Ausweitung der Corona-Impfkampagne

Apotheker, Zahn- und Tierärzte sind zum Impfen bereit, aber es bleiben Zweifel

Bald könnte es die Corona-Impfung auch in der Apotheke geben: Einige Apotheker haben bereits eine Schulung zum Verabreichen von Impfungen bekommen.
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Bald könnte es die Corona-Impfung auch in der Apotheke geben: Einige Apotheker haben bereits eine Schulung zum Verabreichen von Impfungen bekommen.

Apotheker sowie Zahn- und Tierärzte könnten schon bald die Corona-Impfkampagne unterstützen. Viele sind dazu auch bereit, aber sie sind auch skeptisch.

Hersfeld-Rotenburg - Nach Plänen der Bundesregierung könnten bald auch Apotheker sowie Zahn- und Tierärzte die Impfkampagne gegen Corona unterstützen. In einer Umfrage unserer Zeitung zeigten sich die meisten Branchenvertreter dazu auch bereit, sie äußern aber zugleich ernsthafte Zweifel an der zeitnahen Umsetzung dieses Vorhabens.

Ohnehin sind viele Details im verschärften Infektionsschutzgesetz noch ungeklärt. Die Regierung sieht im Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19 vor, dass auch Apotheker, Zahn- und Tierärzte Corona-Impfungen verabreichen sollen. Die Voraussetzungen in den einzelnen Branchen sind allerdings noch nicht gegeben und auch die grundsätzlichen Kernaufgaben von Apothekern, Zahn- und Tierärzten werden in diesem Zusammenhang infrage gestellt.

Matthias Holzapfel, Apotheker aus Ludwigsau, ist skeptisch. Einerseits werde eine möglichst schnelle Durchimpfung der Bevölkerung gefordert, andererseits stehe für dieses Vorhaben gar nicht genügend Impfstoff zur Verfügung. Gesundheitsminister Lauterbach kündige einen Mangel an Impfdosen für das erste Quartal 2022 an, unter anderem weil einige Lieferungen vorgezogen wurden. Holzapfel und seine Kollegen sehen zudem Konfliktpotenzial zwischen Apotheken und Hausärzten, weil möglicherweise eine Art von Konkurrenzkampf um Impf-Patienten entfacht werden könnte.

Apotheken übernehmen die Aufgaben von Ärzten – das sehen nicht nur manche Apotheker kritisch, auch Dr. Martin Ebel, Sprecher der Hausärzte im Landkreis äußert diesbezüglich Kritik: „Impfungen gehören in die Hand des Arztes, nicht des Apothekers. Sonst will ich künftig Medikamente verkaufen dürfen.“

Bevor in Apotheken Corona-Impfungen verabreicht werden können, muss außerdem ein Großteil des Personals noch geschult werden.

Eine ärztliche Schulung müssen auch impfwillige Zahnärzte absolvieren. Außerdem ist ein Impfangebot in Zahnarztpraxen an weitere Rahmenbedingungen gebunden. Hier rechnen Zahnarzt Matthias Lotz aus Bad Hersfeld und seine Kollegen erst im Januar mit näheren Informationen.

Dass die rechtlichen und logistischen Vorgaben auch für Tierärzte noch nicht geklärt sind, gibt Daniel Brandau, Tierarzt aus Alheim zu bedenken. Darüber hinaus ließen die mangelnden zeitlichen Ressourcen ein Impfangebot in den Tierarztpraxen kaum zu.

Das sagen die einzelnen Branchenvertreter im Gespräch mit unserer Zeitung

Mit den Änderungen im Infektionsschutzgesetz, genauer gesagt dem Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19, dürfen künftig auch Apotheker, Zahnärzte sowie Tierärzte Corona-Impfungen verabreichen. Wie sich die Umsetzung dieser neuen Gesetzeslage in der Berufspraxis der angesprochenen Branchen gestaltet, haben Apotheker, Zahnärzte und Tierärzte im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert.

Tierärzte

Bevor in Tierarztpraxen gegen das Coronavirus geimpft werden kann, müssen noch einige Hürden genommen werden. Der bürokratische Aufwand sei hier vermutlich größer als in anderen Branchen, meint Dennis Lang, Tierarzt aus Kirchheim. Er habe weder zeitliche Kapazitäten, noch eine rechtliche Absicherung oder die benötigte Infrastruktur. Er weist darauf hin, dass es in Tierarztpraxen keine Möglichkeit zur kassenärztlichen Abrechnung gebe und auch das Personal nicht dazu befähigt sei, Menschen eine Impfung zu verabreichen. Lang ist aber grundsätzlich zum Helfen bereit und könnte sich deshalb vorstellen, sich einem Impfteam anzuschließen.

