1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

13 Euro für ein Autogramm von Thomas Fehling

Erstellt:

Von: Sebastian Schaffner

Kommentare

 Thomas Fehling hat offenbar zu Beginn seiner Amtszeit Autogrammkarten von sich drucken lassen.
Kennt man sonst nur von Sportstars und anderen Promis, doch auch Thomas Fehling hat offenbar zu Beginn seiner Amtszeit Autogrammkarten von sich drucken lassen. © Screenshot: ebay.de/manuelvenator/Wimbauer Buchversand/nh

Bei der Auktionsplattform Ebay gibt es für 13 Euro eine handsignierte Autogrammkarte von Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling zu kaufen. Wir haben nachgefragt, wie es dazu kam.

Bad Hersfeld – Goethe soll einmal gesagt haben: „Sammler sind glückliche Menschen“. Er musste es wissen, immerhin hat er selbst alles Mögliche gesammelt: Mineralien, Bücher, Handzeichnungen. Heute, 190 Jahre nach Goethe, hat die Autogrammkarte unter zeitgenössischen Sammlern der Handzeichnung den Rang abgelaufen. Bei der Auktionsplattform Ebay gibt es nun davon eine echte Kuriosität: eine signierte Autogrammkarte von Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling.

Eingestellt bei Ebay hat das „Druckfarbfoto von Thomas Fehling, bildseitig mit schwarzem Edding signiert“ Tobias Wimbauer, ein Antiquar aus dem nordrhein-westfälischen Hagen. Verkauft wird die Autogrammkarte nicht per klassischer Auktion, sondern als sogenanntes „Sofort kaufen“-Angebot. Die Preisvorstellung: 13 Euro.

Auf Nachfrage, wie er zu der Einschätzung kommt, dass 13 Euro ein angemessener Kurs für einen echten Fehling sei, teilt der 45-Jährige mit, dass sich der Preis „nach meinem Mindestpreis für Otto-Normal-Autogramme“ berechne, der bei zehn Euro plus Versand liege.

Und wie kommt ein Buchhändler aus dem Sauerland zu einer Signatur („Artikelzustand: gebraucht“) des Bad Hersfelder Bürgermeisters? „Ich kaufe ständig Sammlungen und große Konvolute auf“, sagt der Antiquar. „Das Thomas-Fehling-Autogramm stammt aus einem Konvolut von mehreren zehntausenden Politikerautogrammen.“ Der Vorbesitzer habe „eventuell auf den Aufstieg in höhere Ämter spekulierend einfach jeden Amtsträger angeschrieben und die Sammlung irgendwann an mich verkauft.“ Die Gründe, warum jemand Autogramme sammelt, seien so individuell wie die Sammler selbst, sagt der Profi: „Es gibt zum Beispiel Sammler, die alle Abgeordneten oder Minister sammeln, andere alle Bürgermeister, oder alle Schauspieler einer bestimmten Serie.“ Persönlich bekannt sei ihm der Rathauschef der Kreisstadt nicht, im Gegenteil: „Von Thomas Fehling habe ich vor dem Katalogisieren dieses Autogramms als eines von über hunderttausend anderen Autogrammen noch nie gehört.“

Im Bad Hersfelder Rathaus möchte sich auf Anfrage niemand öffentlich zur Autogrammkarte äußern. Nur so viel: Jemand, der Fehling gut kennt, vermutet, dass die Autogrammkarte aus seiner Anfangszeit als Bürgermeister stammen muss, vielleicht um 2011. Autogrammkarten – sonst eher bei Sportstars und anderen Promis zu erwarten – verteile Fehling jedenfalls nicht mehr. „Heute kennt ihn ja auch jeder.“

Der parteilose Bürgermeister, der zur Wahl am 18. September nicht noch einmal antritt, ist übrigens nicht der einzige Politiker aus dem Landkreis, von dem Händler Wimbauer Autogrammkarten hat. Auch mit dem Konterfei des heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth handelt er. Wie kurios das Geschäft mit den Signaturen mitunter ist, zeigt die Artikelbeschreibung. Darin heißt es, es seien von Roth „mehrere Exemplare mit unterschiedlichen Widmungsempfängern vorrätig“. Preisvorstellung: jeweils 15 Euro.

Warum ist Roth teurer als Fehling? „Michael Roth kostet zwei Euro mehr, weil er bis vor kurzem Staatsminister war“, erklärt Wimbauer, der auch zahlreiche Nicht-Politiker im Angebot hat, wie TV-Moderator Dieter-Thomas Heck, Schauspielerin Greta Garbo und den Schriftsteller Lew Tolstoi, für dessen Signatur der Antiquar aus dem Sauerland großzügig kalkulierte 14 000 Euro aufruft.

Auch wenn es bei Ebay eigentlich nichts gibt, was es nicht gibt – eine Autogrammkarte suchen Sammler dort vergeblich: die von Goethe. (Sebastian Schaffner)

Auch interessant

Kommentare