1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Bad Hersfeld arbeitet an zukunftsfähigem Verkehrskonzept

Erstellt:

Kommentare

Die Entscheidung der Bahn AG für die ICE-Trasse durch Bad Hersfeld sei auch eine „Weichenstellung“ für die Mobilität der Zukunft in der Kreisstadt und der ganzen Region, sagt Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling.
Die Entscheidung der Bahn AG für die ICE-Trasse durch Bad Hersfeld sei auch eine „Weichenstellung“ für die Mobilität der Zukunft in der Kreisstadt und der ganzen Region, sagt Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling. © Karl Schönholtz/Archiv

In Bad Hersfeld wird zurzeit ein Masterplan Mobilität erarbeitet, der die Grundlage für das Verkehrskonzept der nächsten Jahrzehnte bilden soll.

Bad Hersfeld – Mit Blick auf die neue Schnellbahntrasse mit ICE-Halt in Bad Hersfeld, dem Autobahnausbau an der A4, der Erweiterung des Klinikums und der notwendigen Erneuerung der Hochbrücke biete sich jetzt eine einmalige Chance, neue Mobilitätskonzepte für Bad Hersfeld zu entwickeln, sagten am Dienstag übereinstimmend Verkehrs- und Mobilitätsexperten bei einem Workshop in der Stadthalle.

„Frei und offen denken“

Daran nahmen rund 50 Fachleute, Vertreter von Stadtverwaltung und -politik, sowie von Bürgerinitiativen und Interessengruppen teil. „Das Verkehrskonzept für Bad Hersfeld stammt aus den 1960er-Jahren, diese Strukturen werden heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht“, sagte Bürgermeister Thomas Fehling. Die Entscheidung der Bahn AG für die Trasse durch Bad Hersfeld sei gleichsam auch eine „Weichenstellung“ für die Mobilität der Zukunft in der Kreisstadt und der ganzen Region. Er bat eindringlich darum, das Thema „mit Mut frei und offen zu denken.“

Eine einmalige Chance

Der Projektleiter, Dr. Michael Walter, betonte, es gebe jetzt die einmalige Chance, Bad Hersfeld von einer „autogerechten in eine lebenswerte Stadt zu verwandeln“. Deshalb waren zu dem Workshop Experten wie Prof. Dr. Eberhard Kurz, Verkehrs- und Tourismusexperte von der Hochschule Worms, Vertreter des Fahrdienstleisters Uber, der Deutschen Bahn, aber auch der Dromos GmbH für selbstfahrende Fahrzeuge und des Seilbahn-Anbieters Doppelmayr geladen. Gerade die Dromos-GmbH hatte in den vergangenen Wochen viele Schlagzeilen gemacht. Geschäftsführer Dr. Martin Dürr warb dennoch selbstbewusst dafür, jetzt nicht nur für die nächsten zwei, sondern visionär für 50 Jahre zu denken. „Man kann die Verkehrsprobleme Bad Hersfeld nicht mit marginalen Maßnahmen lösen, sondern es geht um Generationen-Entscheidungen und Chancen“. Fehler, die jetzt gemacht werden, würden die Stadt in ein paar Jahren unweigerlich einholen, warnte Dürr eindringlich.

Das Verkehrskonzept scheint zum beherrschenden Wahlkampfthema in Bad Hersfeld zu werden. Angesichts explodierender Energiepreise und hochgesteckten Klimazielen wurde bereits über Seilbahnen und eine Verschiebung des Hochbrückenausbaus diskutiert.

Selbstfahrende Fahrzeuge großes Thema

Doch die Diskussion über einen sogenannten Masterplan Mobilität hat viel früher begonnen. Am Dienstag, 10. Mai, trafen sich bereits zum dritten Mal Experten und Vertreter der Stadt, um über Konzepte zu diskutieren. Vor allem die von Bürgermeister Fehling und seinen Amtskollegen im Werratal favorisierten selbstfahrenden Fahrzeuge sind derzeit in aller Munde. Der Geschäftsführer der Dromos GmbH, Dr. Martin Dürr, nutze die Chance, um Zweifel zu zerstreuen und sich als Vertreter einer visionären Mobilität der Zukunft durchaus selbstbewusst zu präsentieren. „Wir wollen uns nicht aus Verzweiflung in Bad Hersfeld engagieren, sondern aus Überzeugung.“ Derzeit werde seine Firma mit Anfragen überhäuft, sagte Dürr.

Demo-Strecke im Schildepark

Er bekräftigte gegenüber unserer Zeitung, dass noch in diesem Sommer, die Arbeiten für eine Demonstrationsstrecke im Schilde-Park aufgebaut werden soll. Die notwendige Werkstatt soll in den ehemaligen Räumen der überbetrieblichen Lehrwerkstatt neben dem „wortreich“ untergebracht werden. Die entsprechenden Verträge würden zurzeit vorbereitet, sagte Dürr. Er sei überzeugt, dass das Dromos-Projekt helfen könne, die Herausforderungen von Bad Hersfeld, wie etwa die Anbindung des erweiterten Klinikums oder eine Verbindung ins Werratal zu meistern. „Auf der Teststrecke können sich alle durch Erleben, sehen und anfassen überzeugen lassen“, versprach Dürr.

Chance für Seilbahnen

Und auch für Seilbahnen, wie sie der CDU-Bürgermeisterkandidat Karsten Backhaus in Gespräch gebracht hatte und dafür vielfach belächelt wurde, gebe es durchaus Chanchen in Bad Hersfeld, erklärte Wolfram Auer, von dem weltweit tätigen Seilbahn-Hersteller Doppelmayr. Seilbahnen seien zwar nicht als alleiniges Transportmittel geeignet, wohl aber im Verbund mit anderen Konzepten, zumal sie nachhaltig operieren und „keine neuen Brücken und Tunnel brauchen.“ (Von Kai A. Struthoff)

Region rückt ans Rhein-Main-Gebiet

Mit der neuen Schnellbahntrasse und dem ICE-Halt in Bad Hersfeld soll die Fahrtzeit nach Frankfurt nur noch etwa 50 Minuten betragen. „Dadurch werden die Stadt und Region deutlich aufgewertet“, betonte Jochen Stüting. Projektleiter bei der DB-Netz AG. Er sprach von einem wirtschaftlichen „Fulda-Effekt“, weil die Nachbarstadt bereits seit Längerem von der guten Verkehrsanbindung profitiert und deshalb auch wirtschaftlich attraktiv und stark ist. (kai)

Auch interessant

Kommentare