Angeklagter schlug mit Glas zu

Kirmesschlägerei in Breitenbach/H: 19-Jähriger muss Schmerzensgeld zahlen

Bad Hersfeld. 400 Euro Schmerzensgeld muss ein 19-Jähriger zahlen, der am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Hersfelder Amtsgericht angeklagt war. 

Der Angeklagte soll im September 2014 auf der Kirmes am Stadion in Breitenbach/H. einem 22-Jährigen mit einem Glas ins Gesicht geschlagen haben.

Dieser wurde dabei am Ohr verletzt; selbiges musste in einer einstündigen Operation rekonstruiert werden.

Richtig aufklären ließ sich das Geschehen zu später Stunde trotz mehrerer geladener Zeugen im Gerichtssaal nicht. Die gaben an, nichts gesehen zu haben oder sich an nichts zu erinnern, die Aussagen anderer Zeugen widersprachen sich.

Laut des Geschädigten aus Breitenbach habe dieser die Kirmes gerade mit seiner Freundin verlassen wollen, als in der Nähe der Toiletten ein weiterer Kirmesbesucher gestürzt sei. Als er diesem habe aufhelfen wollen, sei der Angeklagte auf ihn zugestürzt und habe ihn attackiert. Um sich zu wehren, habe er dem 19-Jährigen, der vor kurzem nach Niederaula gezogen ist, anschließend einen Faustschlag versetzt, bevor weitere Kirmesbesucher dazugekommen seien.

Der Angeklagte, bei dem später ein Alkoholwert von 1,07 Promille gemessen wurde und der zudem Cannabis konsumiert hatte, erklärte, er habe seinem Kumpel helfen wollen, der seiner Meinung nach von dem Breitenbacher angegriffen wurde. An viel mehr könne er sich nicht erinnern, das Glas habe er möglicherweise geworfen, aber nicht damit zugeschlagen. Der 19-Jährige erlitt einen Kieferbruch, konnte aber ebenfalls nicht sagen, wann und wie diese Verletzung entstanden sei. Der geschädigte 22-Jährige mochte nicht ausschließen, dass diese Verletzung eine Folge seines Faustschlags war.

Die Auseinandersetzung, um die es nun im Amtsgericht ging, war offenbar auch nicht einzige des Abends. „Da hat sich jeder mit jedem geschlagen“, berichtete ausgerechnet jener Zeuge, dem der Geschädigte habe aufhelfen wollen, und der eigentlich Licht ins Dunkle bringen sollte.

Weil sich das Geschehen letztlich nicht zweifelsfrei aufklären ließ, endete das Verfahren nicht mit einem Urteil, sondern der genannten Einigung. Es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte die Situation falsch eingeschätzt habe, erklärte Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock. Trotzdem sei der Schlag mit dem Glas nicht gerechtfertigt gewesen. Dass er mit dieser Entscheidung glimpflich davon kam, war dem als Heranwachsenden behandeltem Angeklagten bewusst, der nicht zum ersten Mal vor Kilian-Bock saß, sich aber in den vergangenen zwei Jahren nichts zu Schulden kommen ließ. „Sie haben sich positiv entwickelt“, gab die Richterin ihm mit auf den Weg.

Das Geld darf der Paketstapler, der 450 Euro im Monat verdient, in monatlichen Raten à 50 Euro zahlen – und zwar an den Verein für Jugend- und Bewährungshilfe, der die komplette Summe sofort an den Geschädigten überweist. (nm)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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