Aufregung um Sperrstunde in Bad Hersfeld: Ordnungsamt mahnt Wirte

Draußen-Bier nur im Hellen: Nach zehn Uhr abends soll vor den Kneipen Ruhe herrschen. Foto:  Archiv

Bad Hersfeld. Die Diskussionen um die Kneipenabende in Bad Hersfeld schlagen hohe Wellen in der virtuellen Welt. „Sollen wir jetzt eine komplette Rentnerstadt werden?“ oder „Rein mit den Rentnern, raus mit der Jugend“ lauten nur einige der Kommentare auf der Internetplattform Facebook.

Grund für die Aufregung ist ein Mahnschreiben des Ordnungsamtes Bad Hersfeld, das die Wirte rund um den Linggplatz an die Sperrstunde für Außengastronomie um 22 Uhr erinnert. An den vergangenen warmen Sommerabenden mussten deshalb viele Hersfelder Nachtschwärmer mit ihrem Bier nach drinnen umziehen.

Anders als im Internet gemutmaßt ist die Gästewanderung nach zehn aber keine neue Regelung. In den vergangenen Wochen haben sich lediglich so viele Anwohner über nächtlichen Lärm beschwert, dass sich die Stadt zum Eingreifen gezwungen sah. „Wir werden weiter kontrollieren, dass die Nachtruhe eingehalten wird“, sagt Werner Steidel, Leiter des Fachbereiches Bürgerdienste. Wenn auf den Lokal-Terrassen wiederholt zu laute Draußensitzer erwischt werden, droht den Wirten Bußgeld bis zu 2000 Euro.

„Das ist eine Strafe für ganz Bad Hersfeld“, empört sich Hartmut Mänz, Besitzer des News Cafés am Linggplatz. Seit vergangener Woche lässt der Gastronom um 22 Uhr seine Draußen-Tische räumen. „Ich muss ja, sonst wird es richtig teuer“, sagt er.

Auch Peter Heck, Betreiber des Sportlerecks und der Festspielkantine, hat Post vom Ordnungsamt bekommen und soll Bußgeld bezahlen. Daraufhin wird ab 22 Uhr auch vor dem Sportlereck nicht mehr ausgeschenkt. „Ich sehe das Ganze recht gelassen und kann auch die Anwohner verstehen“, sagt Peter Heck. „Aber wir müssen uns entscheiden, was wir für eine Stadt haben wollen: eine belebte oder eine tote.“

Warum sich die Beschwerden über die nächtliche Lautstärke gehäuft haben, kann Manfred Steidel vom Ordnungsamt nicht beantworten. Er bestreitet jedoch, dass einzelne Veranstaltungen - wie eine ziemlich geräuschvolle Abi-Party in der Havana-Bar am Marktplatz - für die Verschärfung verantwortlich ist. „Die Anwohner sind immer weniger bereit, Ruhestörungen hinzunehmen“, sagt Werner Steidel. „Und darauf müssen wir eben reagieren.“

Hinnehmen wollen die Versetzung nach drinnen aber auch viele Kneipengänger nicht. Im Internet hat sich bereits der Begriff „Hersfeld 22" etabliert, eine nur halb geglückte Anspielung auf das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21.

Auch der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling äußert sich zu dem Thema auf Facebook. „Die Gesetze sind wie sie sind“, schreibt er. „Die Stadt bewegt sich am Maximum dessen, was zu genehmigen ist.“ Fehling appelliert an alle erhitzten Gemüter, die Regelung zu akzeptieren. Nur wenn die Ruhe nach 22 Uhr gut funktioniere, könne man irgendwann wieder großzügiger werden. „Erst nachdenken, dann laut werden“, rät er. Bei einer Diskussion, die sich um Ruhestörung dreht, vielleicht keine schlechte Idee.

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