Den gleichen Ansatz verfolgt Tierärztin Antje Fey-Spengler aus Bad Hersfeld. „Sollten wir impfen, dann nicht hier vor Ort zwischen Hunden und Katzen, sondern eher als Teil eines Impfteams“, sagt sie. Noch sieht Fey-Spengler aber keine Notwenigkeit, sich an der Impfkampagne zu beteiligen.

Auch Daniel Brandau, Tierarzt aus Alheim, sieht aktuell noch keine Möglichkeit, sich am Impfen zu beteiligen. Auch er nennt als Gründe die unklaren rechtlichen und logistischen Vorgaben sowie Zeitmangel.

Zahnärzte

„Wir sind bereit, die Corona-Impfkampagne zu unterstützen“, sagt Matthias Lotz, Zahnarzt aus Bad Hersfeld. Aber: „Wir kennen die Rahmenbedingungen noch nicht, deshalb wissen wir auch noch nicht, ob wir tatsächlich impfen werden“, gibt er zu bedenken. Genauso wie Apotheker, müssen auch Angestellte von Zahnarztpraxen eine Einweisung zum Impfen bekommen. Kritisch sieht Lotz die Beschaffung von Impfstoff für die Zahnarztpraxen. Denn die Bestellung und Verteilung der Impfdosen läuft über die Kassenärztliche Vereinigung, in der Zahnärzte nicht Mitglied sind. Grundsätzlich kann sich Lotz aber eine Beteiligung in einem Impfteam vorstellen.

Die Bereitschaft, bei der Impfkampagne zu helfen, gibt es auch aufseiten der Zahnarztpraxis Gissel in Bebra. Ungeklärte Vorgaben und Richtlinien sowie bürokratische Hürden ließen Aussagen über ein konkretes Impfangebot aber derzeit nicht zu.

Die Zahnarztpraxis Debald in Rotenburg wird keine Corona-Impfungen verabreichen. Argumentiert wird hier zusätzlich mit einem Mangel an zeitlichen Kapazitäten.

Apotheken

Und die Apotheken? „Wir sind gedanklich und räumlich vorbereitet“, sagt Matthias Holzapfel, Apotheker aus Ludwigsau. Er wirft dennoch die Frage auf, warum Apotheken nun die Aufgaben der Hausärzte übernehmen sollen. Stattdessen hätte sich der Apotheker eher gewünscht, dass alternative und insbesondere niedrigschwellige Impfangebote generell mehr ausgebaut worden wären. Sollte es dazu kommen, dass Holzapfel in seinen Apotheken Corona-Impfungen verabreicht, dann nur in Kooperation mit den Hausärzten. „Ich möchte dabei auf eine gute Zusammenarbeit setzen“, sagt er.

Einen höheren Preis für jede verabreichte Impfdose als Anreiz, dass Apotheker und andere ein Impfangebot schaffen, sieht Holzapfel als falschen Ansatz der Politik. Sein Ansatz ist die Hilfeleistung zum Erreichen einer höheren Impfquote.

Das Gleiche gilt für Dietrich Grimme von der Hubertus-Apotheke in Rotenburg. Da er ebenso wenig weiß, welche Vorgaben und Regeln noch auf ihn zukommen, kann er nicht sagen, ob sein Team im Januar zum Impfen bereit sein wird. Grimme selbst hat im Rahmen eines Modellprojekts zur Grippeschutzimpfung bereits eine Schulung absolviert, die ihn zum Spritzengeben berechtigt. „Generell freue ich mich, beim Impfen helfen zu können“, sagt er. Auch die Hubertus-Apotheke möchte aus der Corona-Schutzimpfung keine „Konkurrenz-Veranstaltung“ machen, weshalb Grimme sagt, dass er sich eine Zusammenarbeit mit den Hausärzten vorstellen könne.

Stefan Göbel, Leiter der Brücken-Apotheke in Heringen hingegen wird keine Corona-Impfung in seiner Apotheke anbieten. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir in unserem Umkreis engagierte Hausärzte haben, die impfen, was das Zeug hält“, sagt er.

Auch er sieht eine Beteiligung der Apotheken an der Impfkampagne mit Blick auf einen Impfstoffmangel kritisch. „Ich interpretiere unsere Aufgabe so, dass wir frühzeitig versuchen, Lieferengpässe zu erkennen und mit den Ärzten zu kommunizieren, damit reibungslos weiter geimpft werden kann.“ (Laura Hellwig)

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