Gemeinde sucht Nachfolger

Geschlossen: Aus für Café, Restaurant und Hotelbetrieb im Kloster Cornberg

Die Tür zum Kloster Cornberg ist seit Anfang des Monats geschlossen. Otto Germeroth und die Angestellten bereiten derzeit die Übergabe der Räumlichkeiten an die Gemeinde vor.
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Die Tür zum Kloster Cornberg ist seit Anfang des Monats geschlossen. Otto Germeroth und die Angestellten bereiten derzeit die Übergabe der Räumlichkeiten an die Gemeinde vor.

Im Kloster Cornberg gibt es ab sofort keinen Café-, Restaurant- und Hotelbetrieb mehr. Der Pächter hatte - vor allem wegen Corona - keine Wahl.

Cornberg - Die Gemeinde Cornberg muss sich einen neuen Pächter für das Café und den Restaurant- und Hotelbetrieb im Kloster suchen. Die Pächterfamilie Germeroth hat den Vertrag mit der Gemeinde zum 30. September gekündigt.

„Wir wollten altersbedingt ohnehin nicht mehr lange machen, aber nun blieb uns vor allem wegen Corona keine Wahl mehr“, sagt der 72-jährige Otto Germeroth. Seit März seien 60 bis 70 Veranstaltungen abgesagt worden – das war stets die Haupteinnahmequelle, auch wenn die 19 Gästezimmer ebenso von Radfahrern, Touristen und Montage-Arbeitern nachgefragt wurden und am Wochenende das Café meist gut besucht war.

Zwei Hochzeiten parallel

„Das Tolle am Kloster ist, dass man hier mit 150 Personen in der Kirche, zwei Veranstaltungsräumen für 80 und 40 Personen und der Gaststätte für 80 Personen viele Möglichkeiten für große Feiern hat. Wir hatten hier auch schon zwei Hochzeiten parallel“, sagt Germeroth. Er und das Team trennen sich nur schweren Herzens vom Kloster. Mit seiner Frau begann Germeroth, der mit 52 Jahren bei der Bundesbahn in Rente geschickt wurde, vor 20 Jahren als Quereinsteiger in der Gastronomie. Zuerst ein Café am Wasserturm in Bebra, dann der Hof Guttels, später der Gasthof Immensee bei Ronshausen, bis der 2014 zur Flüchtlingsunterkunft wurde.

Germeroths wussten, dass man in Cornberg schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Pächter war und kannten Bürgermeister Achim Großkurth, und so zogen sie im Sommer 2014 mit ihrem Betrieb ins Kloster ein. Dazu gehören bereits seit der Guttels-Zeit die selben vier fest Angestellten, die für Germeroths Teil der Familie sind, und ein etabliertes Team von Aushilfen für größere Feiern. Seit Anfang des Jahres war auch Germeroths Sohn stark in das Tagesgeschäft eingebunden, unter anderem in die Kommunikation mit Behörden bezüglich der Corona-Hygienevorgaben.

Das Kloster Cornberg strahlt mit seinem historischen Ambiente eine besonderen Charme aus.

„Das Kloster hat mit den historischen Gebäuden einen einzigartigen Charme, den ich sehr vermissen werde – genauso wie das Zusammensein mit unseren Angestellten und den Kontakt zu den vielen Menschen, die bei uns gegessen, übernachtet und gefeiert haben. Oder auch zu den Leuten von der Kulturbühne“, sagt der 72-Jährige. Seine Frau, die schon immer eine kreative Ader hatte, schmückte das Kloster-Ambiente liebevoll weiter aus, Germeroth selbst legte zum Beispiel den Garten vor dem Kloster an.

„Es muss wieder investiert werden“

Otto Germeroth wünscht sich, dass möglichst rasch ein neuer Pächter gefunden wird und Leben in das Kloster zurückkehrt, auch wenn das während der Corona-Pandemie natürlich schwierig sei. Damit es auch in Zukunft Gastronomie im Kloster gibt, müsste laut Germeroth aber mal wieder investiert werden. „Wenn etwas renoviert werden musste, war das immer etwas schwierig“, sagt der 72-Jährige. Zwar sei der Draht ins Rathaus immer gut gewesen, doch die Gemeinde ist selbst nur Pächter. Besitzer ist das Land Hessen. „Da haben die Ansprechpartner in den vergangenen Jahren mehrfach gewechselt – da muss mehr passieren“, sagt er.

Die Gemeinde Cornberg ist noch bis 2024 an den Pachtvertrag mit dem Land gebunden, bestätigt Bürgermeister Großkurth. Er bedauert sehr, dass Germeroths nun nicht mehr da sind. „Sie waren immer sehr angenehm und menschlich. Das wird uns fehlen“, sagt Großkurth. (Christopher Ziermann)

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