Er dachte sich stets was Neues aus

Mit Bibel, iPad und vielen Ideen: Atzelrodes Lektor Krause wird verabschiedet

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Heimat eines durch viele Umzüge in gewisser Weise „Heimatlosen“: Lektor Hans-Werner Krause vor dem mit einem geklöppelten Kreuz geschmückten Altar der Kirche zu Atzelrode. 

Hans-Werner Krause wird am Sonntag um 10 Uhr im Kirchlein zu Atzelrode nach 18 Jahren ehrenamtlichem Lektorendienst in den Ruhestand verabschiedet.

Pilgern scheint jung zu erhalten. Körperlich, geistig und geistlich. Das sieht man an Krause.

Als der gelernte Schutzmann und spätere Dienstgruppenleiter bei der Polizeistation Rotenburg 1998 beruflich „Das war’s!“ sagen durfte, war er Stadtverordneter, Kirchenvorsteher, Mitbegründer des Kirchenchors und aktives Mitglied des Männergesangvereins Braach. Da er von Kindheit an, von den Großeltern im Glauben geprägt und bestärkt, gerne in die Kirche gegangen ist, mit Freude gesungen und mit Menschen zu tun gehabt hat, traf er in vergleichsweise hohem Alter die fast schon naheliegende Entscheidung, sich zum Lektor ausbilden zu lassen.

Schnell entdeckte er nach seiner offiziellen Einführung in der Kirche zu Braach seine Liebe zu dem kleinen Gotteshaus und zu den Menschen von Atzelrode, für die er über Jahre hinweg fast immer am ersten Sonntag eines jeden Monats um 10 Uhr oder am Heiligen Abend Gottesdienst gehalten hat. Oft dachte er sich etwas Besonderes, Frisches aus. Da war schon mal ein Trompeter zu Gast, oder ein Saxophonist oder ein Trommler, oder eine Marionettenspielgruppe, sodass die Gottesdienstbesucher gerne noch ein bisschen länger blieben und auch immer gerne zusammen mit ihm Kirchenkaffee tranken. Ihm eigen war und ist bis heute, dass er den von ihm fertig ausgearbeiteten Gottesdienst „im iPad“ mit auf die Kanzel nimmt und dort nicht vom Blatt „abliest“, sondern „herunterscrollt“. Auf diese Art kann er auch ganz aktuell Ergänzungen vornehmen. Ein besonders schönes Kompliment, das ihm mal jemand beim Verabschieden gemacht hat, war die Aussage: „Sie haben mein Leben verändert!“ Das hat Krause bewegt. Ähnlich ergeht es ihm, wenn er an „seine“ Kinder in Uganda denkt, denen er, vermittelt vom Großalmeroder Missionswerk Frohe Botschaft und „abgesegnet“ von seiner Ehefrau Hannelore, allmonatlich Schulgeld zukommen lässt.

Ansonsten setzt er sich vor Ort für Flüchtlinge und als Fahrer der Bebraer Tafel dafür ein, dass bedürftige Menschen günstig Lebensmittel erwerben können. Bei Gelegenheit schauspielert er bei der Laienspielgruppe Braach-Baumbach-Rotenburg, und einmal im Jahr pilgert er. Seit seiner Pensionierung. „Das gehört jetzt für mich zum Leben dazu, da tanke ich eine Woche Gottes Wort und Kraft!“

Die, die bei ihm in Atzelrode Gottesdienste mitgefeiert haben, haben es immer gespürt.

Was darf ein Lektor?

Lektor bedeutet „Leser“. Lektoren sind als Mitglieder der Kirchengemeinde, die ehrenamtlich die Verkündigung des Evangeliums übernehmen: An Stelle von Pfarrern halten sie „richtigen“ Gottesdienst. Lektor kann jedes getaufte und konfirmierte Gemeindemitglied werden, das den Bekenntnissen der evangelischen Kirche zustimmt, am Gemeindeleben teilnimmt und mindestens 16 Jahre alt ist. Zu den weiteren Voraussetzungen zählen die Bereitschaft, mit fertigen Gottesdienstentwürfen zu arbeiten, an einem Ausbildungskurs und Fortbildungen teilzunehmen, und eine Gabe für die Verkündigung des Evangeliums zu haben. Im Bereich der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gibt es rund 800 Lektorinnen und Lektoren, die in einem besonderen Gottesdienst in ihr Amt eingeführt und üblicherweise auch verabschiedet werden.

Zur Person

Hans-Werner Krause wurde am 27. September 1938 in Dingelstädt/Eichsfeld geboren. Nach Umzügen nach Sontra, Hannoversch-Münden, Frankenberg, Bad Hersfeld und Eschwege durchlief er in Wiesbaden die Ausbildung für den mittleren Polizeidienst. Seine Stationen waren Frankfurt, Mühlheim/Main und Rotenburg. Hans-Werner Krause steuert mit seiner Frau Hannelore auf die Goldene Hochzeit zu. Das Paar hat zwei Kinder und vier Enkel

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