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Schluss mit Schule -Abiturienten aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg starten durch

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Von: Kim Hornickel

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Symboldbild Schule
Symbolbild Schule © Caroline SeidSeidel-Dißmannel/dpa

Die Abiturprüfungen sind geschafft und für die Absolventen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg ist Schluss mit Schulbankdrücken.

Hersfeld-Rotenburg – Für sie geht es zum Studieren in eine andere Stadt oder sie engagieren sich bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr – in Deutschland oder im Ausland. Über ihre Pläne haben wir mit einigen Schülern aller vier höheren Schulen des Landkreises gesprochen.

Dabei gibt es kreisweit einen Trend unter den Abi-Abgängern: Nur wenige der Schüler entscheiden sich für eine (duale) Ausbildung. Das bedauert der Bereichsleiter für Aus- und Weiterbildung der IHK Kassel-Marburg. Thomas Fölsch ist überrascht, „dass das Image der dualen Ausbildung im Vergleich zum Studium immer noch etwas hinten ansteht, gerade in Gymnasien“, erklärt er.

Antonia Hüttner
Antonia Hüttner © Antonia Hüttner

Diese Erfahrung hat auch Antonia Hüttner gemacht. Die 19-jährige Abgängerin der Beruflichen Schulen Bebra, wird im Herbst eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei B.Braun anfangen. Dabei stößt sie auch auf Vorurteile bei einzelnen Schulkameraden. „Viele sagen, ´du hast doch Abi, warum machst du eine Ausbildung´“, erklärt sie. Dabei hat sich die 19-Jährige ihre Weiterbildung gut überlegt. „Ich will mich durch die Ausbildung in dem Bereich orientieren – und nicht einfach irgendetwas studieren und es dann abbrechen“, sagt die 19-Jährige.

Besonders seit der Corona-Pandemie sei die (duale) Ausbildung interessanter geworden, erklärt Hubert Lorenz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg. „Die jungen Leute wollen nicht nur am Schreibtisch sitzen“, erklärt er.

Torben Ritz
Torben Ritz © Torben Ritz

Die Mischung macht es auch für Torben Ritz aus Hauneck. Der ehemalige Schüler der Modellschule Obersberg beginnt in diesem Jahr ein duales Studium im Tiefbau bei der Firma Bickhardt Bau in Kirchheim. Durch ein Praktikum im vergangenen Jahr hatte er sich einen ersten Eindruck verschafft. „Dort habe ich die Abwechslung – Gehirn und Praxis.“ Und die Ausbildung hat noch ein Plus für den Haunecker. „Ich muss nicht nebenbei auch noch einen Minijob machen, wie es im Studium wäre“, erklärt er. Zum Ausbildungsstart bekommt Ritz 950 Euro im Monat.

Liane Tießen
Liane Tießen © Liane Tießen

Für andere Abi-Absolventen ist der Verdienst erst einmal Nebensache. Wie Schülerin Liane Tießen von der Modellschule Obersberg entscheiden sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die Hersfelderin geht im September für ein Jahr nach Sambia. Dort hilft sie bei kirchlichen Projekten, arme Menschen zu unterstützen. Während ihre ehemaligen Schulkameraden Geld verdienen, oder studieren, weiß Tießen noch nicht, wohin sie das Auslandsjahr führt. „Das Finanzielle ist mir nicht so wichtig“, sagt die Abi-Absolventin. „Andere sagen, ’ich will einen guten Job’, das ist für mich aber nicht bedeutend.“ Ihr FSJ wird über Spenden finanziert.

Sarah Bier
Sarah Bier © Sarah Bier

Dass sie nach der Schule – auch während des FSJ – etwas Geld verdient, ist dagegen für Schülerin Sarah Bier wichtig. Die 19-Jährige beginnt im Herbst dieses Jahres ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Notaufnahme des Klinikums in Bad Hersfeld. Die Abgängerin der Beruflichen Schulen Bebra hatte ursprünglich jedoch andere Pläne. „Erst wollte ich Psychologie studieren, dann ein FSJ in der Psychiatrie machen.“ Zuletzt entscheidet sich Bier aber für die Arbeit in der Notfallaufnahme.

Dass sich Schülerinnen und Schüler bei der Berufswahl Zeit lassen oder kurzfristig bewerben, sei kein Einzelfall, erklärt Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld. „Wir beobachten, dass sich die Schülerinnen und Schüler relativ spät mit ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen.“

Mara Heupel
Mara Heupel © Mara Heupel

Auch Mara Heupel von der Jakob-Grimm-Schule Rotenburg weiß vor Semesterbeginn noch nicht, was sie studieren wird. „Ich habe mich auf einige Studienzweige beworben und warte jetzt, wo ich die Zusage bekomme“, erklärt die 18-Jährige.

Adrian Bohl
Adrian Bohl © Adrian Bohl

Bei der Studienwahl unentschieden ist auch Heupels Schulkamerad Adrian Bohl. „Ob Maschinenbau oder Informatik – ich weiß es noch nicht“, sagt Bohl.

Tabea Simon
Tabea Simon © Tabea Simon

Tabea Simon von den Beruflichen Schulen Bebra will Lehramt studieren. Ihr Zweitfach steht jedoch noch nicht fest.

Für die Abi-Absolventen aus dem Kreis bleiben somit noch einige Berufsentscheidungen ungeklärt – nur eins ist klar, dass das Schulbankdrücken, für Simon und ihre Jahrgangskollegen, ganz sicher vorbei ist. (Kim Hornickel)

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