Amtsgericht Bad Hersfeld

Bombenleger gesteht Sprengung von Zigarettenautomaten - Er hatte Schulden bei seinem Dealer

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Zu einer Freiheitsstrafe hat das Schöffengericht Bad Hersfeld jetzt einen 29-Jährigen verurteilt, der Zigarettenautomaten in die Luft gesprengt hatte.

Wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und Beihilfe zum besonders schweren Diebstahl in jeweils zwei Fällen verurteilte das Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld einen 29 Jahre alten Mann aus Dankmarshausen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Angeklagte hat mit Komplizen Zigarettenautomaten gesprengt und komplett zerstört

Der Arbeiter hatte mittels selbst gebastelter Rohrbomben und mithilfe von mindestens zwei Komplizen im Dezember 2016 und im Januar 2017 in Heringen-Leimbach sowie in Nentershausen-Süß Zigarettenautomaten aus ihren Halterungen gesprengt und komplett zerstört.

Die Sprengsätze hatte der 29-Jährige aus vier sogenannten Kobra-Böllern hergestellt, die ein Kumpan illegal aus Tschechien besorgt hatte. Diese basieren auf dem Sprengstoff Kaliumperchlorat und entfalten im Vergleich zu den hier üblichen und zugelassenen Silvesterknallern eine ungleich höhere Wirkung.

Grund für die Taten: Der drogensüchtige Angeklagte hatte Schulden

Hintergrund der Taten waren Schulden, die der drogensüchtige Dankmarshäuser bei seinem Obersuhler Dealer hatte. Der Angeklagte, der vor Richterin Silvia Reidt und den beiden Schöffen rundum geständig war, konsumierte nach eigenen Angaben schon seit 13 Jahren die künstliche Droge Crystal Meth, für die er etwa alle zwei Tage 120 Euro je Gramm bezahlen musste.

Dealer hat ihm im Gegenzug für den Bombenbau einen Teilerlass der Drogenschulden versprochen

Gemeinsam mit einem weiteren jungen Mann wurden die Automaten bei nächtlichen Spazierfahrten ausgespäht, die Bomben im Ausgabefach platziert und gezündet. In beiden Fällen waren die Explosionen derart heftig, dass die Automaten meterweit durch die Luft flogen und Einzelteile auch noch über 30 Meter weiter gefunden wurden. Auch war der Knall jeweils so laut, dass Anwohner aufgeschreckt wurden und das Trio die Flucht ergriff, ohne sich um die herumliegenden Zigarettenpäckchen und das Bargeld zu kümmern.

DNA-Spuren führten die Ermittler zu dem Angeklagten

Ermittelt wurde der vorbestrafte Dankmarshäuser durch DNA-Spuren, die an den Klebeband-Resten der Eigenbau-Bomben gesichert werden konnten.

Gegen die beiden mutmaßlichen Mittäter konnte in Bad Hersfeld nicht verhandelt werden: Sie bringen offene Haftstrafen von mehr als drei Jahren mit, sodass die Strafgewalt des Amtsgerichts (bis zu vier Jahre) möglicherweise nicht ausreicht. Ein vierter Angeklagter wurde mangels Beweisen freigesprochen.

Hintergrund: Mit dem Kobra-Böller ist die Hand weg

Der Sprengstoff-Experte von der Kripo Bad Hersfeld schilderte anschaulich, wie groß die Gefahr der verwendeten Böller ist: Wer einen gewöhnlichen Kanonenschlag, der meist auf Schwarzpulver basiert, versehentlich in der Hand zündet, muss mit Verbrennungen rechnen. Wer aber einen illegalen Kobra-Böller in der Hand explodieren lässt, der hat danach keine Hand mehr.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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