Erbärmlicher Zustand

Tiernothilfe schockiert: Unbekannter stopft 20 Kaninchen in verdreckte Hundebox

Zusammengepfercht in einer Hundebox: 20 Zwergkaninchen wurden am Mittwochabend in Bad Hersfeld nahe des Tierheims entdeckt.
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Zusammengepfercht in einer Hundebox: 20 Zwergkaninchen wurden am Mittwochabend in Bad Hersfeld nahe des Tierheims entdeckt.

In Bad Hersfeld hat ein Unbekannter 20 Kaninchen in eine verdreckte Hundebox gesperrt.

Bad Hersfeld/Rotenburg - Ein Unbekannter hat 20 Kaninchen in eine verdreckte Hundebox gepfercht und in der Nähe des Tierheims in Bad Hersfeld abgestellt. „Wir haben schon viele Tiere in sehr schlechtem Zustand gesehen. Aber in dieser Form, mit so vielen Tieren, die übereinander gestapelt lagen – das ist uns das erste Mal passiert“, sagt Christiane Müller von der Tiernothilfe Rotenburg. Als sie und Susanne Hoyer bei den Kaninchen ankamen, „da war kein Gewusel mehr in der Kiste“. Die Tiere seien platt und erledigt gewesen, berichtet Müller.

Dass sie überhaupt gefunden wurden, war eine glückliche Fügung. Ein junger Mountainbiker entdeckte die Box am späten Mittwochabend auf einer Wiese in der Nähe des Tierheims. Er rief seine Mutter an, die auf der Suche nach Hilfe herumtelefonierte, bis schließlich aus Rotenburg die Zusage kam, dass sich zwei Mitglieder der Tiernothilfe gleich auf den Weg machen.

„Vermutlich wurde die Box nicht direkt vor dem Tierheim abgestellt, weil es dort Überwachungskameras gibt“, sagt Christiane Müller. Die Tierheim-Mitarbeiter hätten die Kaninchen deshalb auch am nächsten Morgen wahrscheinlich nicht entdeckt. Auf den ersten Blick war gar nicht zu erkennen, wie viele Tiere in der Box waren. Für die Nacht stellte Elaine Wedekind-Göbel von der Hersfelder Katzennothilfe ihren Hof als Unterkunft zur Verfügung.

Kein Verständnis für Täter

Erst dort stellten die Frauen fest, wie viele Kaninchen es waren und wie schlecht deren Zustand war. Am Donnerstagmorgen übernahmen Andreas Rümmler, Toni Zabel und Frank Krökel vom Tierheim des Landkreises die Zwergkaninchen und versorgten sie medizinisch. Die Böcke werden kastriert und die Muttertiere sind wohl trächtig. Für alle 20 Tiere wird nach Freigabe durch den Tierarzt ein neues Zuhause gesucht. Außerdem wird dringend Heu, Stroh und Grünfutter benötigt.

Bei allen Beteiligten ist die Fassungslosigkeit groß. Christiane Müller von der Tiernothilfe Rotenburg sagt: „Wir sind immer froh, wenn jemand sich auch Hilfe sucht, wenn er sie benötigt. Keiner muss sich schämen, wenn er seine Tiere zu uns bringt. Wir helfen in jeder Situation.“ Das Tierheim schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Wir arbeiten jederzeit gerne mit Menschen, auch in Notlagen, wenn es um den Schutz der Tiere geht und finden immer eine Lösung. Niemand muss Tiere so behandeln.“

In diesem Fall könne man keinerlei Verständnis aufbringen und werde Anzeige erstatten. Die Polizei hat unterdessen mitgeteilt, wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu ermitteln. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich unter Tel. 0 66 21/93 20 zu melden. Lob gibt es von allen Seiten für den jungen Mann, der die Kaninchen gefunden hat. „Die Tiere haben nur überlebt, weil ein Mensch reagiert und nicht weggesehen hat“, schreibt das Tierheim.

Polizei und Tierheim vermitteln die Tiere

Irritationen hatte es zunächst gegeben, weil die Polizei nicht vor Ort war, obwohl sie alarmiert wurde. Tierheim, Tiernothilfe und Polizei betonen nun aber, dass sie gut zusammenarbeiten und sich regelmäßig über das Vorgehen in vergleichbaren Fällen austauschen. Außerhalb der Dienstzeiten des Tierheims ist die Polizei Ansprechpartner. „Das Wohl der Tiere steht stets im Vordergrund. Die Tiere waren durchgehend betreut und wir haben uns sofort bemüht, den Kontakt zu Tierhilfsorganisationen herzustellen“, heißt es bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Osthessen.

Kontakt: Tierheim Bad Hersfeld Tel. 0 66 21/64 64 0, per E-Mail tierheim@tierschutzverein-hef.de. Tiernothilfe Rotenburg Tel. 01575/55 80 92 8, per E-Mail info@tiernothilfe-rotenburg.de

Im letzten Jahr wurden neun tote Kaninchen zwischen Frankenberg und dem Stadtteil Geismar gefunden. Die Polizei Frankenberg ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. (Von Christopher Ziermann)

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