Bürgermeister im Kreis sind über Gesetzesänderung verärgert

Austritt aus der Kirche ab jetzt im Rathaus

Hersfeld-Rotenburg. Wer aus seiner Kirche oder Glaubensgemeinschaft austreten möchte, muss dafür seit Anfang März nicht mehr zum Amtsgericht. Durch eine Gesetzesänderung des hessischen Landtags ist ab sofort die Stadt- oder Gemeindeverwaltung am Wohnort zuständig.

Das Verfahren wird damit einfacher, aber auch etwas teurer. Statt 25 Euro werden jetzt 30 Euro erhoben.

Dass nun die Städte und Gemeinden den Kirchenaustritt abwickeln müssen, ärgert einige Bürgermeister im Kreis. Für die Mehrarbeit dürfen die Kommunen die 30 Euro Verwaltungsgebühr pro Austritt behalten, einen weiteren Kostenausgleich gibt es nicht. „Jetzt sollen wir uns darum kümmern, kriegen dafür aber nichts“, sagt Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke.

Einfach so bestimmt

Auch Stefan Gensler, Bürgermeister von Schenklengsfeld, ist mit der neuen Praxis nicht einverstanden. „Es wurde einfach so bestimmt“, sagt er. Bürgermeister Daniel Iliev aus Heringen sieht die Änderung weniger kritisch. Der Aufwand sei überschaubar. Im Gegensatz zu den Bürgermeistern haben die Kirchen des Kreises keine Einwände gegen die neue Regelung. Sie rechnen nicht mit mehr Austritten.

Für den Kirchenaustritt war bisher das Amtsgericht in Bad Hersfeld für den Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig. Im Jahr 2016 zählte es 429 Austritte, die sich mit 350 auf die evangelische und 79 auf die katholische Kirche verteilten. Im Jahr 2015 waren es 495 Kirchenaustritte. Einen Höchststand verzeichnete man im Jahr 2014. Damals traten 700 Menschen aus der Kirche aus.

 Dr. Rolf Schwarz, stellvertretender Direktor und Pressesprecher des Amtsgerichts Bad Hersfeld, vermutet, dass die hohe Zahl an Austritten 2014 mit dem Skandal um den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu tun hat: „Immer wenn Kirchenskandale bekannt werden, steigt die Zahl der Austritte.“

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