Eine Praxis an zwei Orten

Die Arzt-Brüder Rühlmann stellen langfristig die Hausarztversorgung in Ronshausen sicher

Sind bald als überörtliche Gemeinschaftspraxis für die Patienten da: Dr. Stefan Rühlmann und Bruder Dr. Thomas Rühlmann werden zusammen mit Ekaterina Turowa ab April die Hausarzt-Sprechstunden in Heringen und Ronshausen gemeinsam anbieten. Unser Bild zeigt sie - von links - mit Stefanie Hoyer und Anette Bartholmai vom Praxisteam in Ronshausen. Foto: Gottbehüt

Ronshausen / Heringen. In Ronshausen gibt es eine Lösung bei der Hausarztsuche. Damit seine Patienten nicht ohne Arzt dastehen, wenn Dr. Thomas Rühlmann in vier Jahren in den Ruhestand gehen möchte, hatte er sich gemeinsam mit der Gemeinde schon frühzeitig auf die Suche nach einem Nachfolger begeben.

Lange ohne Erfolg – doch nun gibt es eine Lösung: Gemeinsam mit seinem Bruder Dr. Stefan Rühlmann, der eine Hausarztpraxis in Heringen betreibt, und der frisch gebackenen Fachärztin für Allgemeinmedizin, Ekaterina Turowa, wird der 65-Jährige eine sogenannte überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG) eingehen.

Die neue Gemeinschaftspraxis wird im April starten. Der Zulassungsausschuss der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen hat dies Ende Februar genehmigt. Möglich geworden ist dies, weil die Brüder Rühlmann für Ekaterina Turowa einen freien halben Arztsitz des aus Altersgründen ausgeschiedenen Bebraer Mediziners Dr. Ulrich Kamprath übernehmen durften. „Ein glücklicher Umstand“, wie Stefan Rühlmann sagt.

Aus Minsk nach Heringen

Turowa, die aus Minsk in Weißrussland stammt und mit ihrem Mann und ihrem dreijährigen Sohn inzwischen in Heringen heimisch geworden ist, hat in den vergangenen zwei Jahren bereits dort in der Praxis mitgearbeitet. „Obwohl ich zuvor in meiner Heimat bereits fünf Jahre als Ärztin gearbeitet habe, musste ich hier erstmal eine Gleichwertigkeitsprüfung absolvieren“, erklärt die 32-Jährige. Das war vor einem Jahr und musste sein, weil Weißrussland ja nicht zum EU-Ausland gehört.

Inzwischen hat sie Mitte Februar auch die Prüfung zur Fachärztin bestanden. Um zu dieser Prüfung zugelassen zu werden, waren die zwei Jahre Weiterbildung in Heringen nötig. Nun freut sich die Medizinerin darauf, ab April auch die Patienten in Ronshausen mit zu betreuen. Und auch Stefan Rühlmann ist glücklich: „Ich freue mich, als gebürtiger Ronshäuser nun auch in meinem Heimatort arbeiten zu können“, sagt der 57-Jährige. Durch den Praxisverbund wird er in sein Elternhaus als Wirkungsstätte zurückkehren. Denn die Praxis am Aueweg 35 ist ein Traditionsstandort – bereits der Vater der Brüder Rühlmann hat sie an dieser Stelle über 30 Jahre lang betrieben.

Angebote ausweiten

Ziel des Zusammenschlusses ist neben der Ausweitung der Angebote – Heringer Patienten können beispielsweise von Thomas Rühlmann künftig Akupunktur-Behandlung erhalten, die Ronshäuser von Bruder Stefan einen Belastungs-EKG – dass es keine längeren Praxis-Pausenzeiten geben wird. „Mindestens an einem Standort werden wir immer erreichbar und offen sein“, sagt Thomas Rühlmann. Und mit der nun gefundenen Lösung sei langfristig gesichert, „dass wir bei meinem Ausscheiden in Ronshausen jemanden haben, der die Versorgung der Patienten übernimmt“.

Das freut auch Ronshausens Bürgermeister Markus Becker. „Ich danke allen, die daran mitgewirkt haben und besonders den Brüdern Rühlmann für ihr Engagement“, sagt Becker. Ein Jahr Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung waren dazu nötig. „Jetzt sind wir froh, dass der Arztsitz in Ronshausen langfristig erhalten bleibt“, sagt der Bürgermeister.

Von Peter Gottbehüt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.