Fast zehn Millionen Euro

Krebserregendes Arsen in Hessen: Bergbau-Altlast verschlingt Millionenbeträge

Der Boden auf den vier stark belasteten Grundstücken der Gemeinde Richelsdorf ist mittlerweile ausgetauscht. Die Kosten dafür muss die Gemeinde selbst tragen. Unser Archivfoto zeigt die Arbeiten beim Backhaus.
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Der Boden auf den vier stark belasteten Grundstücken der Gemeinde Richelsdorf ist mittlerweile ausgetauscht. Die Kosten dafür muss die Gemeinde selbst tragen. Unser Archivfoto zeigt die Arbeiten beim Backhaus.

Die Bergbau-Altlasten im Richelsdorfer Gebirge kommen Hessen teuer zu stehen. Bis Ende 2020 wurden fast zehn Millionen Euro ausgegeben.

Richelsdorf - Der Betrieb der Richelsdorfer Hütte, der vor über 50 Jahren eingestellt worden ist, und die anschließende Weißpigmentproduktion kommen das Land Hessen und damit die Steuerzahler heute teuer zu stehen: 9,74 Millionen Euro hat das Land seit 1991 schon für die Sicherung der Bergbau-Altlasten und die Untersuchung der Folgen ausgegeben.

Das ergibt eine Bilanz der Ausgaben bis Ende 2020, die das Regierungspräsidium Kassel (RP) auf Anfrage unserer Zeitung vorgelegt hat. Allein 8,9 Millionen Euro musste das Land ausgeben, um sicherzustellen, dass keine weiteren Schadstoffe in das Grundwasser gelangen. Dazu gehören Sicherungsprojekte beim Betriebsgelände und der Rückstandshalde hinter dem Gelände, zum Beispiel der Bau und der Betrieb der Wasseraufbereitungsanlage und die Verlegung des Weihebachs weg vom Werksgelände. Vor allem dieser Bach hatte Schwermetalle und die giftige Arsen-Fracht in den 600 Meter entfernt liegenden Ort Richelsdorf transportiert.

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Außerdem hat das Land für die Untersuchungen im Ort bis Ende 2020 insgesamt 800.000 Euro ausgegeben. Dazu gehören der Einsatz von Ingenieuren und die toxikologischen Untersuchungen. Auch die Kosten für die Ermittlung des Verkehrswertes der betroffenen privaten Grundstücke hat das Land übernommen. Auf das Land kommen weitere Millionenbeträge zu. Allein die Abdeckung und damit erhoffte endgültige Sicherung der Rückstandshalde wird über fünf Millionen Euro kosten: Sie wird im Herbst 2023 mit einer Kunststoffdichtungsbahn abgedeckt.

Krebserregendes Arsen in Hessen: Untersuchungen sind langwierig

14 private Grundstücke in Richelsdorf sind so stark mit Arsen belastet (Kategorie I), dass sie saniert werden müssen. Unter die Kategorie II fallen in Richeldorf 22 weitere Grundstücke, die weniger mit Arsen belastet sind. Sie können saniert werden, müssen aber nicht. Auch auf diesen Grundstücken der Kategorie II ist die Entnahme von Proben für Nachuntersuchungen vor Kurzem abgeschlossen worden.

Land Hessen plant neues Zwischenlager für belasteten Boden

Das Land Hessen hat angeboten, den Boden der stark belasteten privaten Grundstücke (Kategorie I) mit Containern auf die Rückstandshalde zu transportieren. Bei den Böden der Kategorie II handelt es sich nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel nicht um Abfall. Für diese Böden will das Land ein Zwischenlager in der Nähe einrichten. Die Betroffenen können die Böden dort anliefern. Das Material wird später als Rekultivierungsschicht auf die Kunststoffdichtungsbahn der Halde aufgebracht.

Nach Angaben des RP sind die Untersuchungen komplex und langwierig. Bestimmt wird die Resorptionsverfügbarkeit, also der Anteil an Arsen im Boden, der vom Körper aufgenommen wird. Auch die Kapazitäten der Spezial-Labore seien begrenzt. Die Ergebnisse werden bis Ende Oktober erwartet. Erst dann wird der genaue Sanierungsbedarf auf den privaten Grundstücken und die damit verbundenen Kosten feststehen, betont das Regierungspräsidium. (René Dupont)

Erst kürzlich hatte der Kreistag Hersfeld-Rotenburg einstimmig beschlossen, die Eigentümer der mit Arsen verseuchten Grundstücke in Richelsdorf mit insgesamt bis zu 200.000 Euro zu unterstützen.

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