Wildkameras filmten den Mann

51-Jähriger wegen Stalkings vor Gericht: Ex-Freundin aus Rotenburg hat Angst

Eine goldene Justizia steht vor einem Aktenstapel
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Symbolbild Gericht

Weil er seine Ex-Freundin aus Rotenburg immer wieder verfolgt und bedroht hat, muss sich ein 51-Jähriger nun in Bad Hersfeld vor Gericht verantworten.

Bad Hersfeld – „Für mich war diese Frau mein Leben“, erklärt der 51-jährige Rettungssanitäter, der inzwischen in Norddeutschland lebt. Er muss sich vor Gericht verantworten, weil er eben diese Frau, eine 42 Jahre alte Rotenburgerin, hartnäckig mit Anrufen und Handy-Nachrichten verfolgt hat, mehrfach in ihr Haus eingebrochen ist und sie bedroht hat.

So richtig gut lief die Beziehung zwischen den beiden, die sich im Dezember 2017 kennengelernt hatten, nur kurzfristig. Im März 2018 zog er bei ihr ein, gemeinsam renovierten sie ein Haus, das die Rotenburgerin gekauft hatte. Schon dabei habe es sehr viel Streit gegeben, erinnern sich beide. Im Mai 2018 trennten sie sich zum ersten Mal, kamen aber bald wieder zusammen. Sie habe ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er doch so viel beim Renovieren geholfen habe, meint die 42-Jährige.

Ein gemeinsamer Urlaub im Juni 2018 sei eine Katastrophe gewesen, berichtet sie. Es folgten weitere Trennungen und Versöhnungsversuche. Er führte eine Doppelbeziehung, lebte teilweise bei einer Ex-Freundin. Sie dachte sich, es müsse doch irgendwie gehen mit ihnen, „aber außer Sex ging nicht wirklich viel bei uns“, räumt sie ein. Die Sorge, er könne sich das Leben nehmen, wenn sie ihn verließe, erschwerte ihr die endgültige Trennung.

Als er nach einem heftigen Streit im August 2018 das Haus ohne seinen Schlüssel verließ und dann nachts durch ein Kellerfenster einbrach und neben ihrem Bett kniete, sei ihr mit etwas Verzögerung klar geworden, dass ein Schlussstrich gezogen werden müsse. Dass er eine mehrjährige Gefängnisstrafe abgesessen hatte, weil er eine frühere Partnerin beinahe erwürgt hatte, machte ihr zusätzlich Sorgen.

Auch ihr gegenüber wurde der Ton rauer. Der Angeklagte drohte, sie bei ihrem Arbeitgeber, einer sozialen Einrichtung, anzuschwärzen, indem er behauptete, sie habe eine sexuelle Beziehung zu einem Bewohner.

Ende August ließ die 42-Jährige zum ersten Mal neue Schlösser einsetzen. Dennoch traute sie sich kaum noch, sich in ihrem Haus aufzuhalten. Zwei weitere Male brach der Angeklagte bei ihr ein, hielt sich teilweise stundenlang in dem Haus auf. Wildkameras, die die verängstigte Frau installiert hatte, bestätigen das. Er veranlasste einen Kollegen, über WhatsApp Kontakt mit der Rotenburgerin aufzunehmen und übernahm den Chat. Es dauerte lange, bis die Frau bemerkte, mit wem sie da eigentlich korrespondierte.

Die Rotenburgerin erwirkte ein Annäherungsverbot für ihren Ex-Partner beim Amtsgericht, das er immer wieder ignorierte.

Noch immer lebt die 42-Jährige in Angst. „Ein normales Leben ist gar nicht möglich“, erklärt sie Richterin Christina Dern. Sie war lange krankgeschrieben, muss Medikamente nehmen. Er berichtet von zwei gescheiterten Suizidversuchen. „Haben Sie mal überlegt, sie einfach in Ruhe zu lassen?“, fragt die Richterin. „Nein, das war mir nicht möglich“, sagt er.

Die Verhandlung wird am 4. März fortgesetzt. (Christine Zacharias)

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