Sekunde mit bösen Folgen

19-Jähriger aus Bebra wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße
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Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße

Ein 19-Jähriger aus Bebra hat vor einem Jahr einen tödlichen Unfall verursacht. Jetzt musste er sich dafür vor dem Jugendschöffengericht Bad Hersfeld verantworten.

Bad Hersfeld – Eine tragische Verkettung von Umständen führte vor einem Jahr, am 23. April, zu einem Unfall, bei dem eine Frau starb und ihr Mann schwer verletzt wurde.

Am Abend vor dem Unfall war der Bebraner mit seinem Auto in Eschwege mit einem Kupplungsschaden liegen geblieben. Es dauerte viele Stunden, bis er endlich Hilfe organisieren konnte. Erst gegen 5 Uhr morgens war er wieder zuhause – die Zeit, zu der er normalerweise aufstand, um dann um 6 Uhr seine Arbeit als Kurierfahrer zu beginnen.

Er habe noch seinen Chef angerufen und gesagt, dass er eigentlich nicht arbeiten könne, weil er die ganze Nacht nicht geschlafen habe, doch der Chef habe darauf bestanden, dass er wie gewohnt fahre, berichtete der Angeklagte. Aus Angst, seinen Job zu verlieren, stieg er also ins Auto und fuhr los.

Das war, wie Oberamtsanwältin Silke Röder und das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Michaela Kilian-Bock feststellten, ein großer Fehler. Denn um 9.50 Uhr muss er auf der Bundesstraße 254 zwischen Petersberg und Dipperz auf gerader Strecke kurz eingenickt sein. Er fuhr direkt in den Gegenverkehr und frontal in den Hyundai eines älteren Ehepaares aus Hofbieber. Bei dem Aufprall wurde die 79-jährige Frau so schwer verletzt, dass sie kurz darauf starb. Ihr schwer verletzter Ehemann leidet noch heute unter den Folgen des Unfalls.

Auch den 19-Jährigen hat der Unfall sehr mitgenommen. Er fragt sich immer wieder, wie der Unfall auf gerader Strecke hat geschehen können. Er hat psychologische Hilfe in Anspruch genommen und sich schriftlich bei den Hinterbliebenen entschuldigt.

Das Gericht verurteilte den Bebraner zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird und zu einer Geldbuße von 400 Euro. Staatsanwältin Silke Röder hatte acht Monate gefordert, Verteidiger Jochen Kreissl und die Jugendhilfe im Strafverfahren hielten eine Verwarnung und eine Geldauflage für angemessen. (Christine Zacharias)

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