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Arsenbelastung in Richelsdorf: Viele Eigentümer lassen Erde austauschen

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Von: René Dupont

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Auf dem Spielplatz und dem Minigolfplatz der Gemeinde in Richelsdorf ist die stark arsenbelastete Erde bereits ausgetauscht. Der Bauhof musste das frische Gras schon mehrfach mähen. Das Foto zeigt Bauhofmitarbeiter Steffen Rimbach bei der Arbeit auf dem Spielplatz, der im Sommer wieder eröffnet werden soll.
Auf dem Spielplatz und dem Minigolfplatz der Gemeinde in Richelsdorf ist die stark arsenbelastete Erde bereits ausgetauscht. Der Bauhof musste das frische Gras schon mehrfach mähen. Das Foto zeigt Bauhofmitarbeiter Steffen Rimbach bei der Arbeit auf dem Spielplatz, der im Sommer wieder eröffnet werden soll. © René Dupont

Die Richelsdorfer ringen noch immer mit der Arsenbelastung vieler Grundstücke durch den Betrieb der Richelsdorfer Hütte, der vor über 60 Jahren eingestellt wurde. Die Sanierung rückt näher. Viele Fragen aber sind noch offen.

Richelsdorf – Jedem von der Arsenbelastung betroffenen privaten Eigentümer in Richelsdorf liegt mittlerweile ein für sein Grundstück oder seine Grundstücke zugeschnittener 150 Seiten starker Sanierungsplan vor – zumindest im Entwurf. Entschieden werden muss jetzt auch, wie die 200 000 Euro aus dem Ausgleichsstock des Landkreises auf die Eigentümer verteilt werden. Dazu Fragen und Antworten.

Wie viele Grundstückseigentümer haben sich für einen Austausch des Bodens entschieden?

17 private Grundstücke fallen unter die Kategorie I – stark belastet. Diese Flächen müssen saniert werden, um Gefahren auszuschließen. Wer den ursprünglichen Wert seines Grundstücks erhalten will, dem bleibt nur der Austausch des Bodens. Eine Alternative zum Beispiel wäre, die Umzäunung mit einem Maschendrahtzaun. Lediglich ein Eigentümer, dessen betroffene Flächen unter die Kategorie I fallen, will seinen Boden nicht austauschen lassen. Unter die Kategorie II – weniger stark belastet – fallen 18 Grundstücke. Sie können saniert werden, müssen aber nicht. In dieser Kategorie haben sich von den 13 betroffenen Eigentümern acht für den Erdaustausch entschieden.

Der Bach Weihe hat die giftige Fracht vom ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in das Dorf gespült. Auch viele angrenzende private Grundstücke sind betroffen.
Der Bach Weihe hat die giftige Fracht vom ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in das Dorf gespült. Auch viele angrenzende private Grundstücke sind betroffen. © René Dupont

Wie viel Erde wird jetzt insgesamt benötigt?

Die Gemeinde plant, den privaten Grundstückseigentümern die Austauscherde kostenlos zu stellen und an einer Sammelstelle in Richelsdorf zu lagern. Das muss die Gemeindevertretung aber noch offiziell beschließen. „Insgesamt werden 8000 Tonnen Austauscherde benötigt“, berichtet Bürgermeister Alexander Wirth. Die Austauschtiefe beträgt einen halben Meter. Dabei geht es um eine Fläche von etwa 10 000 Quadratmetern.

Was steht in den Sanierungsplänen?

Im Auftrag des Landes organisiert die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) die Sanierung in Richelsdorf. Gemeinsam mit einem Planungsbüro hat sie für jedes betroffene Grundstück einen Sanierungsplan erstellt – mit der Sanierungsvariante, für die sich der Eigentümer entschieden hatte. Jedem Eigentümer liegt mittlerweile der Entwurf seines Sanierungsplans vor. Bis zum 20. Mai haben die Eigentümer Zeit, das 150 Seiten starke Werk durchzuarbeiten und Fehler oder Einwände zu melden, berichtet Dirk Köhler, der Sprecher der Bürgerinitiative Arsen auf Anfrage unserer Zeitung. Die Kosten für die Erstellung der Sanierungspläne übernimmt das Land Hessen. Würde ein Eigentümer jetzt noch eine andere Variante wollen – zum Beispiel wegen befürchteter Preissteigerungen – müsste er den neuen Sanierungsplan selbst finanzieren.

