Gewerkschaft schlägt Alarm

17.000 Arbeitnehmern im Kreis Hersfeld-Rotenburg drohen Mini-Renten und Altersarmut

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Vielen Arbeitnehmern im Kreis droht Altersarmut.

Hersfeld-Rotenburg. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg droht Altersarmut in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Die Gewerkschaft beruft sich auf eine Renten-Analyse des Pestel-Instituts. Auch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) schlägt Alarm und fordert einen höheren Mindestlohn.

Rund 17 000 Arbeitnehmer im Kreis würden – Stand heute – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung erhalten, so die NGG. Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liege in Hersfeld-Rotenburg bei aktuell 719 Euro im Monat. Gerade wer nur einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen, teilt Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nord-Mittelhessen, mit. Selbst unter Vollzeitbeschäftigten hat laut Pestel-Institut aktuell jeder Dritte im Kreis einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren. Kampmann: „Das sind alarmierende Zahlen.“

Die Zahl armutsgefährdeter Rentner könnte sogar noch steigen, wenn die durchschnittliche Rente bis 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens fallen sollte. Dann gäbe es rund 30 000 Menschen im Kreis, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen. Kampmann sieht neben dem Staat auch die Arbeitgeber in der Pflicht. „Sie müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun.“

Zuvor hatte auch die IG Bau den Niedriglohnsektor kritisiert. Allein in ihrer Branche im Bereich Hersfeld-Rotenburg drohten 8700 Vollzeitbeschäftigten im Alter Hartz IV. „Wer heute in Vollzeit weniger als 2200 Euro verdient, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Alter auf staatliche Stütze angewiesen“, so IG-Bau-Bezirksvorsitzender Klaus Michalak. Er fordert deshalb einen Mindestlohn von wenigstens 12,63 Euro pro Stunde.

Teilzeit-Kräfte sind besonders betroffen

Laut der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda gibt es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg 48 263 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen und Männer (Stichtag: 31. März 2018). Davon gehen 13 771 einer Teilzeitbeschäftigung nach. Geringfügig beschäftigt sind im Kreis 9734 Menschen, davon 6666 ausschließlich in einem Mini-Job. 

Gerade wer nur einen Teilzeit- oder Minijob habe, sei von Altersarmut betroffen, warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk müssten im Landkreis viele Beschäftigte im Alter aufstocken. Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Kampmann.

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