Kabarett Herkuleskeule nimmt Bankenpleite und Schönheitswahn aufs Korn

Atem stockt vor Lachen

Herkuleskeule: Mit „Budenzauber“ lieferte das Trio (von links) Birgit Schaller, Erik Lehmann und Rainer Bursche einen rasenden Wechsel zwischen kabarettistischen Pointen und lebensphilosophischen betrachtungen. Foto: Kanngieser

Rotenburg. So viel pessimistische Ekstase löste Freude aus: Die Herkuleskeule aus Dresden begeisterte im Dr.-Durstewitzsaal in Rotenburg mit ihrem Programm „Budenzauber“.

Möglich machte das zweistündige Kabarett Klaus Döll, der mit der Kulturinitiative „Gemeinsam Lachen“ unterwegs ist, um den Deutschen in Ost und West das stetige Zusammenwachsen mit einem Lächeln auf den Lippen leichter zu machen. Dafür holt er seit 16 Jahren Künstler von Ost nach West und umgekehrt. Die Herkuleskeule gehört zu den Döllschen Favoriten – und das zu Recht. Denn auch mit „Budenzauber“ lieferte das Trio Birgit Schaller, Rainer Bursche und Erik Lehmann einen rasenden, ironisch-selbstirionischen Wechsel zwischen kabarettistischen Pointen und lebensphilosophischen Betrachtungen. Intelligent und tiefsinnig gelang es, ein tiefschwarzes Gesellschaftsbild der Pfründesicherer und Jammerlappen zu zeichnen.

Jeder bekam sein Fett weg – Politiker und Banker vorneweg, die Volksmusik samt Florian Silbereisen, die katholische Kirche und natürlich auch die Gesellschaft in Gänze. Die Wirtschaft liegt darnieder, das Unternehmen wird geschlossen, das Gebäude wird gesprengt. Und jetzt ist Einfallsreichtum angesagt. Birgit Schaller als ehemalige Reinigungskraft und Rainer Bursche als ehemaliger Pförtner schließen die Tür zuletzt und müssen mit ansehen, wie dynamische Jungunternehmer, Banker und Erotik-Zuhälter (alle genial dargestellt von Erik Lehmann) diese Lücke schließen wollen. Zwei Stunden zwerchfellerschütterndes Kabarett. Frisch, frech und stimmgewaltig, oftmals aber auch fast atemstockende Betroffenheit auslösend, rückten sie neben Bankenpleite auch dem Schönheitswahn zu Leibe.

„Motiviert gugge“

Souverän in Text, Schauspiel, Bühnenpräsenz und Biss war immer wieder Erik Lehmann. Wenn er in feinstem Sächsisch von seiner Frau, der Moni, erzählte, „die einen Kautsch hat“, damit sie beim Bewerbungsgespräch weiß, wie „motiviert gugge“ geht, dann blieb wirklich kein Auge trocken. (zwk)

DARÜBER LACHTE ...

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