Gedenkfeier für Adam von Trott zu Solz am 20. Juli mit Professor Dr. Peter Brandt

Aufstand des Gewissens

Gedenkfeier am Trottenkreuz: Viele Menschen hörten die Gedenkrede von Professor Dr. Peter Brandt am Trottenkreuz in Imshausen über die Aufarbeitung des Nationalsozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute. Gekommen waren auch Angehörige der Familie von Trott: Adam von Trott, Verena und Adam Onken von Trott sowie Clarita und Urs Müller-Plantenberg. Fotos: Vöckel

Imshausen. „Es war ein Aufstand des Gewissens und nicht einer aristokratischen Clique“ – das sagte Professor Dr. Peter Brandt bei der Gedenkfeier für Adam von Trott zu Solz und seine Freunde am Trottenkreuz in Imshausen. Er sei den Menschen des Attentats vom 20. Juli 1944 auf Hitler dankbar für ihren Widerstand gegen Diktatur und Willkür. Ihren Einsatz hätten sie mit dem Leben bezahlt.

In seiner Gedenkrede befasste Brandt sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Masse der Mitläufer und selbst Unbelastete hätten nach 1945 mit Abwehr reagiert, wenn sie sich von den Siegern des Zweiten Weltkrieges kollektiv auf die Anklagebank gesetzt fühlten, sagte Brandt. Dabei habe es eine offizielle alliierte These von der Kollektivschuld des deutschen Volkes nicht gegeben.

Die Deutschen neigten dazu, ihr Volk als erstes Opfer einer bewusst nie gewollten Zwangsherrschaft zu sehen. Der Genozid an den Juden, Sinti und Roma sei als Vorgang wohl nie übersehen worden, verschwand laut Brandt aber fast im umfassenden Begriff der Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft.

Volles Ausmaß erfassen

Der deutsche Widerstand während der Nazidiktatur sei nach dem Krieg nicht sehr populär gewesen, habe er doch Fragen nach dem eigenen Verhalten provoziert. Für die Masse des Volkes sei es erst mit der Zeit möglich gewesen, das volle Ausmaß des Geschehenen zu erfassen. Und das habe nicht nur für Deutschland gegolten.

Beeinflusst sei die Aufarbeitung der Vergangenheit durch viele Faktoren gewesen. Brandt zählte dazu die Nürnberger Prozesse, die Entnazifizierung und den sich zuspitzenden Ost-West-Konflikt, ferner die Haltung der Nachkriegspolitiker, den Aufbau der Bundeswehr und die Frankfurter Auschwitzprozesse, aber auch die Studentenrevolten der späten 60er-Jahre, den Eichmann-Prozess in Jerusalem und die Fernsehserie Holocaust auf. Die komplette Rede von Professor Dr. Peter Brandt wird im Internetportal der Stiftung „Adam von Trott“ unter www.stiftung-adam-von-trott.de veröffentlicht.

Den Gedenkredner Dr. Peter Brandt hatte zuvor Ralf Hilmes vom SPD-Unterkreis Rotenburg als kritischen Zeitgeist und Zeitzeugen den Besuchern der Gedenkfeier vorgestellt. Hilmes legte zusammen mit den Landtagsabgeordneten Dieter Franz am Gedenkstein von Adam von Trott zu Solz einen Kranz nieder. Die vielen Besucher der Gedenkfeier, darunter Politiker mehrerer Parteien, begrüßten auch Professor Dr. Roland Mertes und Geschäftsführerin Ute Janßen von der Stiftung Adam von Trott.

Stellenwert von Erinnerungen

Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Blechsatz der Big-Band Landeck, in der auch zwei Lehrer der Adam-von-Trott-Schule in Sontra mitspielen. Die Bildungseinrichtung in der Bergstadt ist die Partnerschule der Stiftung Adam von Trott. Schüler dieser Schule diskutierten im Anschluss mit den Gästen im Herrenhaus in Imshausen über den Stellenwert von Erinnerungen für die Gegenwart. Die Gedenkfeier am Trottenkreuz wurde gemeinsam vom SPD-Unterkreis Rotenburg und die Stiftung Adam von Trott ausgerichtet.

Hintergrund

Von Herbert Vöckel

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