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„Die Ängste sind wieder da“: Mahnwache am Lingg-Denkmal in Bad Hersfeld

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Einsame Rufer: Nur wenige Teilnehmer hatten sich am Dienstagabend zur Mahnwache der Friedensbewegung am Lingg-Denkmal zum Gedenken an den Atombombenabwurf auf Nagasaki eingefunden.
Einsame Rufer: Nur wenige Teilnehmer hatten sich am Dienstagabend zur Mahnwache der Friedensbewegung am Lingg-Denkmal zum Gedenken an den Atombombenabwurf auf Nagasaki eingefunden. ©  Kai A. Struthoff

Nur eine Handvoll Menschen hatte sich am Dienstagabend (9. August) zur Mahnwache der Friedensinitiative des Kreises Hersfeld-Rotenburg am 77. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki am Lingg-Denkmal in Bad Hersfeld eingefunden. Dabei gibt es in diesen Wochen und Monaten eigentlich genug Grund, um für den Frieden zu demonstrieren und auf die weiter bestehende Gefahr eines Atomkriegs hinzuweisen.

Bad Hersfeld – Die Mahnwache fand bewusst im Schatten des Lingg-Denkmals statt, denn der badische Generalleutnant hatte 1806 mutig die Zerstörung von Hersfeld durch Napoleons Truppen verhindert. Am Fuße des Denkmals hatten die Friedensaktivisten ein großes Peace-Zeichen aus Kerzen aufgestellt. Doch die meisten Passanten auf dem Weg zwischen Stiftsruine und Innenstadt verharrten wenn überhaupt nur kurz, um den Rednern zu lauschen.

„Lange haben wir uns keine Gedanken mehr um den Einsatz von Atomwaffen gemacht“, sagte der Vorsitzende der Friedensinitiative, der Bad Hersfelder Kinderarzt Lucas Sichardt, „aber jetzt sind die Ängste wieder da“. Allein die Existenz von Atomwaffen berge eine große Gefahr, und der Einsatz dieser seit dem Zweiten Weltkrieg deutlich verbesserten Atomwaffen, hätte fatale Folgen für die ganz Weltgemeinschaft.

„Atomwaffen müssen geächtet und verboten werden“, forderte Sichardt und mahnte: „Krieg ist nicht zu akzeptieren, denn militärische Auseinandersetzungen führen nicht zu Frieden, sondern nur zu einer weiteren Eskalation von Hass und Gewalt.“

Über die schrecklichen Folgen des Atombombenabwurfs über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki am 6. August und 9. August 1945 berichte dann das Ehepaar Monika und Wolfgang Thon, die aus den Aufzeichnungen des japanischen Radiologen Paul Takashi Nagai zitierten. Er hatte den Atombombenabwurf überlebt und starb im Alter von nur 43 Jahren an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung. Zuvor hatte er das Leiden der Opfer dokumentiert und in dem später auch verfilmten Buch „The Bells of Nagasaki“ eindringlich für die Nachwelt festgehalten.

„Bis heute weiß man nicht genau, wie viele Menschen in Folge der Atombombenabwürfe in Japan gestorben sind“, erinnerte danach Birgit Sichardt in einer kurzen Ansprache und kritisierte, dass die Umstände dieses „Kriegsverbrechens“ noch immer nicht ausreichend aufgearbeitet oder gar gesühnt wurden.

Zum Abschluss appellierte dann noch mal der Vorsitzende der Friedensinitiative, Lucas Sichardt, an die wenigen Mahnwachenteilnehmer und die vorbeigehenden Passanten auf dem Weg zur Festspielaufführung: „Alle Menschen eint der Wunsch nach einem friedlichen Leben in Sicherheit, der erste Schritt dorthin ist, sich zum Frieden zu bekennen.“

Doch nur wenige dürften an diesem Abend diese mahnenden Worte auch wirklich vernommen haben ... (Kai A. Struthoff)

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