Feurige Eifersucht: Ein Jahr und drei Monate Haft für 23-Jährigen

Hersfeld-Rotenburg. Als „On-Off-Beziehung“ bezeichnete Staatsanwältin Christina Dern das äußerst wechselhafte Liebesverhältnis eines 23 Jahre alten Mannes aus dem Kreisgebiet zu einer bedeutend älteren Frau. Als im Oktober vergangenen Jahres mal wieder alles „off“, also „aus“ war, fackelte der junge Mann aus Wut kurzerhand das Auto der Freundin ab.

Wegen Brandstiftung verurteilte ihn das Schöffengericht Bad Hersfeld dafür gestern zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe.

Die verkürzte Darstellung wird den Ereignissen der Nacht Ende des vergangenen Jahres allerdings nicht gerecht. Denn dahinter steckte eine „traurige Geschichte“ - so Richter Michael Krusche in der Urteilsbegründung. Der geständige Angeklagte wuchs nämlich in problematischen Verhältnissen bei Tante und Oma auf, geriet schon als Teenager mit Drogen in Kontakt, wurde bereits mehrfach straffällig und scheint erst in letzter Zeit - wohl auch unter dem Eindruck der Untersuchungshaft - wieder ein wenig Fuß zu fassen.

Vor drei Jahren lernte er eine wesentlich ältere Frau kennen, seine „erste große Liebe“. Die Beziehung verlief von Beginn an problematisch. Streit war an der Tagesordnung, so dass man sich einige Male trennte, aber wieder zueinander fand. Ursächlich waren dafür wohl der anhaltende Drogenkonsum des berufs- und arbeitslosen Mannes wie auch dessen mit einem gewissen Kontrollzwang einhergehende Eifersucht.

„Ich habe ihn nie betrogen“, versicherte die Ex-Freundin gestern vor Gericht, nur in Zeiten der Trennung habe sie auch andere Männer gehabt. An der Treue der Geliebten hatte der Angeklagte jedoch immer Zweifel, zum Teil genährt durch Bekannte, die ihm berichteten, mit wem die Freundin „wieder rumgemacht“ habe.

Am Tag vor der Tat war eigentlich verabredet, dass die Frau den Freund am nächsten Morgen zum Antritt einer Drogentherapie nach Südhessen fahren wollte. Weil die Frau an diesem Tag unvorhergesehen länger arbeiten musste und der 23-Jährige bereits Wodka und Drogen konsumiert hatte, verliefen die Telefonate zwischen beiden unerfreulich.

Dann entdeckte er ihren alten Wagen auf einem Parkplatz fernab der Wohnung und mutmaßte deshalb, die Geliebte hätte ihn am Telefon über die Überstunden belogen und sei in Wirklichkeit mit einem anderen Mann zusammen. Ein weiterer Anruf endete im Streit.

Am frühen Morgen habe er sich bei der Freundin entschuldigen wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Weil ihr Handy abgeschaltet gewesen sei, habe er sich auf den Weg zu ihrer Wohnung gemacht. Dort angekommen, sah er Licht im Wohnzimmer und suchte sich auf der Treppe des Nachbarhauses eine Position, die einen Blick durchs Fenster erlaubte. Da will der 23-Jährige die entblößte Freundin beim Liebesspiel mit einem anderen Mann auf der Couch gesehen haben - was die Zeugin bei ihrer Vernehmung allerdings vehement bestritt.

Wütend und gekränkt ging der Mann nach Hause, füllte aus einem Benzinkanister kleinere Flaschen ab, schnappte sich Klopapier und einen Hammer und marschierte zum Auto der Freundin. Er schlug eine Seitenscheibe ein, schüttete den Treibstoff auf den Fahrersitz und steckte den Pkw mittels benzingetränkten Papiers in Brand.

Im Nachhinein tat ihm alles furchtbar leid: Er wählte den Notruf und versprach jetzt vor Gericht die Wiedergutmachung des Schadens. (ks)

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