Wie wird der Zuschuss vom Landkreis aufgeteilt?

Der Kreistag hat im Juli 2021 beschlossen, aus dem Kreisausgleichsstock 200 000 Euro für die Sanierung der arsenbelasteten Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Förderfähig ist allerdings nur, wer einen Bodenaustausch vornimmt und das natürlich auch nachweist, betont Bürgermeister Wirth. Nach den jetzt vorliegenden Zahlen würden dann pro Quadratmeter ausgetauschter Boden 20 Euro Zuschuss vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg kommen.

Welche Kosten bleiben am Ende an den betroffenen Eigentümern hängen?

Das lässt sich noch nicht sagen. Das Land wird unter anderem den belasteten Boden der Grundstücke der Kategorie I auf eigene Kosten zur Rückstandshalde transportieren und dort lagern. Die Betroffenen müssen unter anderem das Ausbaggern des Bodens und den Transport der alten Erde zu den bereitgestellten Containern zahlen. Außerdem muss die neue Erde auch irgendwie auf die Grundstücke kommen. Die Betroffenen können dafür gemeinsam ein Unternehmen beauftragen oder jeder für sich. Die Kosten muss so jeder dann eigenständig ermitteln. So steht es auch in den Sanierungsplänen. Bei einem Gespräch mit dem Vorstand der Bürgerinitiative hatte die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt zugesagt, sich um weitere Hilfen zu bemühen. Vor Kurzem kam ihre Rückmeldung: Das Land könne nicht mehr Unterstützung bei der Sanierung der privaten Grundstücke bieten als bisher zugesagt, berichtet Dirk Köhler.

Wo bekommt die Gemeinde die Austauscherde her?

Die Gemeinde könnte beprobte Erde aus Heringen von K+S bekommen. Das hat das Unternehmen angeboten. Die Alternative wäre, den im Gewerbegebiet Hönebach überflüssigen Mutterboden zu nutzen. Der Boden wird zurzeit beprobt, ob er geeignet ist, berichtet Bürgermeister Wirth. Wenn das Ergebnis vorliegt, soll eine Entscheidung fallen, auch über die Finanzierung. Voraussichtlich Ende Juni soll es dazu eine Sondersitzung des Parlaments geben.

Gibt es auch Kritik an den Sanierungsplänen?

Überrascht und verwundert ist die Bürgerinitiative über die Forderung, ein Vlies zwischen die alte und die neue Erde als Sicherung aufzubringen. Das allein soll schon etwa fünf Euro pro Quadratmeter kosten und von den Betroffenen bezahlt werden. „Das war so bisher nicht kommuniziert worden“, sagt der Sprecher der Initiative, Dirk Köhler. „Wenn das Land diese Sicherung fordert, soll es sie auch bezahlen.“ Um die Verteilung von Staub auf Nachbargrundstücke zu verhindern sollen auch Schutzzäune um die jeweilige Baustelle aufgestellt werden. Auch dadurch steigen die Kosten. Als sehr ungerecht empfindet es die Initiative, dass das Land die Transportkosten der Kategorie I zur Rückstandhalde voll übernimmt. Die Betroffenen der Kategorie II aber den Transport zur Sammelstelle selbst zahlen müssen.

Wie geht es für die Bürgerinitiative jetzt weiter?

Das nächste Treffen ist Anfang nächster Woche geplant. Dabei wird es um die Frage gehen, wie der Erdaustausch konkret organisiert werden soll. Außerdem soll noch einmal darüber gesprochen werden, wer wie viel Geld von den 200 000 Euro aus dem Kreisausgleichstock bekommt.

Von René Dupont

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