Gericht gibt Antrag der Firma ISB statt

Zuse-Scheune: Abriss rückt näher

Machs gut, altes Haus: Der Abriss der Zuse-Scheune in Bad Hersfeld rückt offenbar näher. Das Verwaltungsgericht hat einem entsprechenden Antrag stattgegeben. Ein Widerspruch ist aber noch möglich.
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Machs gut, altes Haus: Der Abriss der Zuse-Scheune in Bad Hersfeld rückt offenbar näher. Das Verwaltungsgericht hat einem entsprechenden Antrag stattgegeben. Ein Widerspruch ist aber noch möglich.

Der Abriss der Zuse-Scheune in Bad Hersfeld rückt näher: Das Verwaltungsgericht Kassel hat dem Antrag der Firma ISB stattgegeben.

Bad Hersfeld – Das letzte Stündchen der „Zuse-Scheune“ scheint eingeläutet zu werden. Das Verwaltungsgericht Kassel hat jetzt einem Antrag der ISB Projekt GmbH zugestimmt und damit grünes Licht für den Abriss der alten Remise gegeben, in der Computer-Pionier Konrad Zuse den ersten Computer entwickelt hat. (AZ 2 K 2800/17.KS). Das teilt Christoph Werth, Geschäftsführer der ISB Projekt GmbH, mit.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, ein Widerspruch der Stadt ist noch möglich.

Das Gericht habe sich der Sichtweise Investors umfänglich angeschlossen. Das Gebäude sei seit Jahren abbruchreif. Die Schäden an den für die Denkmaleigenschaft relevanten Bauwerksteilen seien so gravierend, „dass eine Sanierung einer Neuerrichtung des Gebäudes gleichkäme“. Damit entfalle der Denkmalschutzaspekt, dessen Ziel es ist, die Baukultur der Vergangenheit, also die geschichtlichen Zeugnisse im Original, zu erhalten.

„Wir sind froh, dass der Rechtsstreit nun ein glückliches Ende hat. Nun können wir endlich handeln und an der Stelle der verfallenen Remise etwas schaffen, das dieser schönen Stadt angemessen ist“, erklärt Christoph Werth.

Auf Nachfrage der HZ bekräftigt Ingo Sauer von der ISB Projekt GmbH, er könne sich weiterhin vorstellen, eine Idee von 2016 zu realisieren und dort einen Glaskubus mit Lochkarten-Design zu errichten als Erinnerung an den Vater des Computers. Gedacht war an einen Glaskubus, der tagsüber die abfotografierte Fassade der Zuse-Scheune abbildet und in der Dunkelheit Bilder aus der Frühzeit der Digitalisierung projiziert, die an das Wirken von Konrad Zuse erinnern (wir berichteten). Vorstellbar wäre ein Muster aus Lochstreifen, mit denen Zuses Rechenmaschinen gearbeitet haben. Aber auch andere Lösungen seinen denkbar, „doch man redet ja im Rathaus nicht mit uns“, beklagt Sauer. Der Kontakt zu Bürgermeister Fehling, der sich immer wieder für den Erhalt der Zuse-Scheune eingesetzt hatte, sei völlig abgerissen.

Kubus statt Scheune: So sah der Vorschlag der ISB Projekt GmbH für das Areal im Modell aus.

Ingo Sauer betont, dass ihm an einer Würdigung Konrad Zuses gelegen sei. „Immerhin haben wir unsere Wohnanlage ja Zuse-Höfe genannt“. Die alte Remise sei aber nicht mehr zu retten, das alte Gebäude sei marode und komplett verfault.

ISB-Geschäftsführer Christoph Werth wirft die Frage auf, ob die Stadt Bad Hersfeld die Mittel nicht besser hätte verwenden können: „Neben den Prozesskosten im fünfstelligen Bereich muss die Stadt auch die Gutachterkosten tragen. Stattdessen hätte etwas entstehen können, das den Bürgern zugutekommt und das Stadtbild bereichert hätte, wäre die Stadt den ISB-Vorschlägen gefolgt. Wir möchten die Vergangenheit jetzt ruhen lassen und nach vorne blicken. Wir reichen der Stadt Bad Hersfeld erneut die Hand und hoffen darauf, dass wir nun endlich gemeinsam konstruktiv tätig werden können.“

Bürgermeister Thomas Fehling hat Urlaub und war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Sprecher Meik Ebert erklärte auf HZ-Nachfrage, man werde die Urteilsbegründung genau prüfen und dann über einen Widerspruch entscheiden. Der Erste Stadtrat Gunter Grimm, der Fehling vertritt, reagierte auf HZ-Anfrage verärgert. Obwohl das Gerichtsurteil seit einer Woche im Rathaus vorliegt, sei er nicht informiert worden. Ohne aber das Urteil zu kennen, wollte er sich nicht äußern. (Kai A. Struthoff)

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