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Telefonische Krankmeldung ist seit Juni nicht mehr möglich

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Von: Laura Hellwig

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Illustration zu Krankmeldung per Telefon
Krankschreibungen kommen zurzeit per Post zu den Patienten - wenn gewünscht. © DPA/Paul Zinken

Seit Anfang des Monats können sich Patienten nicht mehr telefonisch von ihrem Hausarzt krankschreiben lassen.

Hersfeld-Rotenburg - Diese Corona-Sonderregelung ist Ende Mai ausgelaufen. Ärztinnen und Ärzte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg üben daran Kritik. Nach telefonischer Rücksprache konnte der Arzt seinen Patienten bisher auch bei einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege für bis zu sieben Tage eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Jetzt müssen die Patienten dafür wieder in die Praxis kommen oder – falls vorhanden – das Angebot der Video-Sprechstunde nutzen.

Dr. Martin Ebel, Allgemeinmediziner in Bad Hersfeld und Sprecher der Hausärzte im Kreis, kritisiert diese Änderung. Der Wegfall der Sonderregelung provoziere, dass Erkrankte in die Praxis kommen und dort andere Patienten und Angestellte infizieren. Ebel fragt sich, „wieso liegt es nicht in den eigenen Händen der Praxen, wen man am Telefon krankschreibt?“ Die Patienten, für die ein Anruf nun nicht mehr ausreicht, vereinbaren jetzt Termine. „Das kann schnell zum Massenphänomen werden“, befürchtet der Arzt.

Wer sich in Kirchheim in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Claudia Mentel und Dr. Thomas Sonntag krankschreiben lassen muss, wartet vor der Tür. Die Praxis versucht, alles in Sachen Krankmeldung im Freien abzuwickeln. „Das ist so schon komplizierter“, sagt Claudia Mentel. Mit Blick auf die steigenden Coronazahlen schätzt sie die Entscheidung der Politik als falsch an.

Auch Dr. Markus Kroker aus Bebra findet die Entscheidung zu früh. „Die Präsenz in der Praxis hat zugenommen und damit auch die Belastung“, so der Arzt. „Die Grauzone der Corona-Positiven ist groß“, gibt der Arzt zu bedenken. Das Erschleichen und missbräuchliche Einfordern einer Krankmeldung sei laut Kroker und Ebel nicht durch die Sonderregelung beeinflusst worden, da die meisten Patienten ohnehin persönlich bekannt seien.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) bestätigt auf Anfrage, dass sich im Feedback der Praxen Ärger über die Entscheidung und erneut schlechte Kommunikation spiegeln. Die Patienten seien irritiert und die Praxen müssten die neue Regelung erklären, obwohl sie diese selbst nicht nachvollziehen könnten, so ein Sprecher der KVH.

Angesichts der angekündigten „Sommerwelle“ durch den Bundesgesundheitsminister ergebe das Auslaufen dieser Regel wenig Sinn, heißt es weiter.

Von Laura Hellwig

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