Kreis erlässt neue Verfügung

Ab Montag gilt im Kreis Hersfeld-Rotenburg innen die 3-G-Regel

Wer ab Montag in einem Restaurant speisen möchte, braucht zwingend einen negativen Coronatest – oder muss genesen oder geimpft sein.
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Wer ab Montag in einem Restaurant speisen möchte, braucht zwingend einen negativen Coronatest – oder muss genesen oder geimpft sein.

Da die Sieben-Tage-Inzidenz in Hersfeld-Rotenburg wieder steigt, hat der Landkreis für den kommenden Montag eine neue Allgemeinverfügung angekündigt. Dazu Fragen und Antworten.

Wie hoch ist die Inzidenz denn aktuell?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Donnerstag für den Landkreis einen Wert von 52,2 gemeldet. So hoch war die Inzidenz zuletzt am 26. Mai. Bei genauerer Betrachtung der Neuansteckungen fällt auf, dass mittlerweile vor allem Jüngere betroffen sind – viele Ältere sind ja schon geimpft. Die Inzidenz bei den 15- bis 34-Jährigen liegt aktuell bei 103, bei den 0- bis 14-Jährigen bei 93.

Gibt es Hinweise, dass die Fallzahlen in den kommenden Tagen weiter steigen könnten?

Ja. Die sogenannte Reproduktionszahl (R-Wert), die Aufschluss über die Ansteckungsrate gibt, liegt laut Adelheid Merle, Leiterin des Gesundheitsamtes, derzeit bei 1,89 und damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnittswert (1,27). Ein R-Wert von 1 bedeutet, dass ein Corona-Infizierter im Schnitt einen gesunden Menschen ansteckt. Demnach überträgt ein Neuinfizierter im Kreis derzeit das Virus auf fast zwei andere. Zudem sind laut Merle inzwischen sämtliche neuen Fälle im Landkreis auf die Delta-Variante zurückzuführen. Wegen der höheren Ansteckungsgefahr bei dieser Mutante „rechnen wir auch in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Fallzahlen“, so Merle. Die meisten Neuinfektionen seien auf Ansteckungen bei privaten Zusammenkünften und Feierlichkeiten zurückzuführen sowie auf einzelne Reiserückkehrer. Merle: „Bei den positiven Fällen handelt es sich fast immer um ungeimpfte Personen.“

Ab Montag gilt eine neue Allgemeinverfügung. Welche Folgen hat das für den Alltag im Kreis?

Das kommt drauf an: Wer den vollen Impfschutz hat oder genesen ist, für den ändert sich de facto so gut wie nichts. Grundsätzlich gewinnt die sogenannte 3-G-Regel – geimpft, genesen oder getestet – ab Montag an Bedeutung. Zutritt in Innenräume haben dann nämlich nur noch Menschen, die diese 3-G-Regel erfüllen. Dazu zählen unter anderem Veranstaltungen, Kulturangebote, Freizeiteinrichtungen, Sportstätten, die Innengastronomie und körpernahe Dienstleistungen. Die 3-G-Regel ist auch für private Feierlichkeiten in öffentlichen oder angemieteten Räumen maßgeblich. In Hotels müssen nicht geimpfte und nicht genesene Gäste bei der Anreise und bei längeren Aufenthalten zweimal pro Woche einen Negativnachweis vorlegen. Zudem sind im Kreisgebiet bei einer Inzidenz über der 50er-Marke weiterhin Veranstaltungen auf 500 Personen im Freien und 250 Personen in Innenräumen beschränkt – jeweils zuzüglich Geimpfte und Genesene.

Bis wann gelten die neuen Regeln?

Die Allgemeinverfügung ist vorerst bis zum 12. September, 24 Uhr, gültig. Kreissprecherin Krenz: „Der Verwaltungsstab bewertet die Situation neu, sobald der Inzidenzwert an fünf Tagen in Folge unter den Schwellenwert von 50 gefallen ist.“

Wie viele Menschen im Landkreis sind inzwischen geimpft?

Die exakte Zahl der Geimpften zu bestimmen, ist nahezu unmöglich, da nicht alle Impfungen auf Kreisebene erfasst werden. Fest steht: Bislang haben mindestens 68 120 Menschen die erste Spritze erhalten. 65 568 sind bereits zweitgeimpft – oder haben den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen. Diese Zahlen beruhen auf Angaben des Impfzentrums in Rotenburg sowie der mobilen Impfteams und der Kassenärztlichen Vereinigung, die ihrerseits eine Statistik für die Schutzimpfungen in den Arztpraxen im Kreis führt. Es fehlen allerdings die Impfungen der Betriebsärzte, deren Zahlen nicht regional dokumentiert werden. Die Arbeitsmedizinische Untersuchungsstelle (AUst) in Bad Hersfeld, einer der größten betriebsärztlichen Anbieter der Region, hat laut dem kaufmännischen Leiter Florian Michl bislang rund 4000 Menschen geimpft – darunter Erst- und Zweitimpfungen. Geht man also davon aus, dass insgesamt etwa 70 000 Menschen zwischen Nentershausen und Breitenbach/H. zweitgeimpft sein dürften, würde das 58 Prozent der – wohlgemerkt gesamten – Kreisbevölkerung entsprechen.

Und wie viele sind genesen?

Zumindest diese Zahl ist eindeutig: Nach Angaben des Gesundheitsamtes haben 5960 Menschen eine Infektion überstanden und gelten somit offiziell als genesen. Aus der Impfstatistik fallen diese Personen allerdings nicht automatisch heraus, da sich zahlreiche Genesene trotzdem impfen lassen. Genesene benötigen laut Bundesgesundheitsministerium nur eine Impfdosis, um den vollen Impfschutz zu erlangen.

Wie sieht die Coronalage bei den Nachbarn aus?

Im Schwalm-Eder-Kreis lag die Inzidenz am Donnerstag nach Angaben des RKI bei 21,1. Ähnlich sieht es im Vogelsbergkreis aus: 22,7. Der Werra-Meißner-Kreis ist weiterhin der Landkreis in Hessen mit den aktuell niedrigsten Fallzahlen. Die Inzidenz dort lag bei 5,0. Im Kreis Fulda ist der Wert am Donnerstag auf 66,8 geklettert. Ab Montag gelten in Fulda verschärfte Regeln, die ebenfalls für Ungeimpfte und Nicht-Genesene einen negativen Test für Restaurant- und Friseurbesuche vorsehen. Entspannt ist die Lage bei den Nachbarn in Thüringen. Der Wartburgkreis (inklusive Eisenach) meldete am Donnerstag eine Inzidenz von 18. Die höchste Inzidenz hessenweit hat derzeit die Stadt Offenbach (72,2), bundesweiter Spitzenreiter ist die Stadt Leverkusen (124,6). (Sebastian Schaffner)

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