschiedlichen Ärzten Medikamente bekommen haben, die Wechselwirkungen zeigen, ohne dass diese voneinander wussten.“ Die deutsche Politik sei jetzt dringend gefordert, findet Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Die Apothekendichte in Deutschland liege bereits unter dem europäischen Durchschnitt. Der liegt bei 31 Apotheken für 100 000 Menschen, in Deutschland kommen darauf lediglich 25 Filialen. Im Landkreis gibt es 29 Apotheken. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will jetzt den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten untersagen.

Von Lasse Deppe und Lisa-Marie Seifert

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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