Urteil nach Diebstahl in Niederaula

200 Tafeln aus Supermarkt in Niederaula gestohlen: Schoko-Bande bleibt in Haft

Symbolbild Gericht HNA
+
Für drei Männer aus Rumänien geht es zurück in die JVA Fulda: Das Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld hat sie wegen schweren Bandendiebstahls zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Verurteilten saßen bisher in Untersuchungshaft.

Weil sie Schokolade gestohlen haben, sind drei Männer in Bad Hersfeld zu jeweils einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Ihr Verhängnis: die Kameraüberwachung.

Bad Hersfeld - Wegen schweren Bandendiebstahls sind drei bereits in Untersuchungshaft sitzende Männer vom Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld jetzt zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden. Zum Verhängnis geworden war ihnen die Kameraüberwachung eines Supermarkts in Niederaula, die auch den Parkplatz mit einschloss. Zudem war es offenbar nicht der erste Diebstahl, der auf das Konto der drei Rumänen ging, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder in Deutschland aufhielten.

Auf Schokolade der Marke Lindt hatten es die Männer im Alter von 53, 28 und 26 Jahren am Morgen des 29. Februar 2020 abgesehen, als sie nacheinander den Markt betraten, die Ware aus dem Regal nahmen, unter der Kleidung versteckten und damit zunächst unbemerkt das Geschäft verließen. Laut Anklageschrift und Aussage des Betreibers handelte es sich um insgesamt rund 200 Tafeln der gleichen Sorte, aber unterschiedlicher Geschmacksrichtungen im Wert von 644,95 Euro.

Supermarkt-Betreiber bemerkt die „riesige Lücke“ im Regal und sichtet Überwachungsvideos

Der Diebstahl fiel auf, als der selbstständige Kaufmann ein paar Stunden später die „riesige Lücke“ im Regal entdeckte und den Bestand überprüfte. Daraufhin habe er sich die Videoaufzeichnungen angeschaut, auf denen sowohl die Taten als auch das Mietauto samt Kennzeichen zu sehen waren, mit dem die Angeklagten angereist waren.

Der Strafanzeige bei der Polizei folgten umfangreiche Ermittlungen, im Zuge derer nicht nur einer der drei Männer als Mieter des Fahrzeugs identifiziert wurde, sondern auch die beiden anderen Beteiligten schnell festgestellt werden konnten, wie ein ebenfalls als Zeuge geladener Polizist berichtete.

Gericht: Nicht nur Diebstahl von ein paar Tafel Schokolade

Alle drei waren bereits polizeibekannt beziehungsweise erkennungsdienstlich behandelt worden, da sie schon vorher in anderen deutschen Städten in teils wechselnden Konstellationen gemeinsame Sache gemacht hatten. Und auch danach fielen sie erneut zusammen auf.

Unter anderem dieser Umstand war für das Gericht ein Indiz, dass es sich nicht nur – wie von den Verteidigern vorgebracht – um den gemeinschaftlichen Diebstahl von ein paar Tafeln Schokolade handelte, sondern um gewerbsmäßigen Bandendiebstahl.

Die Angeklagten hatten sich zwar mit Blick auf die konkreten Vorwürfe in diesem Fall geständig gezeigt, ansonsten aber geschwiegen oder ausweichend geantwortet. Für sie ging es nach der Verhandlung zurück in die JVA Fulda.

Wortkarge Angeklagte überzeugen nicht

Zuschauer gab es zwar keine, trotzdem wurde es im größten Saal des Bad Hersfelder Amtsgerichts in der Verhandlung gegen die rumänische Diebesbande fast schon eng. Denn gleich drei Angeklagte und ihre Verteidiger saßen dem Schöffengericht und der Staatsanwältin gegenüber, zudem wurde ein Dolmetscher benötigt.

Ob die drei zu Freiheitsstrafen verurteilten Männer bei ihrem Schokoladen-Diebstahl in Niederaula nun eigens präparierte Daunenwesten trugen oder diese einfach praktisch waren, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Dass die Rumänen die Schokolade im Wert von 644,95 Euro selbst essen wollten oder für den Genuss von Süßigkeiten durch Deutschland fuhren, konnten sich Richterin Christina Dern und ihre beiden Schöffen aber nicht vorstellen.

Ebenso wenig, dass sie sich zufällig in Frankfurt getroffen haben und vorher wie nachher auch anderswo gemeinsam aufgehalten haben. Das sei weder glaubhaft, noch hätten sie eine andere, konkrete Erklärung dafür abgegeben, so die Richterin in der Urteilsbegründung. Mit Freiheitsstrafen in Höhe von jeweils einem Jahr und drei Monaten entsprach das exakt der Forderung der Staatsanwältin, die auch die Merkmale eines schweren Bandendiebstahls und der Gewerbsmäßigkeit erfüllt sah. Vorbelastet waren alle drei Männer durch einschlägige Vorstrafen wegen Diebstahls.

Keine positive Sozialprognose, keine Bewährung

Sowohl die Staatsanwältin als auch das Gericht gingen davon aus, dass sich die Angeklagten zu einer Straftat verabredet hatten, wobei sie gezielt, routiniert, arbeitsteilig und nach Plan vorgegangen seien. Dass man die Beute anschließend spontan für 200 Euro auf der Straße verkauft habe, wie zumindest einer der drei Angeklagten im Gerichtssaal eingeräumt hatte, mochte Richterin Dern nicht glauben, sie hielt vielmehr einen Diebstahl auf Bestellung oder zumindest gezielt für einen bekannten Hehler für wahrscheinlich.

Die Verteidiger der drei bereits in Untersuchungshaft sitzenden Männer hatten für eine Aufhebung der Haftbefehle plädiert und unter anderem auch auf die derzeit schwierigen Haftbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie verwiesen.

Das Gericht sah jedoch keine Gründe für eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung, wie etwa eine positive Sozialprognose. Festgenommen worden waren die Männer im vergangenen Jahr nach Haftbefehlen des hiesigen Amtsgerichts. Sobald das Urteil rechtskräftig würde, würde die U-Haft in Strafhaft umgewandelt.

Während der 53-Jährige und der 26-Jährige das Urteil zunächst augenscheinlich regungslos aufnahmen, ließ der 28-jährige und vor Gericht gesprächigere Mann den Kopf auf die Tischplatte sinken. Von allen drei gab es kurze Worte des Bedauerns, es sei eine Dummheit gewesen, sagte der 26 Jahre alte Angeklagte. Warum das Trio ausgerechnet in Niederaula Halt gemacht hatte, blieb ebenfalls offen. (Nadine Maaz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.