Bewährungsstrafe von sechs Monaten

Bad Hersfeld: 37-jähriger Mann gesteht Missbrauch eines neunjährigen Mädchens

Symbolbild der Justizia mit verbundenen Augen
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Laut Gutachter liege bei dem Angeklagten keine krankhafte Störung und Gefahr einer Wiederholungstat vor. Das und weitere Umstände wirkten sich strafmildernd auf das Urteil aus.

Zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten ist ein 37-Jähriger verurteilt worden. Er gestand, im Jahr 2019 ein neunjähriges Mädchens sexuell missbraucht zu haben.

Bad Hersfeld – Wegen sexuellen Missbrauchs im Jahr 2019 eines damals neun Jahre alten Mädchens ist ein 37-Jähriger aus Bad Hersfeld zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Der Angeklagte musste sich am Montag, 8. November, vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld verantworten.

Er hatte das Mädchen, auf das er aufpassen sollte, im Juli 2019 ins Bett gebracht, dabei über ihrer Schlafanzughose ihre Scheide gestreichelt und gefragt, ober er auch unter die Hose fassen dürfe. Das lehnte das Kind ab. Diese Vorwürfe räumte der Bad Hersfelder, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagte, ein und ersparte dem Kind so eine Aussage vor Gericht.

37-jähriger Mann aus Bad Hersfeld gesteht Missbrauch eines neunjährigen Mädchens

Er entschuldigte sich auch für seine Tat, hat seitdem den Beruf gewechselte – vorher war er als Erzieher tätig – und befindet sich in Therapie. Über seinen Anwalt Dr. Rüdiger Decker hat der 37-Jährige einen Täter-Opfer-Ausgleich angeboten. Weil zudem Gutachter Pedro Michael Faustmann – ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit – erklärt hatte, dass bei dem Angeklagten wohl keine krankhafte Störung vorliege und er keine Wiederholungsgefahr sehe, entschied sich das Gericht unter Vorsitz von Michaela Kilian-Bock für eine relativ milde Strafe.

Das ist der Täter-Opfer-Ausgleich

Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) ist ein Versuch, die negativen Folgen einer Straftat zu verringern. Täter oder Täterin und Opfer haben die Möglichkeit zur Aussprache über die Tat und deren Folgen, sowie zur Aushandlung einer Wiedergutmachung. Das kann eine Geldzahlung sein oder aber auch nur die Einsicht des Täters in ein Unrecht und dass das Opfer ihm vergibt. Der TOA kann eine Verfahrenseinstellung beziehungsweise Strafminderung bewirken.

Nach sexuellem Missbrauch: Mann aus Bad Hersfeld saß über drei Monate in Untersuchungshaft

Oberstaatsanwältin Alexandra Löw hatte sich für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und zahlreiche Auflagen ausgesprochen, die Verteidiger Rüdiger Decker und Anne Patsch hatten dagegen auf § 59 hingewiesen (Verwarnung mit Strafvorbehalt), der zum Einsatz kommt, wenn zu erwarten ist, dass der Täter künftig auch ohne Verurteilung keine Straftaten mehr begehen wird. Alternativ schlugen die Verteidiger eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung oder eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen vor. Ihr Anliegen war es, möglichst eine Verurteilung und damit einen Vermerk der Strafe im polizeilichen Führungszeugnis zu vermeiden.

Genau das war aber der Mutter des Mädchens wichtig, nicht wegen Rachegedanken, sondern um zu verhindern, dass der Angeklagte wieder mit Kindern arbeitet. Wegen der Tat hat der Mann bereits über drei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Die Mutter hatte erzählt, dass sie beruflich in Bad Hersfeld zu tun hatte und glücklich war, eine Unterkunft mit Betreuung gefunden zu haben, sodass sie ihre beiden Kinder mitbringen konnte. Ihre Tochter habe den Übergriff gut verarbeitet. Auch das wirkte sich strafmildernd für den 37-Jährigen aus. Er trägt die Kosten des Verfahrens. (Christine Zacharias)

Im Sommer dieses Jahres ist die Polizei mit hessenweiten Razzien gegen die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorgegangen. Ermittler stellten rund 1000 Daten sicher.

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